Ludwigshafen Der rasende Zeichner
Der in Worms aufgewachsene Künstler Emil Stumpp (1886-1941) war einer der bekanntesten Porträtisten und Pressezeichner der Weimarer Republik. Der Rhein-Pfalz-Kreis und die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim zeigen nun Arbeiten aus einer Privatsammlung unter dem Titel „Emil Stumpp – Köpfe der Weimarer Republik“ im Schloss Kleinniedesheim.
Zu sehen sind Bilder von Repräsentanten der Zeit zwischen den Weltkriegen wie dem Politiker Gustav Stresemann, dem Boxer Max Schmeling oder dem Schauspieler Heinrich George, dem Vater von Götz George. Einer der Hauptauftraggeber Stumpps war der Dortmunder General-Anzeiger. Am 20. April 1933 druckte dieser auf der ersten Seite zum Geburtstag Adolf Hitlers eine wenig schmeichelhafte Karikatur des Führers ab. Sie brachte Stumpp ein Publikationsverbot und die Verfolgung durch die Nationalsozialisten ein und endete für die Zeitung in der umgehenden Gleichschaltung. Markenzeichen Stumpps, der einen Ruf als besonders schnell arbeitender Zeichner genoss, war die Signatur seiner Arbeiten durch den Porträtierten. Als „rasender Zeichner“ genoss er die Gunst zahlreicher bedeutender Personen aus Politik, Wirtschaft, Sport, Geistesleben und Kunstbetrieb. Sie fand er bei Großereignissen wie Kongressen und Sportwettkämpfen. So soll er in einer nur zehnminütigen Sitzung 1932 nach dem Besuch der Olympischen Spiele in Los Angeles den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Franklin D. Roosevelt porträtiert haben. Durch mehrfaches hartnäckiges Vorsprechen gelang ihm als einzigem Künstler, von Edvard Munch die Erlaubnis für ein Porträt zu erhalten. Emil Stumpp wuchs mit fünf Geschwistern in Worms auf. Er wurde Lehrer, nachdem er nach einem freiwilligen Militärdienst Germanistik, Anglistik, Geschichte und Philosophie in Marburg und Berlin studiert hatte. Bei einem einjährigen Aufenthalt in Skandinavien lernte er seine spätere Frau Hedvig Glas kennen, mit der er fünf Kinder bekam. Nach der Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg zog er mit seiner Familie nach Königsberg. 1924 schied er aus dem Schuldienst aus, um freiberuflich als Maler und Zeichner in Berlin zu arbeiten. Hier spezialisierte er sich auf die lithographische Reproduktion seiner Porträtzeichungen. So wurden seine Bilder bald in zahlreichen Zeitungen abgedruckt. Das Publikationsverbot 1933 traf ihn hart. Finanziell über Wasser halten konnte er sich mit Landschaftszeichnungen und -aquarellen, für die er viel reiste. Als er 1940 wegen der Erkrankung einer Tochter nach Königsberg zurückkehrte, erhielt er keine Ausreiseerlaubnis mehr. Von Wirtsleuten denunziert, starb er mit 55 Jahren an Unterernährung im Gefängnis. Öffnungszeiten Bis 2. September im Schloss Kleinniedesheim. Geöffnet sonntags 13-17 Uhr.