Ludwigshafen Django Reinhardts virtuose Nachfolger

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Ein Tribut an Django Reinhardt war das nur im weiteren Sinn. Romeo Franz und sein Ensemble sind eher so etwas wie die nächste Generation des Sinti-Jazz. Sie führen die Tradition fort und klingen dabei anders als der Gründervater dieses Genres. Aber der Auftritt im Ruchheimer Schlosshof zeigte auch, dass diese Musik großartig swingt und auf neue Art faszinierend ist.

Der heimliche Star des Ensembles ist allerdings der Gitarrist Joe Bawelino. Er, der eigentlich die Rolle von Altmeister Django übernehmen sollte, denkt gar nicht daran, dessen Stil zu kopieren. Zum einen spielt er keine akustische Gitarre, sondern eine alte Gibson L-5, ein Instrument das für seinen elektrischen Gitarrenklang bekannt ist. Zum anderen hört man bei ihm einen sehr starken Bebop Einfluss heraus. Seine Single-Note-Linien erinnern mehr an Charlie Parker als an Django Reinhardt. Sie haben die für den Bop typische Nervosität und Spannung, reißen manchmal ab oder sind schnell dahin geworfene Fragmente. Ein weiteres Stilelement Bawelinos sind Blockakkorde. Auch hier leistet er Erstaunliches. Stellenweise klingt er wie wie ein Pianist, der kräftig hinlangt und ganz besonders farbige Griffe einsetzt. „Big Papa Joe“ wird er genannt, und oft sieht man unter seinem Schnurrbart ein breites Grinsen. Der ältere Herr hat nämlich eine Menge Spaß und erlaubt sich so einiges. Manchmal spielt er absichtlich derart gegen die Rhythmusgruppe, dass weniger versierte Musiker womöglich umfallen würden. Aber Rudolf Stenzinger am Bass und Rhythmusgitarrist Unge Schmidt haben Nerven wie Drahtseile und swingen auch bei den wildesten Eskapaden einfach weiter. Bawelino und Schmidt machten sich dann noch den Spaß, zu zweit und vierhändig auf nur einer Gitarre zu spielen – was auch erstaunlich gut klappte. Der Geiger Romeo Franz gilt als Meisterschüler und Nachfolger des legendären Schnuckenack Reinhardt. Von ihm hat er das melodisch-swingende Gefühl, das auf halsbrecherische Hektik verzichtet. Auch das ist ein Unterschied zu Django Reinhardts Geiger Stéphane Grappelli, der gerne seine Virtuosität zeigte. Von Schnuckenack, einem pfälzischen Sinto, hat Franz auch einige Stücke im Repertoire. Er singt sie im deutschen Romanes, der hier verbreiteten Sprache der Sinti, die sich vom Romanes des Balkans unterscheidet. Ganz nebenbei erfahren die Zuhörer noch, dass seit 600 Jahren Sinti sesshaft in der Pfalz leben – und trotzdem von der Bevölkerungsmehrheit noch als „fahrendes Volk“ angesehen werden. Als echter Pfälzer sei Schnuckenack auch dem Wein zugetan gewesen und habe entsprechende Lieder geschrieben. Eines davon erzählt, wie schön es sei, gemeinsam einen guten Tropfen zu genießen. Besonderer Gast war Sunny Franz. Der 14-jährige Sohn von Romeo Franz spielt ebenfalls Geige und das schon sehr gut. Wie sein Vater erklärte, lerne er parallel Klassik und Jazz. Ganz gleich in welcher Besetzung, Romeo Franz und sein Ensemble swingen ganz enorm, und die gute Laune der Musiker wirkte auch in Ruchheim sehr ansteckend.

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