LudwigshafenDie Erfolgsgeschichte des Hack-Museumsgartens geht weiter
Mit Leidenschaft bei der Sache: Michael und Diana Beermann vor ihrem Beet .
Die 13. Saison des Hack-Museumsgartens ist angebrochen. Längst hat er sich in Ludwigshafen als ganz besonderer Ort etabliert.
Michael Beermann streicht Ehefrau Diana eine Fliege von der Wange, sie hat frische Erde unter den Fingernägeln. Das Ehepaar ist erst seit einem Jahr Teil der Hackgarten-Gemeinschaft und schon fest etabliert: Hinter einer blauen Bank, auf der mit roter Farbe die Initialen D und M aufgemalt sind, steht ihr Haupt-Beet, in dem Salbei, Rosmarin, Minze und vieles mehr gedeihen. Weiter hinten befindet sich ein Beet mit Tulpen, das gehöre ihnen auch, genauso wie eines mit weißen Streben, doch das „müssen wir noch hübscher machen“, erinnert Diana Beermann ihren Ehemann.
Die 54-Jährige ist Fremdsprachendozentin an der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft in Ludwigshafen, das Gärtnern aber ist eine universelle Sprache: Kleine Gefallen wie gegenseitiges Gießen stärken ein Miteinander über Kulturen, das Alter und den Stadtteil hinaus. So hilft das Ehepaar aus Ludwigshafen-West am Freitagnachmittag Kindern aus der Nachbarschaft beim Einpflanzen von Saatgut. „Sie spielen hier oft, wollen aber nicht nur toben, sondern auch mal mithelfen und eine Aufgabe haben“, erklärt Michael Beermann (56). Also haben die Beermanns der Gruppe ein kleines Beet neben ihrem platziert. In einem Supermarkt haben die Jungen ein Päckchen mit Samen gekauft, nun wird es mit Unterstützung eingesät – in Komposterde, die dafür eigentlich zu reichhaltig sei, aber etwas anderes habe auf die Schnelle nicht aufgetrieben werden können, wirft die Dozentin ein. Aufmerksam gucken die auf dem Boden sitzenden Kinder anschließend auf die dunkle Erde, die die eingesetzten Samen umschließt.
„Biotop der Menschlichkeit“
Der Ansturm zur Eröffnung war enorm.
Aus den umliegenden Straßen strömen Kinder zum Hans-Klüber-Platz, auf dem es zur Feier Spielangebote des Spielmobils Rolli zu erkunden gibt. Im Pavillon stimmen Musiker des Mannheimer Ensembles „Meloakustika“ – das die Garteneröffnung mit zünftiger Musik untermalt – gegen 17 Uhr ihre Instrumente, während Besucher gelassen auf Bänken vor der Bühne warten. Sie halten Kuchenstücke auf Servietten im Schoß bereit, ziehen Jacken aus und legen sie neben sich ab. Unter der hellen Aprilsonne entledigt sich der Garten, genauso wie es seine Gäste tun, der Hüllen der Wintermonate.
Stefanie Kleinsorge, Kultur-Bereichsleiterin der Stadt, begrüßt alle Gartenfreunde mit einer Ode an den Grünplatz: „Der Garten ist ein Biotop der Menschlichkeit, ein Raum der Gemeinschaft, ein dritter Ort, an dem wir zusammenkommen, um zu gärtnern, aber auch um zu lernen, zu feiern und uns gegenseitig zu unterstützen.“ Hier können Naturerlebnisse gesammelt und Erfahrungen geteilt werden. Durch das Gärtnern könne man außerdem das Bewusstsein für ökologische Verantwortung schärfen und als Kollektiv daran wachsen, schließt Kleinsorge optimistisch.
140 Gärtner aus 15 Nationen
Theresia Kiefer ist die Gründerin des Hackgartens und dankt 140 Gärtnern aus 15 Nationen für die Pflege von rund 120 Beeten auf dem Gelände: „Durch eure Liebe und Fürsorge gedeiht der Garten so schön im Frühjahr“, freut sie sich. Der Betrieb funktioniert hauptsächlich in Selbstorganisation – das bedeutet, dass sich mehrere Teams einzelner Aufgaben wie der Planung der Beete annehmen. Vergangenen Herbst gewann der Garten als rheinland-pfälzischer Landessieger den Deutschen Nachbarschaftspreis: Das Preisgeld von rund 2000 Euro wurde in den Bau einer neuen Sommerbank im Garten investiert – ein Platz für weitere Begegnungen.