Ludwigshafen Die Entdeckung der Langsamkeit

Gehört zur letzten Erwachsenengeneration der DDR: der Regisseur Andreas Goldstein.
Gehört zur letzten Erwachsenengeneration der DDR: der Regisseur Andreas Goldstein.

Einer der wenigen deutschen Filme, die im Programm des Internationalen Filmfestivals Mannheim-Heidelberg laufen, ist „Adam und Evelyn“. In seinem Spielfilmdebüt, das eine Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ingo Schulze ist, erzählt der Berliner Regisseur Andreas Goldstein von den letzten Tagen der DDR und einem Paar, das die plötzlichen Verheißungen ganz unterschiedlich bewertet.

In der DDR, im Sommer 1989: Der Damenschneider Adam (Florian Teichtmeister) ist eigentlich ganz zufrieden damit, seine Kundinnen mit neuen Kleidern und ab und an mit seinen Beischlaffähigkeiten zu beglücken. Seine Freundin Evelyn (Anne Kanis) entzückt das natürlich weniger. Und statt mit Adam fährt sie eines schönen Urlaubstages lieber mit einer Freundin und deren Westcousin nach Ungarn, an den Balaton, wo die DDR-Bürger eben so hinfuhren. Der bis dahin leicht lethargisch wirkende Adam fährt im Wartburg und mit der Anhalterin Katja (die aus Andres Veiels RAF-Film „Wer wenn nicht wir“ bekannte Lena Lauzemis) an seiner Seite hinterher – und plötzlich erleben alle nicht mehr nur private Verwicklungen und Verlockungen, sondern sind mittendrin in der Weltpolitik. Allerdings erzählt Andreas Goldstein die Geschichte von der Öffnung der ungarisch-österreichischen Grenze, die den Anfang vom Ende der DDR markieren sollte, ganz nebenbei, nur durch Radioeinspielungen. Er habe, sagt der selbst in Ost-Berlin geborene Regisseur, „die konkrete Erfahrung der Figuren und den historischen Vorgang nicht zusammen in eine Dramaturgie zwingen“ wollen. Das Private ist vom Politischen allerdings nicht völlig abgekoppelt. Am Ende des Films müssen sich Adam und Evelyn nicht nur entscheiden, ob sie zusammenbleiben, sondern auch, wo sie künftig leben werden. Natürlich heißen Adam und Evelyn nicht zufällig wie Adam und Eva. Aber schon bei der Frage, was denn hier eigentlich das Paradies ist, eröffnen der Film und auch der Roman Spielräume für Interpretationen: Ist es die DDR, die ja aber nicht nur der Ort der sozialen Sicherheit war, sondern auch eine Diktatur? Oder die Bundesrepublik mit ihren Verlockungen? Und was ist, wenn man in dieser Metaphorik bleibt, dann der Sündenfall? Goldstein, der bisher vor allem als Produzent von Dokumentarfilmen tätig war, hat einen stilisierten, langsamen Film mit reduzierten Dialogen gedreht. „In der DDR“, sagt er, „hatten die Leute Zeit.“ Termin Der Film „Adam und Evelyn“ soll am 10. Januar ins Kino kommen.

x