Quintessenz RHEINPFALZ Plus Artikel Ein schmerzhafter Sommer

Eine Schnake bei der „Arbeit“.
Eine Schnake bei der »Arbeit«.

Ludwigshafen profitiert von seiner Lage am Rhein. Ohne den Fluss und den Hafen gäbe es die Stadt nicht. Doch die Nähe zum Wasser macht vielen Ludwigshafenern in diesem Sommer ziemlich zu schaffen. Durch den nassen Winter und das Hochwasser Ende Mai/Anfang Juni sowie das schwül-warme Wetter haben Schnaken ideale Brutbedingungen vorgefunden. Die Folge: Wir haben eine regelrechte Schnakenplage. Und das gilt nicht nur für Stadtviertel in unmittelbarer Nähe zum Fluss.

„Ich bin hier noch nie so zerstochen worden“, klagt beispielsweise der Kollege Steffen Gierescher, der im Stadtteil West wohnt und nachts die Fenster nicht mehr zum Schlafen offen lassen kann. Das Problem reicht über die Stadtgrenzen hinaus. Unsere Redaktionsassistentin Angelika Utech hat einen Grillabend in Birkenheide vor ein paar Tagen in schmerzhafter Erinnerung. Obwohl sie sich mit einem Mückenabwehrmittel eingesprüht hatte, fielen die Schnaken über sie her. Eine Vielzahl juckender Stiche erinnern sie an den Abend.

Auch im Garten unseres Eigenheims im Stadtteil Süd ist es in der Dämmerung kaum auszuhalten. Regelrechte Mückenschwärme tanzen ihren blutdürstigen Reigen über dem Rasen und den angrenzenden Büschen. Ein schönes Abendessen auf der Terrasse mit einem Glas Wein? Keine Chance, wenn man nicht selbst zur Hauptspeise der kleinen Plagegeister werden und zum Dessert wie ein Streuselkuchen aussehen will.

Glücklicherweise hatte meine Frau, die beste Ehefrau von allen, bereits vor ein paar Jahren unsere Fenster und Terrassentüren mit Fliegenschutzgittern von einem Fachbetrieb ausstatten lassen. Das zahlt sich in diesem Sommer wirklich aus, wenn man drinnen bleibt. Doch in der Sommerzeit ist man eben auch gerne draußen unterwegs. Deswegen haben wir trotz Schutzvorkehrungen schon einige Stiche abbekommen. Besonders schwer erwischt hat es meine Gattin. Sie trägt gerne offene Schuhe und Kleider. Erst vor ein paar Tagen ist sie mitten in der Innenstadt gestochen worden. Ihre Zehen, Knöchel und Beine wurden von den Biestern heimgesucht. „Diese Mistviecher“, schimpfte sie anschließend.

Neulich haben wir im Fernsehen Berichte über die Schnakenplage gesehen. Das Problem ist entlang des ganzen Oberrheins schmerzhaft zu spüren. Gastronomen beklagten, dass ihnen die Gäste wegblieben. Camper berichteten, dass sie sich abends nicht mehr ins Freie trauten. Wir nickten zustimmend vor dem Fernseher. Naturschützer vom BUND erklärten, dass sich der Bestand an Fledermäusen dramatisch reduziert habe. Eine Fledermaus fresse 4000 Schnaken in einer Nacht. Auch der Artenrückgang anderer Fressfeinde mache sich in Kombination mit Starkregen und Überschwemmungen bemerkbar.

Dann trat ein Biologe auf und erklärte zu unserem Erstaunen, dass Bodenseeschnaken ihre Eier in Schilf- und Wiesengebieten ablegen, die dort Jahre existieren könnten. Erst wenn diese Brutstätten überschwemmt würden, schlüpften die Larven. Eine Bekämpfung der Plage lehnte der gute Mann ab, denn das Mittel wirke nicht nur gegen Stech-, sondern auch gegen Zugmückenlarven. Diese seien eine wichtige Nahrungsquelle für Fische, Fledermäuse und Schwalben.

Mag sein. Unser Mitgefühl für die Schnaken hielt sich in Grenzen. Zum Glück gibt’s bei uns die Kommunale Aktion zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs), dachten wir uns. Doch die Kabs konnte wegen des Hochwassers viele Orte nicht erreichen, um den Larven der Stechmücken den Garaus zu machen. Dennoch sei es gelungen, die Population deutlich zu reduzieren. Die Plage sei bald vorüber. Es hätte noch viel schlimmer kommen können. Das möchte man sich lieber nicht ausmalen. Bsssss...

Die Kolumne

Fünf Redakteure berichten für die RHEINPFALZ über Ludwigshafen. Ihre Erlebnisse aus dem (Arbeits-)Alltag nehmen die Redakteure in der Kolumne „Quintessenz“ wöchentlich aufs Korn.

Michael Schmid
Michael Schmid
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