Ludwigshafen Die Mannschaft der Stunde
«MUTTERSTADT.» Überraschungsteam, Mannschaft der Stunde – für den Fußball-Bezirksligisten FG 08 Mutterstadt hat es zuletzt viele Beschreibungen gegeben. Diesen liegt eine tolle Vorrunde der Schwarz-Weißen zugrunde, die zur Winterpause einen vollkommen unerwarteten dritten Platz belegen. Es ist die beste Hinserie seit zwölf Jahren.
Gestartet war die FG 08 als heißer Abstiegskandidat. Neben Trainer Erdem Kar hatten zwölf Akteure den Verein verlassen, darunter viele, die als nahezu unersetzliche Leistungsträger eingestuft wurden. Doch die Verantwortlichen um Spielleiter Volker Reithermann und den neuen Coach Michael Drese, der vom Verbandsliga-Absteiger Ludwigshafener SC gekommen war, stellten eine absolut wettbewerbsfähige Mannschaft zusammen. Die meisten neuen Spieler fassten auf Anhieb Fuß und bildeten mit dem verbliebenen Rest eine verschworene Gemeinschaft. „Wir waren auf Abstiegskampf eingestellt, aber unsere Erwartungen wurden weit übertroffen. Die Spieler passen zusammen, die Mannschaft funktioniert“, betont Drese. Dabei sah es zum Saisonbeginn nach dem befürchteten Abstiegskampf aus, denn die ersten beiden Partien gegen Ruchheim (0:3) und in Freimersheim (2:4) gingen verloren. Doch der schwer erkämpfte 1:0-Sieg gegen den aktuellen Tabellenletzten Deidesheim und das 2:2 in Knittelsheim, als die Gastgeber einen Elfmeter verschossen, gaben den Mutterstadtern Selbstvertrauen. Der 4:3-Erfolg gegen starke Lustadter und die unglückliche 1:2-Niederlage bei Tabellenführer Billigheim-Ingenheim bestätigten den Aufwärtstrend. „Die Mannschaft ist lernwillig, erfolgshungrig und hat einen großen Zusammenhalt, weil die Typen auch charakterlich in Ordnung sind“, verdeutlicht Drese. Es folgten sechs Siege in Folge mit nur einem Gegentor. Danach standen die Mutterstadter erstmals auf den dritten Tabellenplatz. Nach neun Partien ohne Niederlage mit 25 von 27 möglichen Zählern bedeutete das 0:1 beim Nachbarn SV Südwest Ludwigshafen das Ende der Serie. „Uns kam zugute, dass wir kaum Verletzte hatten und oft in derselben oder einer wenig veränderten Aufstellung antreten konnten“, nennt der Trainer einen Grund für den Erfolg. Die FG spielte fast immer im 4-2-3-1-System und kam mit 22 Spielern aus. In allen 18 Partien waren Fabio Reithermann, der keine Minute versäumte, und Nico Hanewald dabei, auf 17 Einsätze kamen „Stimmungskanone“ Adnan Mujagic und Simon Schneider. 16 Mal liefen Torwart Martin Gaspar, Jens Kohlgrüber und Kapitän Marco Reithermann auf. Er ist auch mit 13 Treffern der erfolgreichste Torschütze, gefolgt von seinem Bruder Fabio, Simon Schneider und Ozan Kolcak, die jeweils sechsmal trafen. Das beste Halbzeitergebnis seit der Meistersaison 2006/07 oder die sieben Heimsiege in Serie lassen Trainer Drese kalt. „Nach wie vor dürfen unsere Säulen nicht wegbrechen, aber wir haben mit den drei kürzlich verpflichteten Akteuren mehr Alternativen und können jetzt auch in der Abwehr Verletzungen besser kompensieren“, blickt der Coach nach vorne. Mutterstadt ist jetzt breiter aufgestellt, offensiv schwerer auszurechnen und kann in allen Mannschaftsteilen ohne Qualitätsverlust wechseln. Zu Meisterschaft und Aufstieg wie vor zwölf Jahren wird es nicht reichen, aber vom Abstieg redet bei der FG 08 schon lange keiner mehr.