LUDWIGSHAFEN RHEINPFALZ Plus Artikel Der Riese im Rückraum

Azat Valiullin spielt seit 2018 für Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen. Ob er das über Juni 2021 hinaus weiter tun wird, i
Azat Valiullin spielt seit 2018 für Handball-Bundesligist Eulen Ludwigshafen. Ob er das über Juni 2021 hinaus weiter tun wird, ist offen.

Handball: Azat Valiullin hadert immer noch mit einer entscheidenden Spielszene am Sonntag. Da vergab der russische Nationalspieler die erstmalige Führung für die Eulen Ludwigshafen in Göppingen. Morgen in Stuttgart dürfen dem WM-Teilnehmer solche Fehler nicht passieren – aus mehreren Gründen.

Azat Valiullin ärgert sich noch Tage danach über eine Spielszene am Sonntag in Göppingen. Beim Stande von 21:21 lief der russische Nationalspieler ganz alleine auf den Göppinger Torwart Urh Kastelic zu. Doch Valiullin scheiterte. Das war bitter. Denn es wäre die erstmalige Führung für die Eulen Ludwigshafen gewesen. Es war eine Situation, die den Spielverlauf womöglich verändert hätte. So aber verloren die Eulen in Göppingen.

Da ist es ein schwacher Trost, dass Valiullin fünf Tore erzielt hatte. „Ich habe die Situation immer noch vor Augen. Ich muss das Ding irgendwie reinmachen. Dann wäre das Spiel zum Schluss vielleicht anders verlaufen“, ärgerte sich Valiullin. Nach hinten schauen kann man sich im Lager der Eulen Ludwigshafen in der aktuellen Situation nicht erlauben. Schon morgen Abend (19 Uhr) steht beim TVB Stuttgart in der Porsche-Arena die nächste Herausforderung auf dem Programm. Da wird Valiullin gefordert sein – gerade seine Tore aus dem Rückraum. Tore, die dem Nationalspieler gut tun. Denn der Vertrag von Valiullin endet im Juni. Zukunft offen.

Die jüngste Vergangenheit hingegen war aufregend für Valiullin. Anfang Januar musste der junge Familienvater, dessen Sohn Artur Ende November im Ludwigshafener Marienkrankenhaus auf die Welt kam, seine Familie für mehrere Wochen alleine lassen. Zuerst stand das Trainingslager mit der russischen Nationalmannschaft in Moskau an, dann folgte die Teilnahme an der Handball-Weltmeisterschaft in Ägypten. Es war die zweite WM-Teilnahme für den im Januar 2018 von Lemgo nach Ludwigshafen gekommenen Rechtshänder. Doch dieses Mal hatte sich Valiullin lange mit der WM beschäftigt.

„Ich habe die Situation mit meiner Frau genau besprochen. Ich weiß, dass es wegen Corona etliche Absagen, gerade aus dem deutschen Lager, gab. Letztendlich habe ich mich für die WM entschieden“, sagte Valiullin. Seine Familie verbrachte diese Zeit bei den Großeltern in Russland.

WM-Ziel verpasst

Die Familie musste dann mitansehen, wie die russische Mannschaft die Zielvorgabe nicht erfüllt hatte. Nationaltrainer Velimir Petkovic wollte ins Viertelfinale. Nach dem Gruppensieg in der Vorrunde zogen die Russen in der Hauptrunde gegen Gastgeber Ägypten (23:28) und den späteren Vizeweltmeister Schweden (20:34) den Kürzeren. Wie Deutschland reisten die Russen vorzeitig ab.

Azat Valiullin, mit 2,07 Metern der längste Spieler im russischen Kader, war daher unzufrieden. „Sportlich war das für uns enttäuschend. Wir wollten den nächsten Schritt international gehen und etwas aus dem Mittelmaß der letzten Jahre herauskommen. Das ist nicht gelungen“, sagte Valiullin. Bei der WM war der wurfgewaltige Halblinke mehr mit Abwehraufgaben vertraut. Im Rückraum kam er nur sehr selten zum Einsatz. Im März stehen die nächsten Einsätze mit der Nationalmannschaft an. Die Russen spielen in der EM-Qualifikation gegen Tschechien.

Morgen gilt erst einmal seine ganze Konzentration dem Auswärtsspiel in Stuttgart. Die Ausgangssituation ähnelt der Aufgabe in Göppingen. „Ich sage nie, dass wir gewinnen müssen. Ich sage, dass wir in jedem Spiel in dieser Liga gewinnen können. Ein Punkt wäre nach dem Göppingen Spiel schon wichtig“, denkt Valiullin positiv. Die vergebene Großchance von Göppingen kann er in Stuttgart vergessen lassen.

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