Ludwigshafen Ein Gefühl für die Musik entwickeln

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Mutterstadt

. Fast synchron berühren die Schlägel die gelben Metallplatten der Altglockenspiele. Angelika Grothes Stimme passt sich der Tonhöhe der Kinder an. Glockenhell singen sie zum Glockenspiel die Geschichte von Hänsel und Gretel. Die Uhr zeigt kurz vor 17 Uhr. Gleich ist es Zeit nach Hause zu gehen. Wie im Flug ist die Stunde der Notenwichtel vergangen. Hier, in der musikalischen Früherziehung, lernen die zehn Mädchen und Jungen erste Grundkenntnisse des vokalen und instrumentalen Musizierens. Theorie kommt später, erklärt Christoph Utz, Leiter der Musikschule des Rhein-Pfalz-Kreises. In der Früherziehung lernen die Kinder jedoch schon Grundbegriffe wie schnell, langsam, hoch und tief kennen, erfahren, wie sich eine lange Note oder eine Pause anfühlt, lernen Noten schreiben und lesen. Machen sie nach den Notenwichteln mit Musik weiter, „wissen sie, wovon die Rede ist“, sagt Utz. 70 bis 80 Prozent der Schüler der musikalischen Früherziehung entscheiden sich laut Utz für das weitere Musizieren. Sie können dann bei der Kreismusikschule entweder die Orientierungsstufe oder den Instrumentalunterricht besuchen, dort Blockflöte oder ein Streichinstrument lernen. Bei den zehn Mädchen und Jungen ist es nach den Sommerferien so weit, denn dann sind sie Schulkinder. Einige wissen schon, was sie lernen wollen: Klavier, Gitarre und sogar Bratsche. Ganz soweit ist die Gruppe 1 der Notenwichtel noch nicht. Die elf Kindergartenkinder haben erst im vergangenen Herbst mit dem zweijährigen Kurs begonnen. Sie sind vor Gruppe 2 an der Reihe. Diesmal geht es unter anderem um Hörerziehung. Mit dem Rücken stehen sie zu Kursleiterin Angelika Grothe. Die spielt jedem Kind ein Instrument aus ihrem Korb vor, das die Mädchen und Jungen erkennen müssen. Rumbarassel, Triangel und Fingercymbeln – alles kein Problem für die Kinder. Sogar die korrekte Bezeichnung kennen sie. Hörsensibilisierung ist neben Instrumentenkunde, Bewegung, Heftarbeit und Tonlängen nur ein Teil der heutigen Stunde, die Grothe in mehrere fünf- bis zehnminütige Phasen unterteilt. „Die Länge entspricht den Konzentrationsphasen der Kinder“, sagt Utz. Ein positiver Nebeneffekt des Kurses ist für ihn auch, dass die Kleinen bereits auf die Schulstunden vorbereitet werden. „Sie können eine Stunde stillsitzen.“ Das hat auch Marianne Michailov beobachtet. Ihre Tochter besucht seit Herbst die Früherziehung und lerne dort auch, in einer Gruppe zu agieren. „Ich finde es gut, dass sie Rhythmusgefühl bekommt“, sagt sie. Dass ihr Kind eben dieses hat, dieses Feedback hat Bärbel Böhn-Bertram bekommen. Zurückzuführen sei das auf den Besuch der Früherziehung. Für Christoph Utz hat das Programm noch weitere Vorteile: Körperwahrnehmung, Motorik, emotionales Lernen, Bewegung und auch die Sprache werden verbessert. „In diesem Alter haben die Kinder auch noch einen ganz anderen Zugang zur Musik“, sagt Grothe, die seit acht Jahren die Notenwichtel in Mutterstadt unterrichtet. Neben den Notenwichteln bietet die Kreismusikschule die Musikmäuse (anderthalb bis drei Jahre) und die Rasselbande (drei Jahre) an. Diese Kurse sollen das Musizieren zwischen Jung und Alt fördern, da die Eltern mitmachen. Zudem versucht die Musikschule durch Kooperation mit Kindertagesstätten Kinder zu erreichen, die nicht durch ihr Elternhaus zur musikalischen Früherziehung finden. Musik soll in den Kursen einfach vermittelt, logisch und selbstverständlich werden. „Wir denken nicht über die sieben Stufen der Tonleiter nach, wir singen sie einfach“, erzählt Utz, als die Kinder das Lied „Sieben Stufen hat das Häuschen“ singen. Und auch Angelika Grothes Stimme klingt glockenhell. „Sie singt höher, weil die Kinderstimmen höher sind. Das machen viele falsch. Man muss hoch singen, damit sich die Kinderstimme einfindet“, sagt Utz. Ähnlich ist es auch mit den Altglockenspielen, auf denen die Kinder Hänsel und Gretel intonieren. „Sie sind nahe an der Tonhöhe der Kinder“, sagt Utz. Indes packen die Mädchen und Jungen ihre Instrumente vorsichtig in die Kartons. Noch ein Abschlusslied und es geht nach Hause. Gut gelaunt natürlich. Musik bringt schließlich Lebensfreude, findet Utz. Und irgendwie, meint Grothe, ist ein Tag ohne Musik ja auch ein verlorener Tag. Das finden auch die Kinder.

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