Ludwigshafen Detaillierter Blick zurück

Historische Notiz: der erste französische Eintrag im Geburtsregister von Schauernheim zu napoleonischer Zeit.
Historische Notiz: der erste französische Eintrag im Geburtsregister von Schauernheim zu napoleonischer Zeit.

Ein Dorfjubiläum ist auch immer Anlass zurückzublicken auf die eigene Geschichte: Dafür hat sich vor zwei Jahren der Arbeitskreis Geschichte zusammengefunden. Seitdem machen sich die sechs bis acht Mitglieder, darunter zwei Historiker, darüber Gedanken, wie die Geschichte der beiden Ortsteile zum Jubiläum präsentiert werden kann.

„Wir wollen zum Jubiläum etwas aus der Historie beitragen“, sagt Winfried Seelinger, Leiter des Gemeindearchivs und einer der Protagonisten des Arbeitskreises. So bereitet er mit Ingo Dierck und Stefan Endres eine Ausstellung vor, die während des Festwochenendes von 18. bis 20. August im Zentrum Alte Schule zu sehen sein wird. In der Ausstellung wird die Dorfgeschichte anhand von Dokumenten aus dem Gemeindearchiv sichtbar gemacht. So liegt für Dannstadt noch das alte Dorfgerichtsbuch vor, das vom Inhalt her eher als Rats- und Gemeindeprotokollbuch bezeichnet werden muss. Nährungszettel geben Auskunft über Vermögens- und Familienverhältnisse. Ein in französischer Sprache abgefasstes Flurbuch sowie der erste in französischer Sprache geschriebene Eintrag im Geburtsregister zu napoleonischer Zeit legen Zeugnis ab von der Franzosenzeit um die Wende zum 19. Jahrhundert. „Dabei nutzen wir die im Saal des Kultur- und Heimatkreises vorhandenen Zeittafeln zur Ortsgeschichte und werden unsere Exponate passend dazu präsentieren“, erläutert Seelinger den Aufbau der Ausstellung. Weiterhin werden spezielle Themen in einer Vortragsreihe vertieft, an der sich zahlreiche Experten beteiligen. Darunter der Kieler Historiker und Mitautor der Ortschronik, Gerhard Fouquet, der die Zuhörer mit auf einen Streifzug durch die Dorfgeschichte nimmt, sowie der Historiker Ingo Dierck mit einem Vortrag über das Dannstadter Kriegerdenkmal. Historiker Stefan Endres blickt auf Dannstadt und Schauernheim zur Zeit des Nationalsozialismus zurück, Seelinger selbst präsentiert sein „Familienbuch Dannstadt und Schauernheim“. Dieses führt die Dannstadter und Schauernheimer Familien vom 16. bis ins 20. Jahrhundert auf. „Jeder, dessen Familie in Dannstadt-Schauernheim ihre Wurzeln hat, wird jetzt seinen Großvater finden“, erklärt Seelinger. „Es ist mein Geschenk an die Gemeinde.“ Das Buch wird anlässlich des Ortsjubiläums in den nächsten Monaten erscheinen. Das erste Familienbuch wurde vom Leiter des Gemeindearchivs 1994 herausgegeben. Aus Datenschutzgründen konnten nur Informationen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts aufgenommen werden. „Es war in den 1990er-Jahren das erste Familienbuch dieser Art weit und breit und wurde zur Vorlage für Familienbücher umliegender Gemeinden“, blickt Seelinger zurück. Ein solches Buch wächst und ist eigentlich nie fertig, da mit fortschreitender Zeit weitere Namen aufgenommen werden können. „Damals habe ich viele Nachfragen bekommen; viele wollten mit ihrer Familie unbedingt aufgenommen werden“, berichtet Seelinger. In den vergangenen vier Jahren hat der pensionierte Lehrer neue Informationen gesammelt, Archivquellen ausgewertet, mehr als einhundert Gespräche geführt und Fehler des alten Buchs korrigiert. So wurden in das neue Familienbuch auch die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Dannstadt und Schauernheim gekommenen Flüchtlingsfamilien aufgenommen. „Ich hatte auch einen Aufruf gestartet. Wer in das Familienbuch aufgenommen werden wollte, konnte sich bei mir melden“, erklärt Seelinger seine Vorgehensweise. Daher reichen einige Eintragungen sogar bis ins 21. Jahrhundert. Viele Zusatzinformationen, zum Beispiel über den Sterbeort und den Verkauf von Gütern, nahm Seelinger ebenfalls mit auf. Dadurch geht der Informationsgehalt des Buches weit über ein rein genealogisches Werk hinaus. Eine Tatsache, die sich auch im Umfang bemerkbar macht: 1600 Seiten, davon allein ein 30-seitiges Namensregister, wird das Familienbuch umfassen – und daher auch in zwei Bänden erscheinen. Momentan ist Seelinger auf der Suche nach einer Druckerei. Da er das Familienbuch auf eigene Kosten drucken lässt, braucht er zur Planung der Auflagenstärke einen Überblick über Kaufinteressenten. Daher kann das Buch bereits jetzt vorbestellt werden. Info Vorbestellungen sind bei Gabi Müller bei der Verbandsgemeindeverwaltung unter der Telefonnummer 06231 4010 oder direkt beim Autor, Winfried Seelinger, Telefon 06231 98092 oder per E-Mail an winfried@seelinger.de, möglich.

Autor des Familienbuchs: Winfried Seelinger.
Autor des Familienbuchs: Winfried Seelinger.
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