Mannheim
E-Sport: Wie sich der SV Waldhof Mannheim zur Meisterschaft zockt
„Das war eine rundum gelungene Sache“, sagte Marco Popiuk. Der Abteilungsleiter E-Sport beim SV Waldhof hatte die Veranstaltung organisiert und freute sich darüber, dass über den Verkauf von virtuellen Tickets immerhin ein paar Tausend Euro eingenommen werden konnten, die zu je einem Drittel unter den finanziell gebeutelten Drittliga-Klubs, der Weltgesundheitsorganisation WHO sowie dem SVW aufgeteilt werden. Nicht ganz überraschend gab es zudem ein glückliches Ende für die Waldhöfer, auch wenn Popiuk darüber im Vorfeld nicht spekulieren wollte. Nur für das erste von elf Spielen gegen den KFC Uerdingen wagte er einen Tipp: „Ich gehe da mal von einem klaren 3:0 für den Waldhof aus.“ Am Ende gewannen die Waldhöfer 3:2 gegen den Klub aus dem Westen und die E-Sportler erfüllten die Hoffnungen der Waldhof-Fans, denn in den weiteren zehn Partien gab es acht Siege, ein Remis und nur eine Niederlage. Beim virtuellen 1:2 bei der SpVgg Unterhaching kassierten die Blau-Schwarzen den entscheidenden Gegentreffer in der 90. Minute. Drama gibt es schließlich auch auf der Konsole.
Doch das änderte nichts am guten Ende für den SVW, denn in der virtuellen Endtabelle lagen die Waldhöfer mit 72 Punkten auf Rang eins und stiegen knapp vor dem MSV Duisburg in die Zweite Liga auf. In der realen Welt liegen die Mannheimer als Aufsteiger nach 27 Spieltagen auf dem zweiten Platz und hatten eine gute Chance, als Aufsteiger den Durchmarsch zu schaffen. Virtuell gab es das glückliche Ende für die Blau-Schwarzen, was durch die Gamer der Waldhöfer möglich gemacht wurde.
Server des Herstellers versagt
Die Mannheimer trotzten dabei großen Problemen, denn ursprünglich war der Plan, nicht alle Matches gegen den Computer zu spielen. Ein Freundschaftsspiel gegen den Chemnitzer Profi Philipp Hosiner war ebenso vorgesehen wie Duelle gegen Christian Kinsombi und Franck Evina (KFC Uerdingen) oder die E-Sport-Abteilungen der SpVgg Unterhaching sowie des FC Ingolstadt. Ausgerechnet am Freitagabend gab es aber große Serverprobleme beim Fifa20-Hersteller EA, die das Onlineportal über Stunden lahmlegte. Matches waren über diesen Modus nicht möglich. Nach vielfachen Versuchen, eine Verbindung herzustellen, mussten die Mannheimer doch alle Partien gegen den Computer absolvieren. „Das war echt schade, weil die Jungs gewartet haben und es sicher noch spannender gewesen wäre, gegen reale Gegner anzutreten“, sagte Popiuk.
Ein Beobachter kommentierte die Schwierigkeiten humorvoll. „Durch das Corona-Virus sind Online-Spiele wohl erst wieder nach dem 30. April möglich“, schrieb der Zuschauer und erntete dafür viel Zustimmung. Spieler und Fans ließen sich von den Problemen die positive Grundstimmung nicht nehmen. Viele Fans anderer Klubs verfolgten die virtuelle Saison.
Mannheimer Profi live dabei
Auch der Mannheimer Profi Marcel Seegert fieberte mit und wurde zwischen den Matches interviewt. „Es läuft ja ganz gut für uns“, sagte den Innenverteidiger der Waldhöfer und freute sich gleichermaßen über die Ablenkung in der Zeit ohne geregeltes Training und den Erfolg für den SVW in der virtuellen Liga. Mit einem ganz ähnlichen Saisonverlauf könnte sich der gebürtige Mannheimer in der Realität anfreunden – allerdings ist nicht absehbar, ob die Saison in der Dritten Liga fortgesetzt wird.