Ludwigshafener Geschichte(N)
Ein Chemiker, der die Welt bunter gemacht hat
Das Wortspiel drängt sich geradezu auf: Mit dem Chemiker und technischen Direktor Heinrich Caro hatte die noch junge BASF dreieinhalb Jahre nach ihrer Gründung plötzlich ein Ass im Ärmel. Caro trat im Alter von 34 Jahren am 1. November 1868 in das prosperierende Ludwigshafener Chemieunternehmen ein. Firmengründer Friedrich Engelhorn (1821-1902) stellte ihn als ersten Forschungschef der BASF ein und so war er vom ersten Tag an deshalb auch „mitleitender technischer Direktor“.
Diese Personalentscheidung von Engelhorn sollte sich als „Sternstunde“ für das Unternehmen erweisen. Denn schon wenige Monate später startete Caro zusammen mit den beiden Forschern Carl Graebe (1841-1927) und Carl Liebermann (1842-1914) die erste Synthese eines Naturfarbstoffes - des roten Farbstoffs Alizarin aus der Krappwurzel, das sich als erster weltweiter Verkaufserfolg für die BASF herausstellen sollte.
In England geforscht
Caro wurde als Sohn eines Kaufmanns am 13, Februar in Posen geboren. In Berlin studierte er zunächst das „Hüttenfach“, um sich dann „angeregt durch die Geheimnisse des Kräuterbodens der im elterlichen Hause befindlichen Apotheke“ dem Studium der Chemie zuzuwenden. Denn jungen Caro lockte es nach England, wo er 1859 in der Chemischen Fabrik von Dale in Manchester arbeitete. Hier beschäftigte er sich mit der künstlichen Herstellung von Farben, die früher aus Naturstoffen gewonnen wurden. Er entdeckte den ersten bekannten Blaufarbstoff Indulin und gemeinsam mit einem Kollegen das Manchestergelb. Bei dem Unternehmen Roberts und Dale wurd der Deutsche wegen seiner wertvollen Erfindungen sogar zum Teilhaber einer Tochterfirma, die zur Herstellung von Anilinfarbstoffen gegründet wurde.
1866 zog er wieder zurück nach Deutschland. 1867 arbeitete er zunächst im Heidelberger Laboratorium des legendären Robert Wilhelm Bunsen - dann wurde er von Engelhorn „entdeckt“. Durch Dale hatte Caro zuvor auch die Bekanntschaft der beiden Clemms von der neuen BASF gemacht. Er stieg dort mit ein. Da es im neuen Ludwigshafener Werk noch kein Laboratorium für ihn gab, begann er seine Forschungen in den bescheidenen Räumen der alten Fabrik auf dem Mannheimer Jungbusch.Seine Frau hatte Heinrich Caro in England kennengelernt, sie folgte ihm nach Deutschland. Sarah Eaton (1842-1917) gebar ihm sieben Kinder: drei Söhne und vier Töchter.
In Vergessenheit geraten
Caro war der erste wissenschaftliche Chemiker der BASF. Doch während heute die Namen wissenschaftlicher oder unternehmerischer Pioniere bei der BASF wie Engelhorn, die Ludwigshafener Ehrenbürger Carl und August Clemm, der Nobelpreisträger Carl Bosch, Indanthren-Erfinder René Bohn oder der Name des überaus sozial veranlagten Vorstandschefs Heinrich von Brunck zum allgemeinen Wissensstand der meisten Ludwigshafener gehören, ist Heinrich Caro etwas in Vergessenheit geraten. An ihn erinnern in Oppau und in Maxdorf zwei Straßen, die seinen Namen tragen.
Dabei war Heinrich Caro, dessen Vorfahren aus Portugal über Holland und Schlesien nach Polen und schließlich nach Deutschland gekommen waren, 1856 auch Mitgründer und 1892/93 Vorsitzender des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und später des Verbandes Deutscher Chemiker, deren Ehrenmitglied er wurde. Die Stadt Mannheim machte ihren Einwohner Heinrich Caro, der im Haus Nummer 8 im C-Quadrat wohnte, zu ihrem Ehrenbürger.
Für Patentgesetz eingesetzt
Doch seinen Platz im Geschichtsbuch verdiente sich Caro bei der Ludwigshafener BASF. Dort erwarb er für die BASF für das von ihm entwickelte Methylenblau 1877 das erste deutsche Farbstoff-Patent in der Teerfarbenindustrie - auch dank seines Einsatzes für das Inkrafttreten eines deutschen Patentgesetzes, das es bis dahin nicht gab. Farbstoffe wie Eosin und Echtrot, das gelbe Auramin oder die Rhodamine sowie viele andere Farben waren Früchte seines Schaffens und weitere erfolgreiche Produkte aus der ertragreichen Ideenschmiede von Caro. 1876 entwickelte er die weltweit einmaligen Azofarbstoffe als neue Farbstoffklasse.
Caro hatte eigentlich kein abschließendes Examen. Sein Werdegang wurde zu seinen Lebzeiten bereits als „eigenwillig und unschematisch“ beschrieben. Aber er wurde zum Experten in der Wissenschaft der Farbstoffe und ihrer wirtschaftliche Anwendung. Seine beruflichen Erfolge machten sich auch für ihn bezahlt: Caro wurde 1884 Vorstandsmitglied der BASF und nach seinem Ausscheiden 1890 Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens.
In Mannheim begraben
Caro wurde mehrfach ausgezeichnet, erhielt Ehrendoktortitel und wurde Badischer Hofrat. Der Mann mit dem ausladenden weißen Schnurrbart als optischem „Markenzeichen“ starb fern der Heimat 1910 während einer Reise in Dresden im Alter von 76 Jahren. Begraben wurde Caro auf dem Hauptfriedhof in Mannheim, wo ein monumentales Grabmal an ihn erinnert.