Ludwigshafen Ehe, Sport und Tradition: Das Leben von Rainer und Birgit Winkler
Unter den Edelsteinen steht der Diamant für Beständigkeit. Das gilt auch in der Ehe und so ist die Diamantene Hochzeit die Feier des 60. Hochzeitstags eines Ehepaars und symbolisiert die Beständigkeit und den Wert einer Gemeinschaft, die sechs Jahrzehnte durch dick und dünn gegangen ist. So wie das Rainer und Birgit Winkler getan haben.
Es ist der 27. August des Jahres 1965. Ein sonniger Tag im Mannheimer Stadtteil Sandhofen. Hier gaben sich der damals 22-jährige Rainer und seine zwei Jahre jüngere Birgit, geborene Grsywatz, das Eheversprechen auf Lebzeit. Gerade mal ein Jahr zuvor hatte der Bahnbeamte die gelernte Verkäuferin kennengelernt und es passte zu beider Leben, dass auch der Ort der Eheschließung eher ein Zufallsprodukt war – ebenso wie der Lebensmittelpunkt Ludwigshafen.
Geboren ist Rainer Winkler in Breslau und mit seinen Eltern vor den Russen geflüchtet. „Wir sind zunächst in Lüneburg gelandet, was ich als Heimat ansehe“, erklärt er. Aber da die gesamte Familie aus Eisenbahnern bestand und der Vater eine Anstellung in Neustadt gefunden hatte, ging es von hier in Richtung Süden. In die damals neugebauten Betriebswohnblöcke im Ludwigshafener Stadtteil West. „In Lüneburg wohnten wir in Flüchtlingsunterkünften. Das war schon eine positive Umstellung.“ Und weil Winkler ein Familienmensch ist, hörte er nach dem Besuch von Goethe- und Rupprechtschule auf den Rat des Großvaters: „Du gehst zur Bahn und wirst Beamter“, hatte der ihm mit auf den Weg gegeben. Und Winkler hat den Schritt nicht bereut.
„Wir haben uns damals einfach gefunden“
Über eine Cousine lernte er dann seine Birgit kennen. „Ich habe damals bei Neugebauer in der Mannheimer Innenstadt gelernt“, erinnert sich die heute 80-Jährige. Und weiß auch noch, dass ihr damaliger Freund sie immer wieder mit der Vespa in der Innenstadt abgeholt hat: „Wir haben uns damals einfach gefunden.“ Immerhin führte auch ihr Lebensweg über Umwege in die Region.
„Geboren bin ich in Oberfranken und mein Vater hat eine Anstellung in der damaligen Zellstoff gefunden“, erzählt sie. Heimisch wurde die Familie deshalb zunächst in Mannheim: „Ich bin mit sieben Jahren hierhergezogen und musste erst einmal den Dialekt lernen. Sonst hätten mich die anderen Kinder in der Schule ausgelacht.“ Die schnelle Hochzeit sei auch ein Ergebnis damaliger Zeiten. „Wir hatten eine Wohnung in der Waltraudenstraße in Ludwigshafen-West in Aussicht, aber die ging nur an verheiratete Paare“, berichtete Birgit.
Schon nach einigen Jahren ist das Paar aber erneut umgezogen. Mit einem Kind sei es ja noch gegangen, aber mit dem zweiten wurde es in der Wohnung zu eng. Und dann war da ja auch noch die „zweite Ehe“ des Paars, denn ein kleines bisschen waren Rainer und Birgit fast zeit ihres Lebens mit dem ESV Ludwigshafen verheiratet. Rainer seit 1961 als Übungsleiter im Fußball und seit 1974 im geschäftsführenden Vorstand, Birgit als Übungsleiterin unter anderem beim Kinderturnen und im Jazztanz, später auch als Schriftführerin und Schatzmeisterin.
Auch abseits des Sports waren die Winklers unterwegs. So ist Rainer Gründungsmitglied der KG Stadtgarde. Die Nachthaubensitzung der Rheinschanze habe man ebenso beim ESV ausgerichtet wie zahllose Kindermaskenbälle. Bei der Rheinschanze sind die Töchter Andrea und Heike nach wie vor aktiv. „Wir haben uns alles erarbeitet und unsere Töchter haben diese Einstellung angenommen“, ist das Paar stolz. Und so freut es sich auch auf die Feier zum 60. Hochzeitstag, den es dieses Mal dann aber in Ludwigshafen begehen will.