Ludwigshafen Durch Praxis lernen

Unter dem Namen „Start Integration“ sollen junge Flüchtlinge mit Bleibeperspektive für einen Handwerksberuf qualifiziert werden. An dem Modellprojekt nehmen 50 noch schulpflichtige Jugendliche teil. Kooperationspartner sind die Handwerkskammer der Pfalz, die Arbeitsagentur Ludwigshafen, die IHK Pfalz und die BASF.
Seit November nehmen die 50 Jugendlichen in Ludwigshafen an einem Berufsvorbereitungsjahr in einer Berufsschule teil. Sie bekommen 25 Stunden Deutschunterricht pro Woche und haben schon große Fortschritte gemacht. Im Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer in der Gartenstadt sind nun die ersten zwölf jungen Flüchtlinge dabei, unter der Leitung von Ausbildungstrainern („Coaches“) ihre Fähigkeiten für verschiedene Handwerksberufe zu testen. „Es ist besser, früh mit der handwerklichen Berufstätigkeit zu beginnen. Voraussetzung dafür ist die Sprachfähigkeit“, erläuterte Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Berufspraxis fördere den schnelleren Spracherwerb und sei eine gute Idee, bestätigt auch Jeanette Pandza von der Arbeitsagentur Ludwigshafen. Zwei Teilnehmer sind der 18-jährige Ramish Salemy aus Afghanistan und der 16-jährigen Sherwan Hussein aus Syrien. Beide sind etwa seit einem Jahr in Deutschland. Während Ramish bei dem Projekt gemerkt hat, dass er etwas in Richtung Metallbau machen will, hat es Sherwan der Stukkateursberuf angetan. „Sie sind beide sehr motiviert“, lobt Ausbildungscoach Daniel Emering. Bei einem Besuch verschaffte sich gestern Wirtschaftsministerin Evelyn Lemke (Grüne) einen Eindruck vom Modellprojekt, das vom Land mit 170.000 Euro bezuschusst wird. „Viele Flüchtlinge wollen schnell Geld verdienen. Wichtiger wäre jedoch eine Ausbildung, sonst haben wir später bloß Hilfsarbeiter“, meinte Lemke. Nach Einschätzung der Projektbeteiligten genüge eine Ausbildung der Flüchtlinge in ihrer Heimat nur selten deutschen Ansprüchen. Ohne Zusatz-Ausbildung gehe in der Regel nichts. „Es wäre wichtig, auch über 18-Jährigen, die nicht mehr schulpflichtig sind, mehr Bildungsangebote zu machen“, meinte Michael Böffel, Leiter für Ausbildung der IHK Pfalz. (büg)