Heidelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Platz zum Tanzen für alle: Neues Studio für die freie Szene

Egal, wer in dem Studio probt – am Donnerstagabend muss er sein Tanz-Wissen mit allen teilen.
Egal, wer in dem Studio probt – am Donnerstagabend muss er sein Tanz-Wissen mit allen teilen.

Es fehle an Räumen, heißt es in der freien Tanzszene immer wieder. Dabei gibt es welche, aber sie sind nicht frei für alle zugänglich. Auf Initiative des Heidelberger Kulturamts und des Choreographen Edan Gorlicki gibt es jetzt das Studio Inter-Actions, dessen Zugang fair gestaltet sein soll. „Keiner von uns zahlt für den Raum und keiner von uns verdient mit ihm Geld, aber alle können ihn nutzen“, sagt Gorlicki. Ein Traum – nur wie ist das möglich?

Helligkeit und Weite, wohin das Auge reicht. 244 Quadratmeter groß ist die frühere Kantine der Heidelberger Druckmaschinen in der Kurfürsten-Anlage 58. In der Mitte glänzt ein zwölf mal zwölf Meter schwarzes Quadrat. Tritt man darauf, überrascht die Weichheit des mehrlagigen Bodens. „Es ist einer der besten Tanzteppiche, die man haben kann“, schwärmt Choreograf Edan Gorlicki und tippt sanft mit dem großen Zeh darauf. „Er bietet Schutz und Komfort für alle, die hier arbeiten. Außerdem ist er mobil. Wir können ihn jederzeit einpacken und in einem anderen Raum installieren, ebenso das Inventar.“ Und damit meint Gorlicki die Umkleiden, die abschließbaren Fächer, die Sofas, die Requisiten und Scheinwerfer. „Jeder, der bei uns arbeitet, kann jetzt seine Dinge hier aufbewahren oder auch ausleihen an Kollegen, das ist wichtig“, betont der 38-Jährige. „Wir, das sind zur Zeit 18 freischaffende Tänzer und Choreografen mit Wohnsitz in Heidelberg, so viele sind jedenfalls in unserem Verteiler.“

Wenige Partner für Projekte

Festgefahrene Förderstrukturen machen freischaffenden Choreografen in Heidelberg seit vielen Jahren das Leben schwer. Proberäume zu gewünschten Zeiträumen sind schwer zu finden und kaum günstig, und ob die Premiere stattfindet, hat viel damit zu tun, ob der Termin, die Ästhetik und der Grad an Professionalität dem jeweiligen Partner gefallen. Derer gibt es in Heidelberg nicht viele: Es sind die Tanzbiennale in der Kooperation von Theater Heidelberg und Unterwegstheater, das „720-Stunden“-Format des Unterwegstheaters und das Kulturhaus Karlstorbahnhof etwa. Das Choreographische Centrum Heidelberg ist ausschließlich für internationale Choreografen reserviert. Und die Hebelhalle hat sich das Unterwegstheater von Jai Gonzales und Bernhard Fauser für eigene Produktionen und Gastspiele mit viel Engagement aufgebaut, und sie betreiben darin ein kulturelles Vermietungsgeschäft.

Eine raffinierte Lösung

„Für mich war also Zugänglichkeit das Wichtigste, was wir alle benötigen“, sagt Gorlicki, der dem Heidelberger Kulturamt vorschlug, die ehemalige Kantine als Zwischennutzung anzumieten. Man könnte ja monatlich eine Summe aufwenden, die die Choreografen sowieso jährlich für Studiomieten ausgeben, um ihre städtisch geförderten Produktionen einzustudieren. „Bei mir fielen zum Beispiel allein 1200 Euro Studiomiete für einen Monat an“, sagt Gorlicki. Das Kulturamt und das Unternehmen von Andreas Epple, dem das Firmengebäude gehört, fanden zu einer Lösung und ermöglichen nun – mit dem Heidelberger Investitionsprogramm, das den Tanzteppich finanzierte – eine nie zuvor gedachte Infrastruktur für bewegungsbasierte Künstler.

Premieren haben Vorrang

Lang hat die Tanzszene diskutiert, wie sie den Zugang zum Studio gemeinsam, fair und transparent organisieren möchte. Jetzt gilt: Wer zuerst kommt, malt zuerst. Sollte aber einer von ihnen auf eine Premiere hinarbeiten, habe dieser oder diese Vorrang. „Danach darf der rein, der künstlerische Bewegungsforschung betreibt. Danach hat derjenige Zugang, der sich auf etwas vorbereiten muss, zum Beispiel einen Wettbewerb oder eine Bewerbung, und zum Schluss haben die internationalen Choreografen und Tänzer Zutritt.“

Egal, wer in dem Studio arbeitet, er muss am Donnerstagabend eine Stunde lang sein Wissen mit allen Interessierten kostenlos teilen. Anmelden muss man sich nicht. „So bauen wir unser Publikum auf“, erklärt Gorlicki. Gerade hat er die neuen Termine verschickt. Die Liste liest sich verheißungsvoll: Bewegungsforschung für alle mit Cecilia Ponteprimo, Elisabeth Kaul, Lisa Bless, Amy Josh und Edan Gorlicki.

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