Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Die Basis und die K-Frage: Hinter Merz stehen nicht alle Christdemokraten

CSU-Chef Markus Söder (57, rechts) hat zugunsten von CDU-Chef Friedrich Merz (68) verzichtet.
CSU-Chef Markus Söder (57, rechts) hat zugunsten von CDU-Chef Friedrich Merz (68) verzichtet.

Die Frage, wer für die Union im kommenden Jahr als Kanzlerkandidat antritt, war eines der bestimmenden Themen dieser Woche. Die Verantwortlichen haben sich letztlich für den CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz entschieden. Manche an der Ludwigshafener Parteibasis hätten sich eine andere Lösung gewünscht.

„Zeichen der Geschlossenheit“

„Für mich wäre Hendrik Wüst eine spannende Wahl“, sagt Stadträtin Constanze Kraus – allerdings am Tag, bevor der seit Ende Oktober 2021 amtierende Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens (NRW) offiziell seinen Verzicht zugunsten von Friedrich Merz erklärt. Danach meint Kraus: „Wüst verdient Respekt für diesen Schritt. Die CDU ist geeint und damit auch thematisch breit aufgestellt, denn Wüst wird seine Themen einbringen.“ Dass die NRW-CDU hinter Merz stehe, sei ein Zeichen der Geschlossenheit. NRW spiele allein aufgrund der Größe eine Schlüsselrolle bei jeder Bundestagswahl. „Hier kann Wüst mit seiner unterstützenden Rolle als populärer Politiker viel für die Union bewirken“, so Kraus. An dem 49-Jährigen schätzt sie „seine Erfahrung als Landesvater“, „seine wirtschaftsfreundliche Agenda“ sowie „seine moderne, junge Ausrichtung“, mit der er die CDU in die Zukunft führen könne. Wüst sei zudem ein pragmatischer Politiker, der es verstehe, Kompromisse zu schließen und Koalitionen zu führen. Das könne auf Bundesebene irgendwann von Vorteil sein.

„Kein Gelaber“

CDU-Urgestein Reinhard Herzog, stellvertretender Ortsvorsteher in Friesenheim, berichtet von persönlichen Begegnungen mit zwei Partei-Promis. „Bei der Bundesversammlung des evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU 2023 in Nürnberg habe ich sowohl mit Friedrich Merz als auch mit Markus Söder Gespräche führen können. Es ist sicherlich richtig, wenn man der Meinung ist, dass Söder die Menschen besser abholen kann als Merz.“ Richtig sei aber auch, dass sich Merz gerade in den letzten Jahren in seiner Rhetorik gewaltig verbessert habe. „Seine Wortwahl zeigt deutlich, welche Lösungsansätze er anstrebt. Im Gegensatz zu einigen Damen und Herren der Regierung kann man ihm kein Gelaber vorwerfen. Aus diesem Grund hat er meine volle Unterstützung“, betont Herzog.

Kronprinz in Lauerstellung: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.
Kronprinz in Lauerstellung: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst.

„Söder hat Profil“

Kurz und bündig outet sich Maudachs Ortsvorsteher Andreas Olbert als Fan von Bayerns Regierungschef. Der CSU-Parteivorsitzende wäre für ihn der bessere Kanzlerkandidat: „Für mich hat Markus Söder das notwendige Profil und die Erfahrung als Ministerpräsident“, so Olberts Fazit.

„Merz hat die Kompetenz“

Für Peter Uebel kann es nur einen geben: Friedrich Merz. „Er hat eine hohe wirtschaftspolitische Expertise und zeigt in wesentlichen Fragen, auch in der Flüchtlingskrise, klare Kante“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stadtrat. Die deutsche Wirtschaft befinde sich in einer Rezession. Die Ampel habe die Industrie an die Wand gefahren. Der notwendige industrielle Transformationsprozess sei schlichtweg versemmelt worden - auch zuvor, unter der großen Koalition seien viele infrastrukturell wichtige Entscheidungen nicht getroffen worden, kritisiert Uebel.

„Unsere Konkurrenzfähigkeit ist vielfach nicht mehr gegeben. Der Wohlstand wird in den nächsten Jahren deutlich schwinden. Das werden wir zunehmend auch in Ludwigshafen merken. Unsere sozialen Probleme werden zunehmen. Deshalb brauchen wir hier jetzt eine hohe Wirtschaftskompetenz.“ Merz sei der richtige Mann, um das Ruder herumzureißen. Gegenüber Söder zeigt Uebel Respekt, weil er Merz den Vortritt gelassen habe. Über Wüst sagt Uebel: „Seine Zeit wird kommen.“

„Hätte mir Wüst gewünscht“

Das glaubt auch die Ludwigshafener CDU-Landtagsabgeordnete Marion Schneid, die ganz offen sagt: „Mein Wunschkandidat wäre Wüst gewesen. Er bringt Dinge mit den richtigen Worten auf den Punkt und spricht einen großen Teil der Bevölkerung an.“ Dass er von einer Kanzlerkandidatur zugunsten von Merz Abstand genommen hat, bedauert sie, betont aber: „Die CDU sollte nun möglichst geschlossen hinter dem Kanzlerkandidaten stehen.“

„Zugriffsrecht steht ihm zu“

„Ich hätte mir persönlich auch noch andere Kandidaten als Merz vorstellen können, bin vor allem aber froh, dass sich der quälende Prozess der Kandidatenfindung vor der letzten Bundestagswahl nicht wiederholt hat. Er hat uns damals massiv geschadet“, sagt Torbjörn Kartes, Vorsitzender des 570 Mitglieder zählenden CDU-Kreisverbands. Die Parteivorsitzenden von CDU und CSU seien vor der großen Verantwortung gestanden, eine gemeinsame Lösung zu finden. „Im Übrigen kann ich mit Friedrich Merz als Kanzlerkandidat sehr gut leben. Er hat die Arbeit als Parteichef und Oppositionsführer sehr gut gemacht, die CDU nach innen weitestgehend geeint und die Bundesregierung in der öffentlichen Debatte regelmäßig gestellt. Als Partei- und Fraktionsvorsitzendem steht Merz nach meiner Auffassung auch das Erstzugriffsrecht für eine solche Kandidatur zu“, so Kartes.

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