Ludwigshafen Die Jahreszeit der Bücherwürmer
«Ludwigshafen.» In der Gemeindebibliothek Mutterstadt ist Leiterin Birgit Bauer mit dem Ergebnis des Lesesommers zufrieden. Die Mühe und Zeit hätten sich gelohnt. Bereits zum Auftakt 2008 hätten gleich rund 200 Kinder mitgemacht: „Wir hatten damals recht viele Teilnehmer, das Interesse war sehr groß.“ Zwischendurch sei dieses etwas zurückgegangen und dann auf einem stabilen Niveau geblieben. 2015 waren 161 Teilnehmer mit 2175 Büchern dabei, 2016 habe es mit 145 Teilnehmern einen Einbruch gegeben, berichtet Bauer. Dafür gab es in diesem Jahr wohl auch wegen der starken Öffentlichkeitsarbeit wieder einen Anstieg auf 178 Teilnehmer und 1796 gelesene Bücher. „Was mich freut, ist, dass die Kinder Qualitätsleser sind, denn sie haben das gelesen, was ihnen Spaß macht und sie wirklich interessiert, und konnten schön darüber erzählen.“ Unter den Teilnehmern seien jedoch eher weniger neue Kinder gewesen als vor allem die, die schon früher in die Gemeindebücherei gekommen seien. Aber das Ziel des Lesesommers, die Freude am Lesen zu vermitteln und vor allem dazu zu motivieren, dabei zu bleiben, sieht Bauer erreicht. Denn: „Wir hatten viele tolle Erlebnisse.“ So habe sich vor einigen Jahren bereits die Mutter einer Teilnehmerin mit einem großen Fresskorb beim Bibliotheksteam bedankt. Die Tochter hatte eine Lese-Rechtschreib-Schwäche und habe deshalb eigentlich nicht gerne geschmökert. Deren Lehrerin hätte dem Mädchen nach dem Lesesommer attestiert, beim Lesen und Schreiben große Fortschritte gemacht zu haben. Erstmals hätten in diesem Jahr auch Flüchtlingskinder teilgenommen. „Wir konnten sie sogar motivieren, schwierigere Bücher zu lesen“, freut sich Bauer. Der Lesesommer sei aber sicherlich auch deswegen erfolgreich, weil sich das Landesbibliothekszentrum den Trends anpasse: „Die Mitarbeiter gehen auf die Interessen der Kinder und Jugendlichen ein. Sie haben etwa eingeführt, dass die jungen Leser auch online über ihr Smartphone eine Buchbesprechung abgeben können“, berichtet Bauer. Auch Angelika Huber von der Gemeindebücherei Limburgerhof bestätigt, dass der Lesesommer sehr gut ankommt und den Kindern einen Anreiz biete, auch weiterhin zu lesen. Die Gemeindebibliothek beteilige sich aus personellen Gründen erst seit fünf Jahren am Lesesommer, aber für diese Zeitspanne könne sie nur Positives berichten. Die Anzahl der Teilnehmer wie auch der gelesenen Bücher habe von Jahr zu Jahr zugenommen. „In diesem Jahr wurden zum ersten Mal über 100.000 Seiten gelesen“, so Huber. Sie erinnere sich an ein Mädchen, das nicht gerne gelesen habe, sich aber dann doch vom Lesesommer, seinen Aktionen und den Preisen angesprochen gefühlt und mitgemacht habe. „Es war wie ein Schalter, der umgelegt wurde“, beschreibt Huber die Veränderung. Ein wichtiges Element des Lesesommers sei das Interview, das eine Bibliotheksmitarbeiterin mit dem jeweiligen Leser führt. „Die Kinder erzählen dabei sehr lebhaft und wir merken, dass es ihnen Spaß macht.“ Besonders viele Leser im zehnten Lesesommer-Jahr hat die Gemeindebücherei in Dannstadt-Schauernheim zu verzeichnen. „Wir hatten 100 Anmeldungen, 2016 waren das weniger“, freut sich Leiterin Edeltraud Daumann. Aber auch im ersten Jahr habe es gleich richtig gut angefangen: „Wir hatten damals 69 Anmeldungen – das war erstaunlich“, erinnert sie sich. Der Höhepunkt mit den bisher meisten Anmeldungen von 102 jungen Lesern habe man vor vier Jahren verzeichnet. Es gebe in der Dannstadter Bibliothek schon Angebote für die Kleinen – mit den Koffergeschichten für die Dreijährigen und dem Bilderbuchkino für die Vier- bis Sechsjährigen, die regelrecht darauf warteten, endlich am Lesesommer teilnehmen zu können: „Die Kinder freuen sich auf den Lesesommer, wenn sie in die erste Klasse kommen“, weiß Daumann. Besonders reizvoll seien für die Jungen und Mädchen wahrscheinlich die Preise, die es zu gewinnen gibt, aber vor allem das Interview durch die Bibliotheksmitarbeiter sei wichtig für die jungen Leser: „Manche fühlen sich dadurch bestätigt und es macht Spaß – ob als Interviewter oder als Interviewer“, berichtet die Leiterin. So habe eine „Vielleserin“ das Angebot ihrer Mutter ausgeschlagen, die meinte, die Tochter könne ja auch ihr das Gelesene erzählen. „Das Mädchen wollte lieber von uns interviewt werden“, erzählt Daumann. Das Sprechen über die gelesenen Bücher sei in vielerlei Hinsicht wertvoll. Denn die Leser müssten üben, den Inhalt wiederzugeben – eine Aufgabe, die auch in der Schule später auf sie zukomme. Und: „Die Kinder werden selbstbewusster.“ Was auch für die Bibliothek interessant ist: Aus dem Gespräch erfahren die Mitarbeiter, ob die Bücher ankommen. Sie würden Wert darauf legen, dass für jeden etwas dabei sei. Das sei sicherlich auch der Grund für den besonders hohen Anteil an Jungen, die beim Lesesommer mitmachen – sie machten rund die Hälfte der Leser aus, was den Landesschnitt von 42 Prozent übersteige, so Daumann. Auch das Landesbibliothekszentrum, das die Zahlen für ganz Rheinland-Pfalz erfasst, spricht von steigenden Teilnehmerzahlen, die den Erfolg des Lesesommers sowie die Lesefreude der Kinder bezeugten, sagt Kerstin Völker, die zuständige Mitarbeiterin bei der Landesbüchereistelle in Mainz. Auch viele Schulen würden den Leseeifer der Kinder anerkennen und die Teilnahme am Lesesommer im Zeugnis vermerken. „Im Durchschnitt wurden 2016 sieben Bücher pro Teilnehmer gelesen. Dies zeigt, dass Lesen Spaß macht und der Lesesommer Erfolg hat“, so Völker. Und da kommt einiges zusammen: Allein im vergangenen Jahr haben die Kinder im Land laut Statistik zusammen rund 144.000 Bücher gelesen.