Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Pfälzer ist das Gesicht des THSV Eisenach

Statt bei den Eulen Ludwigshafen spielt Jannis Schneibel aus Hochdorf-Assenheim beim THSV Eisenach – und zwar so gut, dass der K
Statt bei den Eulen Ludwigshafen spielt Jannis Schneibel aus Hochdorf-Assenheim beim THSV Eisenach – und zwar so gut, dass der Klub den Vertrag bis 2026 kürzlich verlängerte.

Jannis Schneibel kommt aus Hochdorf-Assenheim. Über den Umweg Rhein-Neckar-Löwen landete er bei den Thüringern. Der Klub ist aktuell die Mannschaft der Stunde in der Zweiten Bundesliga – und der heutige Gegner der Eulen Ludwigshafen (19 Uhr). Der Aufschwung wurde mit einem Schweizer eingeleitet – Jannis Schneibel setzt ihn als Kopf der Mannschaft um und fort.

Die Partie gegen den TSV Bayer Dormagen wird Jannis Schneibel nicht so schnell vergessen. Es ist die einzige Partie, die die Thüringer in den vergangenen sieben Spielen verloren hatten. Dass es so weit kam, daran hatte Schneibel, der Pfälzer aus Hochdorf-Assenheim im Trikot des ostdeutschen Traditionsclubs, ein wenig Mitschuld. Der 21-Jährige setzte acht Sekunden vor dem Abpfiff zum Torwurf an, der Ball wurde geblockt, den Jan Reimer noch zum 25:26 (13:13) für die Rheinländer zum Sieg verwandelte.

Eine Erfahrung, die der Spielmacher nicht noch einmal erleben möchte. Dies geschah genau vor drei Wochen, als Schneibel noch vor der Partie seine Vertragsverlängerung bis zum 30. Juni 2026 bekanntgab und diese vom heimischen Publikum mit viel Beifall gewürdigt wurde.

Doch nach dem Spiel war er untröstlich. Die Niederlage schmerzte. Denn Niederlagen hasst er, auch wenn diese zum Sport gehören. Aber Schneibel wird daraus lernen, davon ist auch Trainer Misha Kaufmann überzeugt. Er schenkt dem jüngsten Mittelmann der Zweiten Liga das Vertrauen. „Er ist ein zielstrebiger, fleißiger junger Mann, der vieles selbst beeinflussen möchte“, sagt Kaufmann.

Schneibel soll zentrale Rolle in Eisenach spielen

Der THSV Eisenach hat viel mit Schneibel vor. Er soll sich mittelfristig zum Leader der Mannschaft entwickeln. „Mit seinem hohen spielerischen Potential sieht er viele Sachen und kann diese spielerisch umsetzen, die manch anderer so nicht spielen kann“, betont Kaufmann. Er setzt vor allem auf die taktische Komponente, das Zusammenspiel. „Es gibt für alles einen klaren Plan, ein genaues Timing, dazu gehört viel Disziplin, aber auch ein hohes Maß von Spielverständnis“, meint Schneibel. Das ist aus seiner Sicht auch das Erfolgsrezept, weshalb die Mannschaft in der Amtszeit von Kaufmann in 25 Spielen bisher 16 Mal als Sieger vom Platz ging. Eine beeindruckende Bilanz, die aber noch lange nicht zu Ende sein soll. Die Ostdeutschen planen schon heute die Rückkehr in die Bundesliga. Dazu möchte auch Schneibel seinen Beitrag leisten. Der 21-Jährige war erst kurz vor Weihnachten 2020 als Notverpflichtung des damals verletzten Spielmacher Jonas Ulshöfer geholt worden. Er überraschte die Verantwortlichen. „Er hat sich in den eineinhalb Jahren unfassbar gut entwickelt. Er ist ein Sportsmann durch und durch. Er lebt den Handball und für den Handball. Er ist ein absoluter Profi. Er hat eine tolle Ausbildung bei den Junglöwen genossen und genießt auch noch sein familiäres Umfeld“, sagt THSV-Manager Rene Witte.

Schneibel, der aus Hochdorf-Assenheim stammt und seine Anfänge bei seinem Vater Jürgen beim TV Hochdorf machte, gilt in Eisenach als der Hoffnungsträger. Deshalb wurde der Vertrag vorzeitig bis zum 30. Juni 2026 verlängert. „Ich bin von dem Weg, den der THSV plant, überzeugt . Es entwickelt sich hier sehr viel und bald soll auch die neue Halle fertig sein“, sagt Schneibel: „Aber auch der Trainer hat mich mit seiner Spielphilosophie überzeugt.“

Fahrgemeinschaft in die Heimat

Der Spielmacher fühlt sich in Thüringen wohl. Aber seine Heimat ist die Pfalz. Wenn es das Training und der Spielbetrieb zulassen, dann nutzt er jede Möglichkeit, um nach Hause zu kommen. Zusammen mit Daniel Hideg, die Ex-Eule, sowie Jonas Ulshöfer bildet er eine Fahrgemeinschaft für die Heimfahrten. Diesmal aber ist der Weg so kurz wie noch nie zuvor. Schneibel hofft, dass er nach der Partie in Ludwigshafen nach Hochdorf fahren darf. „Zunächst freue ich mich auf die Partie gegen die Eulen, denn nicht nur meine Familie, sondern auch viele Freunde werden da sein“, sagt Schneibel.

Für den Mann mit der Nummer 66 geht ein kleiner Traum in Erfüllung. „Es war schon immer mein Wunsch, einmal gegen die Eulen Ludwigshafen in der Eberthalle zu spielen“, sagt Jannis Schneibel.

Und Eisenach kommt mit breiter Brust nach Ludwigshafen. Die Gäste sind bis auf den Ausrutscher gegen den TSV Bayer Dormagen seit sieben Spielen ohne Niederlage. Diese Serie wollen sie auch heute gegen die Eulen Ludwigshafen (19 Uhr) fortsetzen. Die Aufwärtsentwicklung der Thüringer begann mit der Verpflichtung von Misha Kaufmann. Der Schweizer, der vom HSC Suhr Aarau nach Eisenach kam, hat mit seiner Spielphilosophie die Liga überrascht. Seit dem 18. Oktober hat der 38-Jährige dort das Sagen. Er löste Markus Krauthoff-Murfuni ab, der nach sechs Spielen ohne Sieg von seinen Aufgaben entbunden wurde. Kaufmann führte den Thüringer Traditionsclub vom letzten Tabellenplatz bis auf Platz fünf. Es könnte mehr werden – mit Schneibel.

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