Ludwigshafen Die Neupräsentation des neuen Leiters

René Zechlin, seit Mai Direktor des Wilhelm-Hack-Museums, hat gestern eine Neupräsentation der Sammlung angekündigt. Am 6. Februar wird sie vorgestellt und dann bis 8. November zu sehen sein. Außerdem wird es im Laufe des Jahres vier Wechselausstellungen geben, die seine Handschrift tragen. Die bedeutendste wird „Wie leben? Zukunftsbilder gestern und heute“ heißen und am Jahresende anlässlich des 150-jährigen Bestehens der BASF eröffnet werden.
hat sich gestern bei der Vorstellung des Jahresprogramms seines Hauses zu einem „lebendigen Museum“ bekannt. Dazu gehören für ihn Neupräsentationen der umfangreichen Sammlung, die immer nur in Ausschnitten unter einem bestimmten Aspekt möglich ist. Nachdem die letzte Präsentation des Ludwigshafener Museums das Augenmerk auf die Bedeutung der Form in der Kunst des 20. Jahrhunderts gerichtet hat, wird die nächste Darbietung den Blick auf das Material lenken. Dabei werden nicht nur die klassischen Materialien bildender Künstler wie Farbe, Bronze oder Holz berücksichtigt, sondern auch ausgefallenes Material wie Licht oder auch Schrifttexte, mit denen die Dada-Bewegung experimentierte. Vertreten sind in der neuen Sammlungspräsentation mit dem Titel „Material und Möglichkeit“ unter anderen Kasimir Malewitsch, Alexej von Jawlensky, Daniel Spoerri, Kurt Schwitters und Günther Uecker. Einbezogen in die thematische Präsentation ist erstmals auch die Mittelalter-Abteilung des Wilhelm-Hack-Museums. Hier tritt etwa ein mittelalterliches Triptychon in Dialog mit Albert Gleizes’ kubistischem Gemälde „Vièrge en gloire“. René Zechlins erste größere Ausstellung ist der Fotografin Ricarda Roggan gewidmet. In Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Hannover, den Zechlin bis zu seinem Wechsel nach Ludwigshafen geleitet hat, bietet das Wilhelm-Hack-Museum die bislang umfangreichste Werkschau der 1972 in Dresden geborenen Künstlerin. Ihre Spezialität ist die Inszenierung des scheinbar Zufälligen, Unbeachteten oder scheinbar Wertlosen. In Ludwigshafen werden vom 7. Februar bis 19. April mehrere ihrer Fotoserien gezeigt. Eine Serie setzt Autowracks wirkungsvoll in Szene, eine andere Alltagsgegenstände von Philosophen, Literaten, Komponisten. Unter anderem hat sie Heideggers Taschenuhr fotografiert, ist aber auch im Ludwigshafener Ernst-Bloch-Zentrum fündig geworden. Benedikt Hipp ist die zweite Wechselausstellung gewidmet. Vom 14. Mai bis 16. August will der 1977 geborene eigenwillige Künstler die Ausstellungsebene des Wilhelm-Hack-Museums in einen begehbaren Bildraum verwandelt, in dem Malerei, Skulptur und Installation zusammenkommen. Vom 18. September bis 15. November wird das Museum einer von acht Ausstellungsorten des 6. Fotofestivals Mannheim-Ludwigshafen-Heidelberg sein. Seit 2005 hat sich das Festival zum bedeutendsten kuratierten Fotofestival in Deutschland entwickelt. In diesem Jahr ist als Kurator Urs Stahel bestellt. Der Gründungsdirektor des Fotomuseums Winterthur und Mitgründer der Kunsthalle Zürich, ist ein international tätiger Spezialist für Fotografie. Die Ausstellung „Wie leben?“ schließlich wird auch die Frage „Wie arbeiten?“ thematisieren. Sie wird Design und Innenarchitektur ebenso berücksichtigen, wie sie Kunst und Zukunftsentwürfe im Allgemeinen seit Beginn des 20. Jahrhunderts vorstellen wird. Die Fotografen August Sander und Robert Häusser, der Filmemacher Harun Farocki werden vertreten sein , Werke des dänischen Architekten und Designers Verner Panton oder der Künstlergemeinschaft De Stijl sowie Architekturentwürfe von El Lissitzky, Buckminster Fuller und Sou Fujimoto. „Wie leben?“ wird vom 5. Dezember 2015 bis 28. Februar 2016 zu sehen sein. „Hack and the City“, das Außenprojekt des Museums, um mit den Ludwigshafenern ins Gespräch zu kommen, wird 2015 im Inneren fortgeführt. Wieder unter der Leitung Öykü Özsoys werden Künstler vom 29. April bis 2. August zwischen den Ausstellungen und an verschiedenen Orten im Museum das Gespräch mit Besuchern suchen. Der Titel des Projekts „Are you talking to me?“ stammt aus Martin Scorseses Film „Taxi Driver“ und kommt hier aus dem Mund Robert De Niros. („You talkin′ to me? Well I′m the only one here. Who the fuck do you think you′re talking to?“). Das Projekt soll auch zu einem freundlichen Umgang miteinander beitragen, sagte René Zechlin.