Ludwigshafen Die eigenen Ansprüche nicht erfüllt

Beethovens Fis-Dur-Sonate, Janáceks „Im Nebel“, die acht Klavierstücke op.76 von Johannes Brahms und Schumanns große C-Dur-Fantasie: Der japanische Pianist Tomoki Kitamura traut sich was. Ob sich der 27-Jährige mit diesem Programm wirklich einen Gefallen getan hat? Nach seinem Auftritt in der Reihe „Junge Pianisten“ im BASF-Gesellschaftshaus war man etwas klüger.
Die Antwort auf die Frage? Der Eindruck vom Auftritt kann etwas zögerlich als „durchwachsen“ beschrieben werden. Alle Werke auf Tomoki Kitamuras Programm sind von der Art, dass sie ein erhebliches gestalterisches Potenzial voraussetzen. Also keine mit bloßer Fingerfertigkeit zu bewältigenden Abräumstücke sind. Der Gast ist 27, reichlich, aber nie ganz vorne preisgekrönt und derzeit immer noch „Schüler“ (Hammerflügel, Klavier) an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Solche überlangen Inkubationszeiten, um nicht von einem ewigen Studentendasein zu reden, sind im Musikbetrieb eher kontraproduktiv; irgendwann muss Schluss sein und die Richtung und der eigene Weg klar ins Auge gefasst. Hier gilt wie sonst im Leben auch: „Der frühe Vogel fängt den Wurm.“ Kitamura ist ein guter Pianist. Er hat den Ehrgeiz, ein anspruchsvolles Repertoire zu bewältigen, und das ist auch gut. Bei Beethovens Opus 78 lässt er zunächst eine empfindsame Seele aufscheinen, sein „cantabile“ ist sehr schön, fast feinsinnig. Leider wird, was nach „Läufen“ aussieht, genauso gespielt, der zweite Satz, Allegro vivace, ohne Not streckenweise etüdenhaft zerhämmert. Der Janácek hat den Vorteil, dass nur wenige dieses wundervolle, hoch expressive Stück kennen. Da hatte Kitamura jenen Vorsprung, den es bei Brahms und Schumann nun mal nicht gibt. Irgendwie fehlte da immer etwas Entscheidendes, bei Brahms’ Klavierstücken (unter anderem) der Sinn für die technisch problemlos zu bewältigenden, musikalisch aber durchaus schwer darzustellenden Intermezzi. Und dass die manuelle Schreddermaschine das falsche Konzept für die Capricci ist, leuchtet den Brahms-Kennern allemal unmittelbar ein. Dass Schumanns Fantasie durchaus das Phantastische, um nicht zu sagen, das überbordend Leidenschaftliche, versponnen Innige, das von energischen Aufschwüngen skandierte Potenzial, kurzum der gleichwohl formbewusste improvisatorische Gestus fehlte, war nach dem Vorausgegangenen zu erwarten. Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Tomoki Kitamura kann Klavier spielen. Er stellt gesunde Ansprüche an sich selbst. So ganz erfüllen kann er sie nun allerdings nicht.