Ludwigshafen Dicke Gutachten zu dünner Rohrwand

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Die Staatsanwaltschaft hat gestern neue Erkenntnisse zur Gasexplosion in Edigheim veröffentlicht. Demnach hatte die beschädigte Pipeline nur noch eine Restwandstärke von unter einem Millimeter. Die Gefahr für einen Gasaustritt hätte wohl auch bei vorsichtigen Erdarbeiten bestanden. Die restliche Leitung wurde überprüft und gilt als sicher.

Vor fast genau zwei Jahren explodierte bei Bauarbeiten die Ferngasleitung, die zwischen Edigheim und Oppau in Richtung BASF führt. Seitdem ermittelt die Staatsanwaltschaft und diverse technische Gutachter beschäftigen sich mit der Frage, wie es zum dem Unglück kommen konnte, bei dem zwei Bauarbeiter starben, 22 Menschen verletzt wurden und ein Millionenschaden entstand. Im Blickpunkt der Ermittler standen zunächst die Bauarbeiter, die eine Spundwand in die Erde rammten, dabei die Pipeline erwischten und damit eine Explosion verursachten. Wie nun gestern bekannt wurde, steht seit September der Vermutung im Raum, dass es wahrscheinlich auch bei einem vorsichtigen Freigraben der Leitung zu einem Gasaustritt gekommen wäre. Grundlage für diese Annahme ist ein Gutachten der Staatsanwaltschaft, das sich auf eine Expertise aus dem März 2015 bezieht. Darin steht, dass die Wand der explodierten Gaspipeline an dem geschädigten Rohrabschnitt stellenweise weniger als 1 Millimeter dick gewesen sei. Ursprünglich habe die Dicke 8,8 Millimeter betragen, wie Leitender Oberstaatsanwalt Hubert Ströber gestern informierte. „Auch das umsichtige Freilegen der unter Druck stehenden Leitung hätte aufgrund ihrer geringen Reststärke und des fehlenden Erdgegendrucks wahrscheinlich zu einer Undichtigkeit an der schwächsten Stelle des Rohres und damit zu einem Gasaustritt geführt“, heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft. Die Ermittler sahen Klärungsbedarf für die restliche Leitung und gaben im Mai 2015 die Ergebnisse des Gutachtens über die Pipeline-Dicke an die Energieaufsichtsbehörde im Wirtschaftsministerium in Mainz weiter. Denn die Pipeline war nur drei Tage nach dem Unglück wieder repariert und lief zu diesem Zeitpunkt bereits seit einem halben Jahr wieder. Das Ministerium verfügte sofort eine Drosselung des Drucks von 84 auf 10 bar und veranlasste eine Prüfung der 55 Kilometer langen Leitung, die von Ludwigshafen nach Karlsruhe führt. Die fand im Juni/Juli 2015 statt, dafür wurde die Leitung stillgelegt und ausführlich untersucht. Ergebnis: Die Pipeline war ausreichend dick und kann mit vollem Druck betrieben werden. Das Gasunternehmen Gascade (eine BASF-Tochter) erklärte gestern auf Anfrage, dass es vor dem Unfall keine Erkenntnisse gegeben habe, dass die Wandstärken der Leitung nicht ausreichend gewesen wären. Das Ferngasnetz des Unternehmens und auch die betroffene Trasse würden regelmäßig überprüft, eine Wanddickenuntersuchung sei 2012 erfolgt. Gascade teilte weiter mit. „Wir haben keine Anzeichen dafür, dass die Sicherheit der gesamten Leitung durch reduzierte Rohrwanddicken beeinträchtigt war oder sein könnte.“ Oppaus Ortsvorsteher Udo Scheuermann (SPD) zeigte sich gestern überrascht über die Neuigkeiten. „Ich habe das nicht gewusst“, sagte er. Rückblickend sei die Pipeline einige Monate gelaufen, ohne dass es eine komplette Prüfung der Wandstärke gegeben habe. „Das macht einem schon Angst“, sagte Scheuermann. Er als Ortsvorsteher sei nicht über das Ausmaß der Prüfung informiert worden. Das sagt auch Bürgermeister Wolfgang van Vliet (SPD). Er betonte aber auch: „So wie es aussieht, ist es – abgesehen von dem zeitlichen Verzug – richtig gelaufen.“ Immer stehe nun fest, dass die Leitung voll funktionsfähig sei, sagte Scheuermann. Südwest

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