Ludwigshafen Die Stille soll überspringen

Spannungsgeladene Landschaften: Eduard Schwöbel vor einer seiner Arbeiten.
Spannungsgeladene Landschaften: Eduard Schwöbel vor einer seiner Arbeiten.

«Dannstadt-Schauernheim.» „Zerfall als Metapher für das Leben“ – so beschreibt der Dannstadter Hobbykünstler Eduard Schwöbel seine besondere Vorliebe für Motive, die Verfall darstellen, und die er bei Malreisen vor allem in französischen Dörfern entdeckt hat.

Gemalt hat der 69-Jährige schon als Kind, „so wie eben alle Kinder malen“. Nach ersten Erfolgserlebnissen in der Schule wagte er sich als Jugendlicher unbedarft an seine ersten großen Ölbilder. Zwei Begegnungen wurden dann für sein künstlerisches Schaffen wegweisend: mit dem Zeichner, Grafiker und Maler Werner Brand aus Hochstadt und der Neustadter Künstlerin Christel Abresch. Schwöbel vereinigt in seinen Werken Elemente von beiden Künstlern: exaktes Betrachten und Malen sowie den Blick für Verfall und stille Winkel. Den exakten Malstil hat Schwöbel von Werner Brand, dessen Detailtreue ihn vom ersten Augenblick an fasziniert hat. „Wie bringt man die Geduld auf, so genau zu schauen und zu malen, habe ich mich damals gefragt.“ Bei einem Malkurs der Kreisvolkshochschule Harthausen ist er dann Werner Brand persönlich begegnet und hat von ihm viel gelernt. Als Brand 1989 ein Stipendium für einen Malaufenthalt in Burgund erhielt, bot sich Eduard Schwöbel als Fahrer des Wohnmobils an. Es war der Beginn einer Männerfreundschaft, die die beiden im Laufe der Jahre zu zahlreichen Malreisen nach Frankreich führte. „Das sind keine Erholungsurlaube, da wird vom morgens bis abends hart gearbeitet“, beschreibt Schwöbel. Den Rücken dafür frei gehalten hat ihm stets sein Bruder Norbert, mit dem er eine Versicherungsagentur in Dannstadt betreibt. Malreisen finden wegen des Gesundheitszustands des mittlerweile 84-jährigen Brand nicht mehr statt, und Eduard Schwöbel malt nun in seinem Atelier nach Fotos, die er bei diesen Reisen gemacht hat. „Ich habe so viele Fotos, da wird mir das Material nicht ausgehen.“ Den Blick auf „Stille Winkel“ und Verfall hat er von seinem zweiten Vorbild, der 2011 verstorbenen Christel Abresch, gelernt. Diesem Thema ist auch eine derzeit in der Weingalerie im Weingut Junker in Impflingen laufende Ausstellung unter dem Titel „Es nagt der Zahn der Zeit“ gewidmet, die noch bis 12. September zu sehen ist. Dort präsentiert Schwöbel 14 seiner „Verfall-Bilder“ mit Motiven aus dem französischen Dorf Saint-Montant l’Ardèche. „Verfall erlebt jeder mit zunehmendem Alter an sich selbst. Zugleich schaue ich mit zunehmendem Respekt auf das Alter“, formuliert er seine Affinität zu diesem Thema. So zeigen die Bilder grundsätzlich alte Häuser, Scheunen und Schuppen oder Details wie Tore, Türen, Fenster mit all ihren Rissen, Sprüngen, Spalten und Verwerfungen und zeugen damit von gelebtem Leben. „Von ihnen geht eine Stille aus, die sich auf den Betrachter übertragen soll“, sagt der Künstler. Aktuell hat er, inspiriert durch eine Claude-Monet-Ausstellung, mehrere seiner Landschaftsbilder überarbeitet. „Ein spannungsgeladenes Landschaftsbild zu malen, ist gar nicht so einfach, und erst jetzt habe ich den Eindruck, ein schönes Landschaftsbild gemalt zu haben“, zeigt er auf mehrere Normandie-Impressionen. Diese werden ab 24. Juni bei der Ausstellung „Werkschau der Malerfreunde“ der Werner-Brand-Kunststiftung im Künstlerhaus Werner Brand in Hochstadt zu sehen sein. Dieser Stiftung gehört Schwöbel als Stiftungsrat an und ist in dieser Funktion als Berater bei der Erstellung eines Werner-Brand-Katalogs tätig.

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