Ludwigshafen Die Tücken der Technik

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Ingenieurskunst hat unser Land zu dem gemacht, was es heute ist: Europas größte Wirtschaftsmacht. Ein Kind der Industrialisierung ist auch die Stadt Ludwigshafen, die im Schatten der Schornsteine der chemischen Betriebe gewachsen ist. Als Sohn dieser Industriestadt müsste ich eigentlich eine große Verbundenheit zu technischen Fragen besitzen. Doch irgendwie liegt bei mir da wohl eine Art Gen-Defekt vor. Mein Techniktalent ist leider durchaus begrenzt. Ich scheitere oft an den einfachsten Dingen: zum Beispiel, an meinem Auto den Luftdruck der Reifen zu überprüfen. Die Ventile meiner Reifen sind wegen der Felgen so gut wie unerreichbar für die meisten Luftdruckprüfgeräte. Nur mit sehr viel Mühe lässt sich eine Verbindung zwischen Reifenventil und Füllstab erreichen. Dabei macht man sich im wahrsten Wortsinn die Hände ordentlich schmutzig. Und dann zischt jedes Mal viel Luft aus den Reifen, bevor es mir gelingt, den Soll-Zustand zu erreichen. Mir bricht dabei immer kalter Schweiß aus. Ich wünsche mir hinterher jedes Mal, dass ein Autokonstrukteur aus Wolfsburg mal Luft in meine Reifen pustet, damit er endlich in der Praxis erlebt, was er am Reißbrett geschaffen hat. Mein Technikproblem ist jedoch nicht auf Automobile deutscher Herkunft begrenzt: Beim Wohnmobil-Urlaub in den USA ist es mir nicht gelungen, das Ventil des Abwassertanks an den entsprechenden Schlauch anzuschließen. Die Folge: Wir mussten unsere Notdurft auf Toiletten von Campingplätzen oder Supermärkten verrichten. Was mir eine nächtliche Begegnung mit einem Stinktier eingebracht hat. Aber das ist eine andere Geschichte. Die Tücken der Technik beschäftigen mich auch in meinem Berufsalltag immer wieder. Mein Computer sucht sich beim Einwählen in unsere Datenbanken gerne den Server aus, bei dem gerade völlig tote Hose herrscht. Der Bildschirm bleibt schwarz, der Zugriff auf die Zeitungsseiten verwehrt. Und bei unserer äußerst kompetenten Hilfsabteilung geht dann nur der Anrufbeantworter ran. Schon als Kind hat mich Technik wenig bewegt. Mein Vater schenkte mir einen Metallbaukasten, der mich nicht die Bohne interessierte. Immerhin hatte er großen Spaß daran, den Kran zusammenzuschrauben und damit Lasten zu heben. Nach über vier Jahrzehnten voller Niederlagen habe ich gelernt, mit meiner Technikschwäche zu leben. Es ficht mich nicht an, wenn Automechaniker mein Unvermögen belächeln, wenn es darum geht, mit einem Handgriff ein Leuchtmittel am Rücklicht auszutauschen. Ich ertrage es mit Gleichmut, dass ich an meinem Computer nur ein Kabel hätte richtig einstecken müssen, damit das Gerät wieder läuft. Wichtig ist, dass es dann doch irgendwie klappt. Und meistens liegt es daran, dass sich ein guter Geist meiner erbarmt. In meinem Privatleben ist das die beste Ehefrau von allen. In meinem Berufsalltag gibt es nette Kollegen, die mir bei Technikproblemen unter die Arme greifen. Ein besonderer Dank an dieser Stelle an das Büro Chef vom Dienst. Manchmal kann auch ich anderen Menschen helfen. Etwa meinem lieben Kollegen Steffen Gierescher, der die Rückenlehne seines Bürostuhls nicht alleine verstellen kann, sich keine Telefonnummern merkt oder Probleme beim Ausfüllen eines Spesenformulars hat. Ich helfe gerne, schließlich sagt schon die Bibel, dass Geben seliger denn Nehmen ist. Und amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden: Wer selbstlos anderen Menschen hilft, lebt länger und hat mehr vom Leben. Das gilt bestimmt auch für technisch unbegabte Menschen. Das Leben besteht schließlich aus mehr als Technik.

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