Ludwigshafen Die „Textilflüsterin“: Bettina Hopfgarten
Bettina Hopfgarten lebt zwar schon lange nicht mehr in Ludwigshafen. Aber der Stadt, in deren Zentrum sie aufgewachsen ist, war sie auch viele Jahre nach ihrem Umzug in den Kraichgau noch verbunden: als Abonnentin des Theaters im Pfalzbau, dessen Programm sie sehr schätzt. Sowohl für Tanz- als auch für Schauspiel- und Musikaufführungen ist sie viele Jahre lang regelmäßig in die Vorderpfalz gekommen. Bis es jobbedingt nicht mehr möglich war.
„Das Theater ist meine Welt“, sagt bei einer Videokonferenz mit der Zeitung in ihrer Heimatstadt die 58-Jährige. Es war ihre Welt, als sie als Kind, Jugendliche und junge Erwachsene Ballett tanzte und im Heidelberger Stadttheater und bei den Schlossfestspielen regelmäßig auf der Bühne stand. Und es war ihre Welt, als sie in einer ersten Selbstständigkeit Theater- und Ballettschneiderei betrieb und Künstlerinnen und Künstler ausstattete.
„Falsche Kleidung wirkt sich negativ aus“
Durch Zufall hat es sich ergeben, dass Bettina Hopfgarten in diesem Frühjahr selbst auf der Bühne stand. Sie besuchte mit ihrem Mann („Ich hab’ dir einfach mal ein Ticket mitgekauft“) die Unternehmerkonferenz The Founder Summit in Wiesbaden und gewann bei einem Preisausschreiben einen Slot beim Internationalen Speaker Slam, einem Rednerwettbewerb – und kurz darauf dort den „Excellence Award“. Fotos von der Veranstaltung zeigen sie einen Büstenhalter schwenkend. Das ist eins ihrer Themen: dass man mit einer selbstbewussten Haltung und einer positiven Ausstrahlung durchs Leben geht, wenn man perfekt sitzende Unterwäsche trägt. Und umgekehrt: „Ich habe Führungskräfte erlebt, die nicht überzeugend waren, weil sie sich in ihrer Kleidung nicht wohlgefühlt haben. Ich bin der festen Überzeugung, dass die falsche Kleidung sich negativ auswirkt. Da habe ich schon die wildesten Dinge erlebt.“
„Zu lässig ist nicht zulässig“ – diesen Spruch hat Hopfgarten verinnerlicht. Man werde sie selbst nie im Schlabbershirt und einer Jogginghose am Schreibtisch sehen. Im Homeoffice in Odenheim wird sie, ordentlich angezogen, ab Januar viel Zeit verbringen. Ihre Stelle als Abteilungsleiterin bei einem Modehaus in Bruchsal hat sie zum Jahresende gekündigt, um sich ihrer Mission zu widmen: Menschen von der emotionalen Bedeutung von Kleidung zu erzählen. „Ich möchte meine gesamte Expertise zum Thema Textil einfließen“, sagt die gelernte Maßschneiderin.
In Vorträgen möchte sie über Fast Fashion und Nachhaltigkeit sprechen, über Dessous und Weiblichkeit, über Wechseljahre und Brustgesundheit und darüber, warum man nicht jeden Modetrend mitmachen muss – das habe sie schon in den Achtzigern nicht. In Workshops möchte sie zeigen, was man aus Stoffresten machen kann, und Arbeitssuchende vor Vorstellungsgesprächen in ihrer Kleiderwahl beraten. „Ideen“, sagt sie, „habe ich noch sehr, sehr viele.“