Ludwigshafen Ein merkwürdiges Jubiläumsjahr

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Katerstimmung statt Feierlaune – so könnte man die Stimmung bei manchen Anilinern und Ludwigshafenern bezeichnen. Zum 150. Geburtstag der BASF lag die Messlatte für die Jubiläumsfeierlichkeiten besonders hoch – und viele Leute sind enttäuscht über das Programm. Das zeigt sich gerade beim anstehenden Kellereifest, das im Jubiläumsjahr zeitlich ausgedehnt worden ist. Vom 7. bis 12. September wird auf dem Parkplatz bei der Weinkellerei in der Anilinstraße abends gefeiert. Doch die Veranstaltung ist nur für BASF-Mitarbeiter gedacht, die sich dafür anmelden müssen. Ein Zaun wird verhindern, dass auch Nicht-Aniliner das Festgelände betreten können. Die Bevölkerung und die Anwohner sind lediglich am Sonntag, 13. September, von 15 bis 22 Uhr eingeladen. „Sonntags? Was soll das denn? Die können alleine feiern“, kommentiert ein regelmäßiger Besucher die Pläne. Viele Leute aus der Region fühlten sich nicht mehr willkommen. Aber auch Aniliner sind verstimmt. In der Information und Anmeldung für das Mitarbeiterfest findet sich kein persönliches Anschreiben oder eine Einladung des Vorstands. „Ich hätte schon erwartet, dass sich das Unternehmen bei seinen Mitarbeitern für ihren Einsatz bedankt und sie herzlich einlädt. So ist das doch sehr unpersönlich“, sagt ein BASF-Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Dass die BASF mit ihren Nachbarn zum 150. Geburtstag nur einen Tag statt drei Tage und damit kleiner als sonst in einem „normalen“ Jahr feiern will, leuchtet dem leitenden Mitarbeiter auch nicht ein. Die Organisation des Kellereifests passt in ein eher merkwürdiges Jubiläumsjahr. Schon beim offiziellen Festakt im Feierabendhaus Ende April sorgte es in der Kommunalpolitik für Befremden, dass die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Eva Lohse (CDU) dort nicht sprechen durfte. Immerhin ist in dieser Stadt seit 150 Jahren der Stammsitz des Unternehmens. Die Stadt verdankt der BASF viel und hat mit dem Chemieunternehmen auch viel durchlitten. Erinnert sei an dieser Stelle an große Unglücke, die auch die umliegenden Stadtteile mit in Leidenschaft zogen. Unglücklich ist auch das Verhalten des BASF-Vorstands, der zunächst den Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Engelhorn-Hochhauses vorangetrieben hat, aber jetzt die Pläne für ein Nachfolgergebäude offenbar auf Eis gelegt hat – im Jubiläumsjahr. Zurecht wird von Politikern daran erinnert, dass die BASF der Stadt ein neues Wahrzeichen versprochen hat. Wenig Feierlaune herrscht auch bei der Sparte Farbpigmente, der die Ausgliederung aus dem Konzern droht. Hunderte Mitarbeiter haben im Juli erzürnt gegen die Pläne des Vorstands demonstriert. Und dann gibt es noch die Pensionäre, die gerne auch etwas von der Jubiläumsprämie abbekommen hätten und sauer auf ihren alten Arbeitgeber sind, weil sie sich nicht genug wertgeschätzt fühlen. Der Konzern hat diesmal erstmals global allen Mitarbeiter eine Prämie gezahlt. Die Pensionäre zusätzlich zu bedenken, war dem Vorstand wohl zu teuer. Vielleicht ist das auch der Grund dafür, dass es keinen namhaften Stargast beim Kellerereifest geben wird. Zu Kritik an den Jubiläumsveranstaltungen will sich der Konzern nicht äußern. Stattdessen ist von einem Konzept die Rede, das den Mitarbeitern das ganze Jahr über viele Aktivitäten anbiete und „die ganze BASF-Welt miteinbezieht.“ Der Rest bleibt beim Feiern außen vor.

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