Ludwigshafen / Mannheim
Ein Bild und seine Geschichte: Mit dem Waldhof-Virus infiziert
„Es gibt in der Pfingstweide überraschend viele Waldhöfer. Die zeigen sich nur nicht immer“, sagt Hartmut Weller. Der 70-Jährige ist einer davon und hatte am Samstag endlich wieder Grund zur Freude. Zusammen mit Sohn Marcus und Ehefrau Mirjana feierte er den Klassenverbleib des Vereins aus dem Mannheimer Norden in Liga drei.
Die gesamte Familie sei mittlerweile mit dem Waldhof-Virus infiziert, berichtete das Familienoberhaupt. Die ganze Familie? Nicht ganz: „Meine Schwiegertochter kann mit Fußball gar nichts anfangen.“ Die durfte deshalb auch das Foto der jubelnden Waldhöfer aufnehmen, das nach dem Abpfiff der Partie gegen den Drittligameister und DFB-Pokalfinalisten Armina Bielefeld entstand. Die Waldhöfer hatten zwar 0:1 auf der Bielefelder Alm verloren, doch der 16. Platz in der Tabelle reichte, um den Abstieg der Mannheimer zu verhindern.
Beim Werkschutz gearbeitet
Der SVW 07 wurde über Umwege zum Lieblingsverein von Hartmut Weller. Geboren ist der Rentner in Hameln an der Weser – nicht gerade Kerngebiet für eine Leidenschaft in Blau und Schwarz. Seine ersten Stadienbesuche machte er bei Hannover 96 und später bei Borussia Dortmund. Es dauerte eine ganze Weile, ehe Weller seine Liebe zum Waldhof entdeckte. „Ich selbst habe Handball gespielt.“ Als er 1975 nach Ludwigshafen übersiedelte, schloss er sich dem TV Edigheim an. Der gelernte Koch und Konditor war zuvor zwei Jahre lang auf einem Schiff berufstätig und sah die ganze Welt. Auf Vermittlung eines Onkels fand er eine Anstellung bei der BASF, wo er zunächst ebenfalls in der Küche stand. Nach einer Berufskrankheit schulte er um und arbeitete 38 Jahre bis zur Pensionierung beim Werkschutz. In dieser Zeit begann auch seine Leidenschaft für den Fußball in der Region.
„Ein Kollege hat mich mit auf den Betzenberg genommen.“ Aber so richtig FCK-Feuer habe er dort nicht gefangen. „Lautrer war ich nie.“ Er entschied sich für den schweren Weg, der zu Beginn zunächst einmal ein leichter war, denn mit den Spielen des SV Waldhof Mannheim, der nach seinem Bundesliga-Aufstieg 1983 über den Rhein nach Ludwigshafen gewechselt war und seine Heimspiele im Südweststadion austrug, lag der Profifußball auf einmal unmittelbar vor der Haustür. „Immer wenn es die Schicht erlaubt hat, waren wir dabei.“
Alle Umzüge mitgemacht
Auch die Rückkehr an den Alsenweg in Mannheim machte Weller mit. „Der Alsenweg war meine wildeste Zeit“, berichtete der 70-Jährige schmunzelnd und erzählt von nervenaufreibenden Heimspielen und ereignisreichen Auswärtsfahrten nach Frankfurt, Offenbach oder Hannover. Seit 1994 ist der SVW im damals neu gebauten Carl-Benz-Stadion zu Hause. Weller pilgerte auch dorthin und hielt dem Waldhof selbst die Treue, als der Traditionsverein aufgrund wirtschaftlichen Ungleichgewichts bis in die Oberliga durchgereicht wurde. Eine Leidenszeit für jeden Fan des Vereins. Aber auch hier gab es Grund zur Freude: „Wir waren bei den 18.000 Besuchern dabei, die den Aufstieg in die Regionalliga gefeiert haben.“
Bis zur nächsten Party sollte es wieder ein paar Jahre dauern, denn in der Viertklassigkeit hing der SV Waldhof über Jahre fest, scheiterte unter anderem mehrfach in der Relegation zur Dritten Liga. Umso größer war die Erleichterung bei den Wellers in der Pfingstweide, als dieser Sprung endlich gelungen war. Es folgten zunächst gute Zeiten unter Trainer Patrick Glöckler und Sportmanager Jochen Kientz, die den Anhang mit attraktivem Fußball und sportlichen Erfolgen verwöhnten. Bis auch diese Ära abrupt endete. Seither gab es für die Waldhof-Fans wenig Grund zum Jubeln. In der jetzt zu Ende gegangenen Spielzeit sah es lange nach einem neuen Tiefpunkt aus, die Rückkehr in den Amateurfußball drohte. Umso schöner war es daher für die drei Dauerkarteninhaber aus Ludwigshafen, dass es am Ende doch nicht so weit gekommen ist.
Hoffnung auf bessere Zukunft
Trotz der vergangenen beiden Spielzeiten sieht Weller für den Mannheimer Drittligisten nicht schwarz: „Natürlich hatten wir allein in dieser Spielzeit drei Trainer, aber das ist mittlerweile Standard in der Zweiten und Dritten Liga. Die Fansituation hat sich beruhigt. Wir sind nicht mehr von rechts unterwandert.“ Eine positive Entwicklung wünscht sich die Familie auch auf dem Platz. „Ich habe die Hoffnung auf eine ruhige Spielzeit unter den ersten Zehn. Ich finde, das kann man vom SV Waldhof verlangen.“ Allerdings wäre eine solche Platzierung bestimmt kein Anlass mehr für Jubelszenen auf der heimischen Terrasse.