Die Reportage aus der Stadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Ludwigshafener und ihr Tannenbaum

Alle Jahre wieder ein gewohntes Bild: Fabian Hemberger und die Bäume.
Alle Jahre wieder ein gewohntes Bild: Fabian Hemberger und die Bäume.

Sie gehören wieder fest zum Stadtbild – die mobilen Christbaumverkaufsstände auf Markt- und Parkplätzen oder vor Supermärkten. Überall sind kleine Tannenwälder entstanden. Auch vor dem Globus-Markt in Oggersheim. Hier verkauft Fabian Hemberger seit Jahren die Christbäume aus der Baumschule von Karlheinz Bopp.

Wenn die Bäume in Oggersheim reden könnten, dann müssten sich Vorderpfälzer Ohren nur wenig an den Zungenschlag gewöhnen. Aus Elztal-Dallau, nur knapp 100 Kilometer entfernt, stammen die Tannenbäume, die auch in diesem Jahr vor allem zu den Sorten Nordmann, Nobilis oder Blautanne zählen. Allesamt tragen sie ein Gütesiegel als „Weihnachtsbäume aus nachhaltiger Produktion direkt vom Erzeuger.“ „Darauf sind wir stolz“, betont Verkäufer Fabian Hemberger gleichermaßen für sein Unternehmen, wie auch ein kleines bisschen für die Nadelbäume selbst.

Bis zu 20.000 Bäume im Jahr

Zur Nachhaltigkeit zählen dabei nicht allein die relativ kurzen Transportwege. „Wir pflanzen auch in jedem Jahr so viele Bäume nach, wie geschlagen werden.“ Das können schon zwischen 15.000 und 20.000 Bäume sein, immerhin betreibt der Odenwälder Land- und Forstwirtschaftsbetrieb nicht nur mehrere Verkaufsstände in Ludwigshafen und Fußgönheim, sondern auch weitere in Mannheim, Karlsruhe, Darmstadt und Landau bis hinein ins Elsass. Jede Menge Holz also, wobei in diesem Jahr besonders die ganz großen Bäume Schonzeit hatten. „Bäume von sechs, acht oder noch mehr Metern liefern wir nur auf Bestellung.“ Firmen, Kaufhäuser, Kirchen oder auch Vereine und Organisationen mit sehr großen Plätzen seien hier die Abnehmer.

Gerade Bestellungen aus der Wirtschaft hätten in diesem Jahr jedoch spürbar nachgelassen, berichtet Hemberger und er betont auch, dass die Nachhaltigkeit fast für den ganzen Verkaufsstand gelte. „Normalerweise nutzen wir für die Verpackung Netze auf Mais-Basis. Die sind biologisch abbaubar.“ Ob die Netze auch essbar sind, sollten im weihnachtlichen Haushalt die Vorräte doch einmal zur Neige gehen, wusste er allerdings nicht zu sagen. Gehen wir mal nicht davon aus.

Stabile Nachfrage bei Privatkunden

Die Nachfrage der Privatkunden sei jedoch stabil, so seine Erfahrung aus den ersten beiden Verkaufswochen. Hier hat er eine spannende Entdeckung gemacht: „Anfang der Woche kommen die Kunden vor allem vormittags, gegen Ende der Woche sind sie vor allem am Nachmittag hier.“ Woran das liegt? „Keine Ahnung.“ Immerhin: Eine Frau möchte am Freitagvormittag ein paar einzelne Zweige für die Wohnzimmerdekoration mitnehmen. „Für das Fenster“, präzisiert sie. Natürlich haben auch die Zweige ausgesuchte Qualität.

Nachteile für Frühkäufer gebe es keine. „Die Bäume sind alle frisch und halten noch locker bis Mitte/Ende Januar – auch wenn man sie gleich am ersten Adventswochenende gekauft hat“, versichert Hemberger. Darauf vertraut Oliver Walter aus Friesenheim. „Ein Christbaum gehört einfach dazu“, erklärt der junge Familienvater. Er orientierte sich aber eher am Sondersegment: „Normalerweise kostet der Meter 19 Euro, aber wir haben auch noch die Aktionsbäume. Die kosten bis zu einer Höhe von zwei Metern nur 15 Euro.“ Ein Qualitätsunterschied sei das aber nicht, versichert der Verkäufer.

Fürs Schmücken ist die Frau zuständig

Ein Altersunterschied sowieso nicht. „Bäume bis zwei Meter sind ungefähr sechs bis acht Jahre alt.“ Walter ist mit seinem Aktionsbaum zufrieden. „Das ist vor allem für die Kinder eine tolle Sache.“ Seine Arbeit ist allerdings mit dem Baumkauf schon fast erledigt. „Ich darf ihn dann nur noch im Wohnzimmer aufstellen. Das Schmücken übernimmt dann meine Frau mit unseren beiden Kindern“, lacht der Familienvater. Nur wenn die Katze den neuen grünen „Mitbewohner“ als Spielplatz entdeckt, komme er eventuell noch weitere Male zum Einsatz. „Ich kehre dann die Scherben zusammen und stelle den Baum eben wieder hin.“

Meterbäume als „Tischpflanze“

Auf Hunde oder Katzen muss Elfriede Götz aus Mutterstadt keine Rücksicht nehmen. „Ein Baum war für mich schon als Kind wichtig und jetzt gebe ich dieses Gefühl an die Enkelkinder weiter.“ Deshalb entscheidet sie sich für eine ganz besonders ausladende Nordmanntanne. „So ein Baum muss schließlich auch ohne Dekoration etwas hermachen.“ Und Platz genug sei im Wohnzimmer sowieso vorhanden. Wer es nicht ganz so groß möchte, aber auf den fälschlicherweise Martin Luther zugeschriebenen Weihnachtsbrauch nicht verzichten möchte, hat auch die Auswahl zwischen kleinen Meterbäumen. Die werden mit einem kleinen Holzständer geliefert und eignen sich auch als „Tischpflanze“.

Auch hier sei die Nachfrage bislang stabil. Trotzdem bereitet die Zukunft den Christbaumhändlern Sorge. „Die Supermärkte dürfen bei einem Lockdown weiter geöffnet bleiben. Wie das mit uns aussieht, kann ich nicht sagen.“ Möglicherweise muss der Tannenbaumverkauf eingestellt werden. Dann wird aus den verhinderten nachhaltigen Christbäumen ökologischer Strom und Wärme. „Die werden dann zu Hause im Odenwald von der Abfallwirtschaft eingesammelt und verfeuert“, berichtet Hemberger. Vielleicht duftet die Fernwärme im Odenwald im Januar nach Tannennadeln.

Verpackt werden sie in einem nachhaltigen Netz.
Verpackt werden sie in einem nachhaltigen Netz.
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