Leute in Lu
Ein Ehepaar auf Streifzug durch Europa
Irgendwann würde sie nach Santiago pilgern. Das war Isabella Adams schon vor rund 40 Jahren klar, als sie vor der Pilgerstatue in Speyer stand. Seitdem hat sie viel darüber gelesen. Gepilgert ist sie dann aber tatsächlich zum ersten Mal vor sechs Jahren mit ihrer Tochter Eva-Maria, als die eine Facharbeit über die Geschichte des Pilgerns in den Weltreligionen schrieb. Dazu gehörte auch ein praktischer Teil, und so sind Mutter und Tochter eine Woche lang auf den Pfälzer Jakobswegen gelaufen. Es hat ihnen gut gefallen, und daher wollte Isabella Adams nach ihrer Pensionierung auf große Pilgerreise gehen.
Ihr Mann Stefan war davon anfangs allerdings gar nicht angetan. Nicht wegen der langen Strecke, denn beide sind schon viele Weitwanderwege gelaufen und auch durch ihr Engagement im Alpenverein viel draußen unterwegs. „Jakobs-Pilger waren für mich Leute, die mit Riesenrucksack auf der Straße neben Lkws herlaufen“, erklärt er. „Das kommt überhaupt nicht infrage“, fand auch Isabella Adams.
Erste Ziele sind Trier und Aachen
Bei der Planung der zwischen 14 und 28 Kilometer langen Etappen umgeht sie daher asphaltierte Straßen und sucht landschaftlich schönere Strecken aus, gerne auch mal einen kleinen Umweg. „Wir gehen nicht stur den historischen Weg und machen einen Riesenbogen um den Camino Frances und zum Beispiel um die Strecken entlang der Autobahn bei Bilbao“, erklärt sie.
Los geht es am 6. Januar in Köln. Erste Ziele sind Trier und Aachen. In Gedenken an ihre Väter, die beide blutjung von der Wehrmacht in die Ardennenoffensive geschickt wurden, gehen sie dann im Hohen Venn den „Weg des Gedenkens“. Diese Vier-Tages-Tour vom 18. bis 21. Februar ist eine der drei Touren, die die Adams auf ihrem Weg durch Europa als Alpenvereinstour der DAV-Sektion Ludwigshafen anbieten.
Am Palmsonntag nach Taizé
Die zweite DAV-Tour führt vom 19. bis 25. Mai unter dem Titel „Romanik, Vulkane und Käse“ durch die Auvergne. Zuvor machen die beiden Pilger Station in Taizé, wo sie – wenn alles nach Plan läuft – am Palmsonntag ankommen. Weiter geht es von der Auvergne über die Via Podiensis zu den Pyrenäen und dann zur Biskaya-Küste, um dort den Camino del Norte bis Santander zu nehmen.
Auf einem Seitenweg des Jacobsweges laufen sie zum Franziskanerkloster Santo Toribio und überqueren dann die „Picos de Europa“ auf der „Ruta de Reconquista“, einem alten Heeresweg. Auch diese Etappe vom 26. August bis 2. September ist eine Alpenvereinstour. In Santiago de Compostela möchten die Adams im November ankommen. „Dann wenn der große Pilgerrummel vorbei ist“, wie sie sagen.
Übernachtung im Wohnmobil
Wichtig bei der Streckenplanung ist ihnen eine Anbindung an den ÖPNV, denn die Adams übernachten, wo es geht, in ihrem kleinen Wohnmobil, das in der Nähe von Bahnhöfen geparkt wird, sodass sie entweder am Abend einer Tagesetappe oder nach einigen Tagen wieder zu ihrer Basisstation zurückkehren können und mit dem Fahrzeug auch Ausflüge zu Zielen machen können, die sie zu Fuß nicht erreichen.
„Wir machen das nicht zur Selbstfindung, das brauchen wir nicht“, sagt Isabella Adams über die Motivation für ihre große Pilgertour. Die beiden Chemiker, die sich seit Jahren in ihrer Pfarrei Heilige Katharina von Siena engagieren, möchten sich mit der Entwicklung des Christentums in Europa beschäftigen. „Aber auch mit der Verantwortung, die wir als Christen auch für andere Kontinente haben“. Deswegen sammeln die beiden auch Spenden für „MercyShips“.
Ein Euro pro Kilometer
Erste Kontakte dahin hat Adams da schon bei der Pilgertour mit ihrer Tochter geknüpft. „Diese Organisation unterhält voll ausgestattete Hospitalschiffe, die jeweils für einige Monate in afrikanischen Häfen ankern, um Behandlungen durchzuführen, die im jeweiligen Land nicht möglich sind“, erklärt sie. Das komplette Personal, außer der nautischen Crew, wird von Freiwilligen gestellt, die ihre Freizeit zur Verfügung stellen. Alle Ausgaben werden von Spenden finanziert.
„Uns gefällt, dass die ,MercyShips’ nicht nur karitativ tätig sind, sondern auch Menschen vor Ort ausbilden“, sagt Adams. Für jeden gelaufenen Kilometer möchten die Pilger einen Euro sammeln. Spenden sind schon jetzt möglich unter www.mercyships.de/spenden/online-spendenaktion „Ein Jahr Europa“ oder unter der IBAN DE58 7345 0000 0000 5244 47 Stichwort „Ein Jahr Europa“.
Wer die Tour der Adams mitverfolgen oder spontan ein Stück mitlaufen möchte, kann das über die Blogs auf Instagram und Facebook #einjahreuropa machen oder über Whatsapp den Status anfragen unter 015114938121.