Ludwigshafen Deutlich mehr Flüchtlinge beraten

Flüchtlinge und Zuwanderer aus Europa haben im vergangenen Jahr zu einer deutlichen Steigerung der Beratungstägigkeit des Caritas-Zentrums Ludwigshafen geführt. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, der gestern vorgestellt worden ist.
Im Caritas-Zentrum spiegelt sich gewissermaßen die gesellschaftliche Realität der Stadt. Vor allem im Bereich Migration und Integration sowie der Schwangerschaftsberatung betreuten die insgesamt 20 Berater im vergangenen Jahr deutlich mehr Kunden als im Vorjahr. So stieg die Zahl der Fälle in der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer von 548 (2013) auf 706 Fälle. Die Schwangerschaftsberatung zählte 471 Ratsuchende mit 1567 Beratungen, während es im Vorjahr 416 Kundinnen mit 1174 Beratungen waren. Vor allem junge Schwangere, aber auch Männer nutzen die Beratung per Mail oder im Chat. „Wir erreichen damit eine neue Zielgruppe, die sich sonst nie hätten beraten lassen“, sagt Zentrums-Leiterin Birgit Andreas. Die Berater wollen auf die gestiegene Nachfrage reagieren, indem sie etwa für Schwangere vermehrt Gruppenbetreuungen anbieten. Bei der Migrationsberatung sind es vor allem EU-Bürger, die Unterstützung suchen. Am stärksten bemerkbar macht sich der Flüchtlingszustrom beim „Garantiefonds Hochschule“, einem Bundesprogramm, das Flüchtlinge beim Abschluss ihres Studiums unterstützt. Auch die Allgemeine Sozialberatung war im letzten Jahr sehr gefragt. „Hier ist vor allem spürbar, dass das Wohnraumproblem für Flüchtlinge immer größer wird“, berichtet Birgit Andreas. Über Angebote, bei denen sich Migranten austauschen können, wird nachgedacht. Zukünftig möchte das Caritas-Zentrum in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung verstärkt Sprachkurse organisieren. Für die Kurse werden Räume der Gemeinden genutzt. Der katholische Dekan Alban Meißner sieht mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik die „Kirche als Ganzes herausgefordert“. Wenn die Kirche sich kümmere, seien alle gefordert, und es müsse ökumenisch passieren. Es sei die ureigene Aufgabe der Kirche, sich um Flüchtlinge zu kümmern. Wichtig sei es, dies in das Bewusstsein der einzelnen Pfarrgemeinden zu transportieren. „Geld bewegt noch gar nichts, man braucht Menschen“, appellierte der Dekan. Derzeit verstelle jedoch der „Mammutprozess“ der Strukturreform in den katholischen Gemeinden, die zusammengelegt werden, den Blick für eine koordinierte Arbeit bei den Flüchtlingen. Seit über zwei Jahren sind alle Beratungsstellen des Caritas-Zentrums unter einem Dach in der Ludwigsstraße vereint, was für die Berater vor allem kurze Wege und Synergien mit sich bringt. Wenn die Beratungsstelle auch voll besetzt ist, würde sich Birgit Andreas doch noch jemanden wünschen, der die Flüchtlingsbetreuung und Sprachkurse koordiniert. (rad)