Mannheim
Die Ausstellung „Black & White“ in der Galerie Zimmermann
Spannend. Aber was sollen wir davon halten? Zwei zimmertaugliche Stahlplastiken von Robert Schad stehen auf Sockeln. Seit gut 20 Jahren hat der Galerist den Künstler im Programm, ein bewährtes Urgestein, dessen wie aus dem Lehrbuch der unendlichen Variationsmöglichkeiten ein und derselben Idee stammenden Arbeiten wieder echte Hingucker sind – und schön „schwarz“ noch dazu.
„Eiche geschwärzt“ steht unter den Köpfen und Figürchen, die der Schweizer Marcus Messmer mit der Kettensäge aus frisch geschlagenem – also noch „arbeitendem“ – Holz geholt hat. Messmer war mal Banker, jetzt ist er Biobauer und als Künstler Autodidakt, der sich alles selbst beigebracht hat – eine sympathische Eigenschaft.
Das Duo wird zum Trio
Die er mit dem Mannheimer Fotografen Peter Schlör teilt, den wir als Dramatiker mit Sinn für das auf Samtpfoten daherkommende Erhabene schätzen. Und das geht, eigentlich, nur in klassischem Schwarz-weiß. Zwei auf eine fast romantische Stimmung eingedampfte Landschaften vermitteln Stille im Passepartout des großen Formats. Dass Schlör dem 40 Jahre älteren Wahl-Mannheimer Robert Häusser manche Anregung verdankt, ist bekannt. Im Büro hängt sein mysteriöses „Karussell im Wald“ von 1962, das als Vintage gelatine silver print angeboten wird.
Hannah Schemel, 1994 geboren, in Mannheim lebend und ein Riesentalent, komplettiert mit „Kigen“ (2020) das Duo der wichtigen Mannheimer Schwarz-weiß-Fotografen zum Trio. Sieht schon ein bisschen nach Schlör aus. Oder nach Caspar David Friedrich in Platin-Palladium-Mischtechnik. Passt aber alles doch irgendwie schön zusammen.
Keine Kompromisse
Für kompromissloses „Weiß“ steht (neben Prägedrucken von Enrico Castellani) Altmeister Klaus Staudt ein. In einem handlichen Plexiglaskubus lässt er seriell angeordnete Klötzchen frisch und munter tanzen, ohne dass sich auch nur eines bewegt. „Boléro“ heißt die Arbeit. Entstanden ist sie 2018, da war der heute 92-jährige Staudt auch schon 86.
Nun aber zu einigen Grenzfällen, die sich gegen die die Vorgabe „Black & White“ zu sträuben scheinen. Auf Frank Gerritz’ horizontal aufgereihten „Freundinnen“ ist der Blau-Anteil definitiv unübersehbar. Yoshihisa Sankawas titellose Holzarbeit mit interessant strukturierter Oberfläche, die wie ein großer versehrter Schild mit einer Art von sichtbaren Wundpflastern an der Wand hängt? Erinnert an ein nicht mehr entzifferbares Palimpsest. Oder an eine verputzte Wand, die radikal abgeschrubbt wurde, ohne dass alle Farbspuren getilgt werden konnten. Eindeutig „farbig“ gefasste Plastiken des minimalistisch-spröden Deutsch-Japaners waren bei Zimmermann schon zu sehen. Und wer den systematischen Farbforscher Kuno Gonschior oder die Bilder eines Johannes Gecelli nur auf ihre möglichen Schwarz-Anteile festlegen wollte, wäre schön auf dem Holzweg. Er würde der Kunst von zwei ausgebufften Farbmalern nicht gerecht.
Kraut und Rüben ist die Ausstellung in der Leibnizstraße trotz dieser Beispiele dennoch nicht. Dazu ist sie zu strategisch angelegt, wozu die Galerie-Künstler genügend Passendes beisteuern können. Ein Angebot zur Wahrnehmung hieß das einmal. Oder, wie der Maler Gerhard Hoehme zu sagen pflegte: „Wenn man nichts sieht, schaut man genauer hin.“
Die Ausstellung
Bis Samstag, 17. Mai, in der Galerie Peter Zimmermann, Mannheim, Leibnizstraße 20. Öffnungszeiten: Donnerstag und Freitag 13-18, Samstag 11-14 Uhr.