Ludwigshafen „Die Globalisierung findet in der Provinz statt“

Mit der schwäbischen Komödie „Global Player – Wo wir sind, isch vorne“ wird heute um 19 Uhr das zehnte Festival des deutschen Films in Ludwigshafen eröffnet. Neben der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Kultusministerin Doris Ahnen und Oberbürgermeisterin Eva Lohse haben Regisseur Hannes Stöhr und Hauptdarsteller Walter Schultheiß ihren Besuch auf der Parkinsel angekündigt.
Der Titel des Films bringt Englisch und Schwäbisch zusammen, und das ist ganz treffend für eine Komödie, die in Hechingen und Shanghai spielt. Drehbuchautor, Regisseur und Produzent Hannes Stöhr ist selbst in Hechingen im Zollernalbkreis aufgewachsen, lebt aber lange schon in Berlin. Auch die Titel seiner bekanntesten Filme „Berlin is in Germany“ und „Berlin Calling“ verweisen auf die Hauptstadt, die sein Zuhause wurde. Im Vorgespräch berichtet er jedoch, dass seine Verbindungen nach Baden-Württemberg nie abgerissen sind. „Natürlich besuche ich regelmäßig meine Familie und Freunde in der alten Heimat“, erklärt der 44-jährige, „und ich lehre auch seit acht Jahren als Gastdozent an der Filmakademie in Ludwigsburg.“ Da liegt Ludwigshafen ja praktisch auf dem Weg. Aus der Berliner Perspektive, führt er weiter aus, erachtet er heute den schwäbischen Raum als sehr modern. Die Dächer seien dort voller Solarzellen, die Kommunen pflegten flächendeckend Städtepartnerschaften in ganz Europa, und viele Schwaben arbeiteten in mittelständischen Betrieben, die auf dem Weltmarkt eine Rolle spielen. „Wenn ich meine Tenniskumpel von früher treffe, dann unterhalten die sich über ihre Berufserfahrungen in Chengdu, Shaoxing oder Shanghai“, erzählt er. „Die Globalisierung findet in der Provinz statt.“ In „Global Player“ führt Juniorchef Michael Bogenschütz (gespielt von Christoph Bach, der am 30. Juni beim Filmfestival zu Gast sein wird) die traditionsreiche Firma „Bogenschütz & Söhne“, die in Hechingen Textilmaschinen fertigt. Die Geschäftslage ist schwierig, das Unternehmen bald zahlungsunfähig, und die Bank verweigert jeden Kredit. Michael setzt auf Investoren aus Shanghai, hat aber heftig mit seinem Vater, dem von Walter Schultheiß gespielten griesgrämigen Seniorchef Paul Bogenschütz, zu kämpfen. Der warnt eindringlich vor den Chinesen, die schon einmal die Lizenzrechte des Betriebs verletzten. „Glaub ja nicht, du kannst die Firma hinter meinem Rücken an die Wand fahren!“ ermahnt der 90-jährige Patriarch seinen geschäftsführenden Sohn und droht wiederholt an, notfalls von seinem Vetorecht Gebrauch zu machen. „Gerade in der Maschinenbaubranche zeigt sich seit einigen Jahren die chinesische Strategie, Know-how abzuziehen, um eigenes Know-how zu schaffen“, sagt Hannes Stöhr und verweist auf seine Recherchen für den Film, die ihn mehrmals nach China führten. In Europa befürchte man, der Technologietransfer werde wie ein Bumerang zurückkommen, sobald die High-Tech-Produkte auch in China hergestellt würden. Doch chinesische Investoren und Übernahmen seien nicht per se schlecht und könnten für deutsche Unternehmen auch eine Chance bedeuten, ist Stöhr überzeugt. „Das Thema ist kompliziert“, gesteht er ein. Während also Juniorchef Michael verhandelt, versucht sein Vater, den Familienbetrieb und damit sein Lebenswerk ganz ohne Rückgriff auf fremdes Geld zu retten. Mit dem Zug macht er sich auf den Weg zu seinen Töchtern in Köln und Berlin. Er nennt seine Familie gerne eine „Saubande“, doch jetzt sollen sie, zumindest vorübergehend, ihr Vermögen der Firma überschreiben, der sie ihren Wohlstand ja schließlich auch verdanken. Pauls Reise durch Deutschland, die ihn näher mit der Familie zusammenbringt, weckt auch lange verschüttete Erinnerungen an den Krieg.