Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Ludwigshafener Künstlerin Gabriele Klinger gestaltet die Kultursommer-Plakate

Die Künstlerin sollte eine „typische Ludwigshafenerin“ für den Kultursommer abbilden.   Foto: Kulturbüro
Die Künstlerin sollte eine »typische Ludwigshafenerin« für den Kultursommer abbilden.

Obwohl Gabriele Klinger schon einige Jahre hier lebt, war sie künstlerisch bisher wenig präsent. Nun ist sie allgegenwärtig: Ein Mädchen und ein Junge werben als „typische Ludwigshafener“ für den Kultursommer. Wer nun meint, die beiden seien gemalt worden, der täuscht sich.

Ein treuherzig blickender Junge, der sich einen schwarzen Schnauzbart unter die Nase hält, und ein etwas schief lächelndes Mädchen hinter viel zu großer Brille machen überall auf den Ludwigshafener Kultursommer aufmerksam. Man könnte sie für Fotografien halten, aber es sind Werke von Gabriele Klinger, die in Würzburg geboren wurde und Bildende Kunst und Geografie in Mainz studierte. Inzwischen unterrichtet sie am Humboldt-Gymnasium in Edigheim und lebt in Friesenheim. Auf ihrer Internetseite hatte Monika Schill vom Kulturbüro der Stadt Klingers Werke gesehen – und vor allem eines hatte es ihr angetan: „Der Gesang der Fischfrau“, das bis 13. August auch in der begleitenden Ausstellung im Kulturzentrum das Haus zu besichtigen ist. Eine Künstlerin, die so fotogenaue und zugleich knallbunte Porträts malt, könnte doch für den Kultursommer „den Ludwigshafener“ und „die Ludwigshafenerin“ darstellen, dachte sie sich. So bekam Gabi Klinger den Auftrag.

Sie, die mit sich selbst oder anderen Erwachsenen künstlerisch gar nicht so zimperlich umgeht – außer wenn es sich um ein Porträt ihres Lebensgefährten, des Saxophonisten Olaf Schönborn, handelt – bildete also zwei süße Ludwigshafener Kinder ab. Ausgestattet wurden sie mit T-Shirts, deren Aufdrucke Klinger selbst gestaltet hat, und mit Accessoires, mit denen sie in die Rollen von Erwachsenen schlüpfen. Das Verkleiden scheint ihnen mächtig Spaß zu machen. Die Porträts platzierte Klinger vor einem Vorhang mit spielerisch verändertem Anker-Muster. Der obere Balken des goldenen Ankers kann als roter Mund wahrgenommen werden, der sich mal lächelnd, mal verdrießlich verzieht.

In Deutschland ist die Technik noch wenig bekannt

Auf der Friesenheimer Insel hatte die Künstlerin eine Zeitlang ein Atelier. „Es war ein altes Gebäude, und ich war darin meist ganz allein“, erzählt sie. Es war ihr unheimlich. Nun fühlt sie sich wohl in dem geräumigen Eck-Zimmer ihrer Wohnung in der Leuschner Straße. An den Wänden hängen Porträts, die sensibel anmuten, und Stillleben, deren leuchtende Farbigkeit effektvoll gegen den schwarzen Grund abgesetzt ist. Auf einer Staffelei steht eine weiße Leinwand, auf der eine Zeichnung angelegt ist. Farbtuben findet man nirgendwo, dafür – wohlgeordnet in Kästen – Unmengen von Farbstiften. Was aussieht wie Malerei, ist nämlich technisch gesehen Zeichnung, mit dem Stift gestrichelt, nicht mit dem Pinsel gestrichen.

Gabi Klinger versteht sich auf altmeisterliche Lasurtechnik. Auch in Eitempera hat sie schon gemalt. Acrylfarbe hat nicht den Schimmer, auf den es ihr ankommt. An Ölfarbe stören sie der Geruch und das ständige Warten, bis die Farbe getrocknet ist, ehe die nächste hauchdünne Schicht aufgetragen wird. Es ist eine Frage des Temperaments. „Ich bin ein ganz intensiver Mensch und habe sehr viel Energie. Ich brauche beides: Wildheit und Präzision. Deshalb gibt es in meinen Bildern immer etwas, das die Harmonie bricht, das verdichtet und oft auch überdreht.“ Schon an der Uni habe man ihr immer gesagt: Du bist eine Zeichnerin. Ihr ist das genauso egal wie wenn man sagt: Du bist Lehrerin. Sie sieht sich als „eine Künstlerin, die unterrichtet“ und als „eine Malerin, die zeichnet“. Seit 2017 ist sie Mitglied in der „Colored Pencil Society of America“; in Deutschland ist das Malen mit Farbstiften noch nicht so bekannt.

Die Fischfrau zeigt den befreienden Weg zur Farbe

„Es hat eine ganz handwerkliche Komponente“, erklärt sie. An einem kleinen Eisvogel demonstriert sie, wie es geht. Es gibt keine Linien, Strichelungen, Schraffuren, wie in der klassischen Zeichnung. Die Farbe wird in die Papieroberfläche „eingerieben und poliert“. Das geht langsam voran, aber viel schneller als Lasurmalerei. So entsteht „eine Malerei, die dicht ist und Schmelz hat“. Wie beim Ölgemälde bringt ein Firnis zusätzlichen Glanz, und schützendes Glas braucht man nicht. Als Vorlagen dienen Fotos. Im Gegensatz zu Menschen bewegen sie sich nicht und können nach Lust und Laune bewegt werden, nämlich kombiniert und verändert.

„Der Gesang der Fischfrau“ gehe auf einen echten Traum zurück, verrät Gabi Klinger. In einer Phase der Niedergeschlagenheit habe er ihr den befreienden Weg zur Farbe gezeigt. Farbe ist für sie Bruch mit und Aufstand gegen das, was wir Realität nennen. Ihre Bilder sind nicht wirklich fotorealistisch, denn sie bilden nicht ab. Sie sind auch nicht surrealistisch, dazu fehlt ihnen die fantastische Dimension. Und schon gar nicht magisch-realistisch trotz oft magisch anmutender Farbintensität in den Stillleben. Am ehesten kommt man den manchmal psychodelisch krassen Figuren ihrer „Conditio Humana“ (Menschsein) mit „Verkleidung“ bei. Gabriele Klinger liebt das Verkleiden und hat in einer früheren Phase auch „Kunstkleider“ genäht und ausgestellt. Sie hatten Titel wie „Egodress“, „Mood Indigo“ und „Memento mori“.

Termin

Ausstellung „Conditio Humana“ von Gabriele Klinger im Kulturzentrum das Haus bis 13. August, 10 bis 16 Uhr (bitte klingeln) und zu den Veranstaltungen.

Gabriele Klinger in ihrem Atelier. Sie reibt die Farbe in die Bilder.  Foto: KUNZ
Gabriele Klinger in ihrem Atelier. Sie reibt die Farbe in die Bilder.
„Der Gesang der Fischfrau“ geht auf einen Traum zurück.  Foto: Gabriele Klinger
»Der Gesang der Fischfrau« geht auf einen Traum zurück.
„Faust aufs Auge“: Als Vorlage dienen Fotos.  Foto: Gabriele Klinger
»Faust aufs Auge«: Als Vorlage dienen Fotos.
„Spielendes Kind“.  Foto: Gabriele Klinger
»Spielendes Kind«.
„Hand und Stier“ Foto: Gabriele Klinger
»Hand und Stier«
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