Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde: Neustart im Stadtteil Süd

Freuen sich über das neue Domizil in Süd: Gemeindepfarrer Johannes Gerhardt und Margot Muhlert, Vorsitzende des Presbyteriums.
Freuen sich über das neue Domizil in Süd: Gemeindepfarrer Johannes Gerhardt und Margot Muhlert, Vorsitzende des Presbyteriums.

Turbulente Zeiten liegen hinter der Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde. Bisher waren die Protestanten in Friesenheim zu Hause. Anfang des Jahres mussten sie in einen anderen Stadtteil umziehen. Wie der Neustart in einer WG in Süd gelingt.

Eigentlich kann eine Kirchengemeinde nicht einfach so umziehen. Sie ist an ihr Gotteshaus und vor allem an ihr Quartier gebunden. Aber die Dietrich-Bonhoeffer-Gemeinde, die seit den 1970er-Jahren in Friesenheim im gleichnamigen Zentrum zu Hause war, ist besonders. Seit November 2021 ist sie eine Personalgemeinde, das heißt: Eine Gemeinde, die keinen Pfarrbezirk hat. Gemeindemitglied wird man durch eine aktive Entscheidung, nicht durch das Wohnen im Gemeindegebiet. Diese besondere Gemeindeform definiert sich somit über die Menschen, die in ihr wirken, und nicht über ein bestimmtes Quartier. Deshalb hat eine Personalgemeinde weniger Gemeindemitglieder – und weniger Geld. „Unsere Gemeinde besteht aus Menschen und nicht aus Gebäuden“, betont Pfarrer Johannes Gerhardt.

Seit dem Frühjahr hat die Bonhoeffer-Gemeinde aus Friesenheim als Mieterin im Haus der Stadtmission in der Rheinallee in der Nachbarschaft des ehemaligen Straßenbahndepots in Süd eine neue Heimat. Man könnte daher auch von einer Gemeinde-WG sprechen. Pfarrer Gerhardt und Margot Muhlert sowie Renate Hilligardt aus dem Leitungsteam sind sehr zufrieden mit den ersten Monaten im neuen Domizil und gespannt auf die Menschen in ihrem neuen Umfeld.

Kein anderer Stadtteil in Ludwigshafen hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten so stark verändert wie die Südliche Innenstadt. Denn die vielfältige Wohnbebauung am Rheinufer Süd ist erst im neuen Jahrtausend entstanden. Hier hat sich ein ganz neues Stadtquartier mit vielen Neu-Ludwigshafenern entwickelt. „Das ist eine spannende Gegend. Wir wollen uns hier als eigenständige Gemeinde profilieren“, betont daher Pfarrer Gerhardt.

Gebäude: Abriss und Neubau

Wie die drei Sprecher berichten, geht das Aus des Bonhoeffer-Zentrums in Friesenheim Ende 2023 schon zurück bis ins Jahr 2015. Damals hat Pfarrer Gerhardt noch mit seiner Familie im Pfarrhaus des dortigen Bonhoeffer-Zentrums gelebt. Zudem gab es eine Gemeinde-Kita und ein Gemeindezentrum. In Gesprächen mit der Stadtverwaltung einigte sich die Gemeinde darauf, dass alle Gebäude abgerissen werden sollten, damit am Standort eine größere Kita und Wohnungen errichtet werden können. Das Grundstück der Kirchengemeinde steht der neuen Kita allerdings lediglich zur Nutzung für einen Zeitraum von 30 Jahren zur Verfügung. Die Kirchengemeinde erhielt zudem für das Pfarrhaus einmalig eine Mietentschädigung in Höhe von 500.000 Euro. Und die Gemeinde fand zunächst ein neues Zentrum in der benachbarten katholischen Maximilian-Kolbe-Kapelle in Friesenheim.

Die protestantische Kindertagesstätte soll wie folgt erweitert werden: von bisher drei Gruppen mit 75 Plätzen für über Zweijährige auf künftig vier Gruppen (100 Plätze) für über Zweijährige und eine Gruppe (zehn Plätze) für unter Zweijährige. Rund 10,5 Millionen Euro will die Ludwigshafener Stadtverwaltung in den Neubau in Friesenheim investieren. Dafür hat der städtische Jugendhilfeausschuss auch bereits im September 2023 die Weichen gestellt. Der Stadtrat hatte schon im Februar 2016 mit dem dritten Kita-Ausbaupaket eine Erweiterung beschlossen.

Pendeln statt Pfarrhaus

Neu gebaut wurde jedoch bisher noch nichts. Obwohl die Bonhoeffer-Gemeinde mittlerweile nicht nur ihr Zentrum, sondern auch das Interimsquartier in der Friesenheimer Kolbe-Kapelle wieder aufgegeben hat und nun in Süd Wurzeln schlägt. Im Jahr 2022 sind Johannes Gerhardt und seine Familie aus dem Pfarrhaus ausgezogen. Seither pendelt der Pfarrer zwischen Ludwigshafen und Neustadt. Weil es sich für ihn nicht richtig angefühlt hätte, in ein anderes Ludwigshafener Pfarrhaus umzuziehen, ohne für die entsprechende Gemeinde der Ansprechpartner zu sein, wie er erklärt.

Geschichte: das frühere Gemeindezentrum in Friesenheim.
Geschichte: das frühere Gemeindezentrum in Friesenheim.

Das vergangene Weihnachtsfest hatte die Bonhoeffer-Gemeinde noch in der Kolbe-Kapelle in Friesenheim gefeiert. Erst Ende des Jahres 2023 war für die Verantwortlichen überraschend klar, dass auch die katholische Kapelle aufgegeben wird und dringend neue Räumlichkeiten benötigt werden. Allerdings habe sich die Gemeinde schon das ganze Jahr 2023 mit der Frage beschäftigt: „Was brauchen wir?“, erzählt Margot Muhlert. Bei der Stadtmission in Süd habe es dann eine große Offenheit gegeben, die Bonhoeffer-Christen aufzunehmen. Und die modernen Räume mit guten Möglichkeiten auch für Kindergottesdienste seien perfekt für die rund 160 Gemeindemitglieder. „Wir haben hier gefunden, was wir uns schon immer erträumt haben. Einfach genial.“

50 Besucher im Gottesdienst

Nach dem Umzug standen im Sommer verschiedene Klausuren auf dem Programm, um das Gemeindeleben am neuen Standort in der Rheinallee zu gestalten. „Wir haben den Gemeindemitgliedern viel zugemutet in den vergangenen Jahren“, sind sich der Pfarrer und seine beiden Mitstreiterinnen einig. Wichtigste Neuerung ist der Gottesdienst am Sonntagabend um 17 Uhr statt vormittags. Das sei eine große Herausforderung für alle gewesen. Bei vielen komme die Veränderung gut an. 50 bis 60 Menschen besuchen im Schnitt die Gottesdienste.

Fürs Ankommen in Süd wollen sich die Verantwortlichen noch bis zum Sommer Zeit geben und nehmen. Dann soll es am Haus der Stadtmission auch äußerlich erkennbar sein, dass die Bonhoeffer-Gemeinde dort ein neues Zuhause gefunden hat.

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