Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Badesommer voller Regeln

Sprung ins kalte Wasser: Der Freibad-Betrieb wird wegen Corona-Auflagen schwieriger.F
Sprung ins kalte Wasser: Der Freibad-Betrieb wird wegen Corona-Auflagen schwieriger.F

Ab Mittwoch dürfen die Freibäder in Rheinland-Pfalz wieder öffnen. Das Hygienekonzept dazu liegt nun vor. Bis alle Bäder dies umsetzen können, dürfte es aber noch einige Zeit dauern. Die Stadt plant einen Betrieb mit Reservierungen und in mehreren Schichten.

In Ludwigshafen wartete die Stadtverwaltung in Sachen Freibad-Öffnung schon länger auf die Vorgaben des Landes. Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) sagte dem Stadtrat am Montagnachmittag, dass es noch keinen Termin für die Öffnung des Freibads am Willersinnweiher gebe. Die OB stellte klar: „Es wird wegen Corona kein Badesommer, wie wir ihn kennen. Es wird alles anders sein.“

Seit dem späten Montagabend liegt nur eine Landesverordnung für die Freibäder vor, die den rechtlichen Rahmen für den Betrieb absteckt: Demnach darf bei bis zu 800 Quadratmetern Nutzfläche nur eine Person je zehn Quadratmeter auf dem Gelände sein. Ist ein Bad größer, erhält dann je zusätzliche 20 Quadratmeter eine weitere Person Zutritt. Für Umkleiden, Sanitäranlagen und Kiosk muss es ein Wegekonzept geben und sie müssen vom Liegebereich abgrenzt werden. Auch im Wasser ist auf Abstand zu achten. Alle Badegäste müssen sich beim Betreten des Bades die Hände desinfizieren oder waschen. Kontaktdaten der Badegäste sowie die Verweildauer sollen erfasst werden.

Zugang neu regeln

In Ludwigshafen hat man mit solchen Vorgaben gerechnet: Der Zugang zum Freibad soll daher neu geregelt werden. Die Rede ist von maximal 400 Besuchern, die sich gleichzeitig auf dem Gelände aufhalten dürfen. Zum Vergleich: An Sommertagen halten sich durchschnittlich 1500 Besucher im Bad auf. Die Stadtverwaltung setzt auf ein Online-Reservierungsverfahren, um die Anzahl der Badegäste steuern zu können und lange Warteschlangen vor dem Eingang zu vermeiden. „Wir wollen damit aber nicht Menschen ausgrenzen, die nicht online sind. Da wird es andere Reservierungsmöglichkeiten geben müssen“, sagte OB Steinruck.

Der Badbesuch soll außerdem zeitlich begrenzt werden. Vorstellbar wäre ein Betrieb in mehreren Schichten. Wenn das Bad leer ist, sollen bestimmte Bereich desinfiziert werden, bevor neue Besucher eingelassen werden. Die Laufwege für die Besucher sollen mit Markierungen und Sperrungen gesteuert werden. Die Namen aller Badegäste müssen erfasst werden, um Infektionsketten verfolgen zu können.

Finanzielle Auswirkungen

Das alles lässt sich nicht im Handumdrehen umsetzen, stellte die OB klar. „Das ist eine sehr große Herausforderung. Bis zum nächsten Wochenende schaffen wir das nicht“, sagt Steinruck, ohne einen Termin zu nennen. So müsse erst einmal eine Software für Reservierungen gekauft werden. Die finanziellen Auswirkungen durch die Auflagen seien erheblich: Die Stadt brauche mehr Reinigungskräfte, zusätzlich Security-Leute zur Überwachung, Schutzkleidung für alle Mitarbeiter sowie eine neue Software. Gleichzeitig würden die Einnahmen durch Eintrittsgelder deutlich niedriger ausfallen als in den Vorjahren. Jahres- oder Zehnerkarten für das Bad werden für diese Saison ausgesetzt, kündigte Steinruck an. Die Stadt biete Schwimmern eine Rückerstattung oder Gutschrift an.

Das Freibad zu öffnen, habe Priorität. „Der Sommer und die Schulferien stehen vor der Tür“, sagte die OB dem Rat. Die Stadt müsse Schwimmern ein Angebot machen, sonst bestehe die Gefahr, dass es vermehrt zu Badeunfällen im Rhein und Baggerweihern kommt.

Zur Sache: Die Lage in den Naturbädern

Während die Freibäder öffnen dürfen, gibt es noch kein grünes Licht für die Badeseen. Die Betreiber des Bliesbads und eines Vereinsbads am Willersinnweiher warten auf Signale aus Mainz. „Leider wissen wir noch nicht, welche Vorgaben zum Eröffnen des Bads der Förderverein erfüllen muss“, sagte Hans-Jürgen Beringer, Vorsitzender des Blies-Fördervereins, über die Situation in den Naturbädern. „Wir machen uns Gedanken und können nicht handeln. Das Kleinkinderbecken und unsere Rutsche können wir bei der aktuellen Mindestabstandsregel nicht betreiben. Im Eingangsbereich müssten eventuell Veränderungen vorgenommen werden, die eine finanzielle Belastung für den Förderverein darstellen würden“, so Beringer. Eine Online-Reservierung sei für den Verein nicht umsetzbar.

Ähnlich beschreibt auch Frank Fischer, Vorsitzender des Schwimmvereins 07, die Situation. Der Verein betreibt für seine Mitglieder ein Naturbad am Willersinnweiher. Die Öffnung hänge davon ab, unter welchen Bedingungen die Landesregierung Bäder, Seen und Vereinsanlagen öffnen möchte. „Das schauen wir uns dann an und entscheiden, ob das für uns sinnvoll umzusetzen ist – oder nicht.“

Einwurf: Nicht vereinbar

Erinnern Sie sich an den vergangenen Sommer? Am letzten Juni-Wochenende war es 36 Grad warm. Mehr als 4000 Menschen strömten an jenem Sonntagvormittag ins Freibad am Willersinnweiher. Die Anlage war rappelvoll. So funktioniert das System Freibad: Es ist heiß, Menschen haben Freizeit, packen ihre Badehose ein und genießen Entspannung und Abkühlung am Stadtrand. Die Vorgaben, die das Land aktuell für die Öffnung der Bäder macht, sind damit nicht vereinbar. Die geforderte Hygiene und die Abstandsregeln lassen sich nicht umsetzen. In der Theorie mag das irgendwie machbar erscheinen, aber in der Praxis wird es scheitern. Wie soll das kontrolliert werden? Die Freibäder können in diesem Corona-Sommer nur von disziplinierten Sportlern genutzt werden.

Diie Becken des Willersinn-Freibads sind schon seit April befüllt.
Diie Becken des Willersinn-Freibads sind schon seit April befüllt.
Auch der Probelauf für den Wasserpilz hat geklappt.
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Das Eingangstor ist frisch gestrichen worden.
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