Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die gebürtige Iranerin Fatemeh Shojaiyan malt mit Vorliebe weibliche Akte

Seit der siebten Klasse malt Fatemeh Shojaiyan. Aufgewachsen ist sie in Schiras, einer Millionenstadt im Süden des Iran.
Seit der siebten Klasse malt Fatemeh Shojaiyan. Aufgewachsen ist sie in Schiras, einer Millionenstadt im Süden des Iran. Foto: Shojaiyan/Frei

Fatemeh Shojaiyan malt vorzugsweise starke Frauen, die selbstbewusst ihren Körper zeigen. Doch wo die Hobbymalerin aufgewachsen ist, im Iran, kann man für eine solche künstlerische Obsession im Gefängnis landen. Seit vier Jahren lebt die 29-Jährige mit ihrem Mann in Mutterstadt.

Kunst ist für Fatemeh Shojaiyan elementarer Teil ihres Lebens. Doch in ihrer Heimat Iran konnte sie das, was sie interessiert, nur heimlich malen. „Ich male gerne Körper ohne Kleidung“, sagt die junge Frau. Doch an der Kunsthochschule von Schiras, einer Millionenstadt im Süden der Islamischen Republik, waren die Modelle selbst bei anatomischen Studien verhüllt, die Haare mit einem Schleier bedeckt, der Körper umwallt von langen Mänteln. Konturen? Nicht zu erkennen.

Heimlich, hinter verschlossenen Türen und mit zugezogenen Vorhängen zeichnete Shojaiyan die vier Schwestern oder Freundinnen, um ein Gespür für Proportionen zu bekommen. Die Bilder mussten sofort in der Schublade verschwinden. Wären sie entdeckt worden, hätte das gefährlich werden können. Eine Ausstellung? Undenkbar. „Die Polizei würde einen sofort verhaften“, sagt sie. Gesichter, Landschaften, das waren die Motive, die Shojaiyan in ihren Ausstellungen zeigen durfte.

Ziel ist ein Kunststudium in Deutschland

Den Repressionen, den Einschränkungen ihrer Kunst zu entfliehen, waren für die 29-Jährige und ihren Ehemann ein Grund, 2015 Iran zu verlassen und nach Deutschland zu kommen. Erst nach Maxdorf, jetzt wohnt die kleine Familie in Mutterstadt. Ein zweiter Grund zu fliehen, war ihr Glaube. In der Pfalz ließen sich beide taufen. Als Christen dürfen sie nun nicht mehr in den Iran einreisen. Die Familie trafen sie zuletzt während eines Urlaubs in der Türkei. Ihre Eltern unterstützen sie, sagt Shojaiyan. „Sie sehen, dass ich mich weiterentwickele und sind glücklich.“ Als Frau werde man in Iran klein gehalten, unterdrückt, hier in Deutschland sei sie frei.

Ihr Kunststudium, das sie in Schiras mit dem Bachelor abgeschlossen hat, würde die junge Mutter gerne fortsetzen. Allerdings muss sie dafür zunächst noch besser Deutsch lernen. Und so malt Shojaiyan im Moment neben ihrer Arbeit als Arzthelferin in Maxdorf in jeder freien Minute. Kollegen, Freunde und Nachbarn bestellen Bilder bei ihr. Gerne sucht sie sich auch Vorlagen aus dem Internet, wo sie selbst einen Großteil ihrer Bilder veröffentlicht.

Termin

Fatemeh Shojaiyan stellt einige Bilder vom 30. Oktober bis 15. November im Bürgertreff West, Valentin-Bauer-Straße 18, in Ludwigshafen aus. Auf dem Instagram-Account fatemeh_shojaiyan finden sich weitere Bilder.

Für so ein Bild könnte Fatemeh Shojaiyan in ihrer Heimat Iran ins Gefängnis kommen.
Für so ein Bild könnte Fatemeh Shojaiyan in ihrer Heimat Iran ins Gefängnis kommen. Foto: Shojaiyan/Frei
An der iranischen Kunsthochschule sind selbst die Modelle für anatomische Studien verhüllt. Nackte Körper zu zeichnen, übte Fate
An der iranischen Kunsthochschule sind selbst die Modelle für anatomische Studien verhüllt. Nackte Körper zu zeichnen, übte Fatemeh Shojaiyan heimlich. Foto: Shojaiyan/Frei
Starke, selbstbewusste und lustvolle Frauen will die Iranerin Fatemeh Shojaiyan zeigen.
Starke, selbstbewusste und lustvolle Frauen will die Iranerin Fatemeh Shojaiyan zeigen. Foto: Shojaiyan/Frei
„In Iran werden Frauen klein gehalten“, sagt Fatemeh Shojaiyan.
»In Iran werden Frauen klein gehalten«, sagt Fatemeh Shojaiyan. Foto: Shojaiyan/Frei
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