Ludwigshafen Der Sänger und die Fake-News
Mit den Ursprüngen der Oper setzt sich das Mannheimer Nationaltheater gezielt seit dem Beginn der Ära des Intendanten Albrecht Puhlmann in der Spielzeit 2016/17 auseinander. Die leichtere Schwestergattung wird dabei nicht vergessen. Am 17. Februar bringt das Nationaltheater die „Uroperette“ heraus: Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“.
Die Sage des Sängers Orpheus, der in die Unterwelt herabsteigt, um dort mit seinen Zaubertönen die Herzen der Herrscher der Hölle zu erweichen und seine Gattin Eurydike zurückzuerobern, schließlich dann doch verzichten muss, ist eigentlich der Mythos der Oper, wenn man will, der Musik schlechthin. Seine Gestalt haben die Künste in einer kaum überschaubaren Vielfalt verewigt. Er ist auch Titelfigur des ersten vollgültigen Meisterwerks der Kunstform Oper, Monteverdis „Orfeo“ (1607), und anderthalb Jahrhunderte später läutete der Gluck’sche „Orfeo“ die entscheidende Reform der musiktheatralischen Gattung ein. Dass dann mit dem sensationellen Erfolg der 1858-er Pariser Uraufführung von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“, dem Stück, das jetzt in Mannheim Premiere feiern wird, die Geburtsstunde der Operette schlug, erscheint eigentlich nur konsequent. Offenbach freilich beschritt einen anderen Weg als seine Vorgänger. Sein „Orpheus“ zeigt den ehrwürdigen Mythos und die erhabenen Götter der griechischen Antike im Zerrspiegel und ist eine Persiflage. Satirisch aufs Korn genommen wurden Sittenverfall, Heuchelei und Vergnügungssucht der vornehmen (und weniger vornehmen) Pariser Gesellschaft im zweiten Kaiserreich von Napoleons III.. Nicht zu Unrecht ist im Jahresprogrammheft des Nationaltheaters von der „respektlosesten Fassung des Mythos“ die Rede. Die Ähnlichkeiten der von Offenbach gezeichneten Verhältnissen zu den in unserer Gegenwart herrschenden sind dem international gefragten Szeniker Markus Bothe keineswegs entgangen. Mit „Orpheus“ stellt er jetzt nach Monteverdis „Heimkehr des „Odysseus“ und Bellinis „Norma“ seine dritte Regiearbeit am Nationaltheater vor. Die Losung von Offenbachs Jupiter, es gelte „den Schein zu wahren“, könnte, so Bothe, auch von Donald Trump oder Italiens starkem Mann, dem rechtsradikalen Innenminister Matteo Salvini, stammen. „Ich will nicht unbedingt eine Satire inszenieren“, erklärte der Regisseur, „aber Stellung nehmen zu einer Gesellschaft in Stillstand, zu Jupiters und Plutos auch heute aktueller Frauenfeindlichkeit und den Fake-News.“ Die öffentliche Meinung wird in der Mannheimer Produktion von sieben Chorsängerinnen verkörpert, die jeweils eigene Ansichten äußern. Humor sei wichtig im Offenbach’schen „Orpheus“, sagte Bothe: „Unsere Produktion will sich nicht der Unterhaltung, der Komödie verweigern“. Es gehe aber nicht um Theaterparodie, eher könnte von der Geburt der Komödie aus der Tragödie die Rede sein. Ein heiteres Moment stelle die Besetzung des Jean Styx, des stets betrunkenen Dieners von Höllenfürst Pluto, mit dem ehemaligen Mannheimer Wagner-Tenor Wolfgang Neumann. Im Übrigen lobt der Regisseur die „ausgezeichneten Schauspieler“ des Mannheimer Ensembles. „Für uns“, sagt Bothe, „ist Eurydike die Hauptperson. Orpheus ist nur reagierender.“ Eurydike sei enttäuscht von den Männern, am Ende auch von Jupiter, der sie als Bacchantin zum allgemeinen Missbrauch freigibt. Damit kann sich eine unabhängige Frau nicht arrangieren.“ Termine Premiere am 17. Februar am Mannheimer Nationaltheater, 19 Uhr. Weitere Termine: 19. und 23. Februar, 3., 8., 15. 23. und 30. März, 4. und 28. April, 1. Juni und am 5. Juli. Kartentelefon 0621/1680150