Ludwigshafen Dufter Schutz vor Unheil
Wisst Ihr was ein Würzwisch ist? Vielleicht kennt ihr das ja noch von Eurer Oma. Es ist ein alter Brauch in der katholischen Kirche zum Fest Mariä Himmelfahrt am 15. August. Das ist der Tag, an dem Maria, die Mutter Jesu, gestorben und in den Himmel gekommen ist, um dort weiter zu leben.
Vor diesem Festtag sammeln die Katholiken Kräuter, die sie im Gottesdienst weihen lassen. Diese Kräutersträuße nennt man hier in der Region Würzwisch. Nach dem Gottesdienst hängt man die Würzwische unter das Dach. Dort sollen sie vor Blitz und Unheil schützen. Früher haben die Leute die Würzwische selbst gesammelt, aber vielen ist das inzwischen zu mühsam. In Waldsee machen das deswegen schon seit vielen Jahren Leute von der Kirchengemeinde. Anne und Gerald Tremmel machen lange Spaziergänge mit dem Fahrradanhänger und sammeln Kräuter. Sie kennen noch die Stellen, an denen die wachsen. In einen Waldseer Würzwisch gehören traditionell 19 verschiedene Heilkräuter. In den Nachbarorten sehen die Würzwische zum Teil ganz anders aus, da hat jedes Dorf so seine eigene Tradition. Die Leute haben für die Kräuter manchmal komische Namen. Habt ihr schon mal was von Schlangedärmschäwe, Silberzeug oder Hunderttausendgüldenkraut gehört? Kommt alles in den Würzwisch. Auch die Dunnerdischel. Mir hat allerdings keiner erklären können, warum man eine Pflanze, die eigentlich Mariendistel heißt, so nennt. Anders ist das beim Johanniskraut, das auch Mutter Gottes Bettstroh genannt wird. Da erzählt man, dass Maria dem Jesuskind damit ein weiches Bett gemacht hat. Eigentlich ist das eine schöne gelbe Blume, aber dieses Jahr waren sie schon verblüht und braun. Dass die Waldseer eine Pflanze, die großer Wiesenkopf heißt, lieber Blutströppele nennen, kann ich schon verstehen, die Blüten sehen wirklich aus wie Blutstropfen. Und der Fuchsschwanz hat seinen Namen auch zurecht: die Blüten haben lange rote Schwänze. Die Blüten der Herrgottsschühle hätte ich aber schon gerne gesehen. Nur um zu schauen, ob die wirklich wie kleine Schuhe aussehen. Aber die haben die Tremmels dieses Jahr nicht gefunden. Am Anfang dachten die beiden, dass es wegen der großen Hitze und Trockenheit sehr schwer sein wird, überhaupt alle Kräuter zu finden. Aber es hat doch geklappt, bis auf die Herrgottsschühle eben. Zusammen mit Helfern haben die Tremmels aus den gesammelten Kräutern über 130 Würzwische gebunden und sie dann vor dem Gottesdienst zu Mariä Himmelfahrt an die Kirchenbesucher verkauft. Von dem Geld, das sie dafür bekommen haben, unterstützen sie eine Kirchengemeinde in Ruanda.