Fußball
Der letzte Strohhalm des Oberligisten Arminia Ludwigshafen
Nach der 3:8-Packung gegen den 1. FC Kaiserslautern II setzten sich Arminias Sportchef Markus Impertro und Trainer Andreas Brill zusammen, um die Situation zu analysieren. Am Ende des Gesprächs stand fest, dass man die Zusammenarbeit beenden werde. Und zwar sofort. „Wir wollen einen neuen Reiz setzen, einen frischen Impuls, der uns vielleicht hilft, dem Abstieg doch noch zu entgehen“, nennt Impertro einen Grund für die Trennung. Die Niederlage gegen einen effektiven FCK, die einer Vorführung glich, war zu viel. Bezeichnend, dass neutrale Besucher den Auftritt des FCA als leblos und extrem zweikampfschwach beschrieben haben.
Die Reißleine gezogen
„Niemand hatte damit gerechnet, dass wir so chancenlos sind“, betont der Sportchef. Die Arminen seien einem unglaublich starken Gegner, der jeden Fehler bestraft habe, nur hinterhergelaufen. Irgendwann habe sich Resignation eingeschlichen und das Team sich aufgegeben. Diese Gemengelage habe dazu geführt, dass der FCA die Reißleine gezogen habe, auch wenn der Zeitpunkt – vorsichtig ausgedrückt – diskussionswürdig ist. Der Vertrag Brills hätte sich bei Klassenverbleib verlängert, bei einem Abstieg wären die Parteien sowieso auseinandergegangen. „Wir wollen jetzt ein Zeichen setzen, mit einer anderen Ansprache und einer veränderten Herangehensweise die nötigen Prozentpunkte an Leistung herauskitzeln, einen Motivationskick auslösen“, verdeutlicht Impertro.
Dem Sportlichen Leiter ist der Schritt sichtbar schwergefallen. „Mir persönlich tut die Trennung leid, und ich habe danach auch nicht gut geschlafen. Ich fühle mich im Moment nicht wohl“, verrät Markus Impertro. Er habe trotz Widerständen aus dem Umfeld und Teilen der Mannschaft, trotz der murrenden Zuschauer auf der Tribüne lange am 38-jährigen Brill festgehalten. „Andi ist ein sehr akribischer Trainer mit großem Fachwissen. Vielleicht fehlt ihm ein Schuss Spontanität. Aber er ist ein junger Coach, der sich entwickeln wird“, erläutert Impertro. Wie viel er von Brill, der als Mensch überragend und unantastbar sei, hält, zeigt folgende Aussage: „Ich würde nie ausschließen, dass er in ein paar Jahren wieder Coach beim FCA wird, weil ich von seinen Qualitäten überzeugt bin.“
Seit Monaten unter Druck
Arminia-Kapitän Nico Pantano sieht es ähnlich. „Ich finde die Entwicklung schade, bin traurig und geschockt. Zu Andi habe ich ein super Verhältnis, das von Offenheit geprägt ist. Er ist ein guter Typ“, sagt der Spielführer, räumt aber ein, dass es unterschiedliche Strömungen im Kader gebe. Die Arminia habe zu wenig Begegnungen gewonnen, zu oft unentschieden gespielt, weshalb man seit Monaten unter Druck stehe. Daraus seien eine Verunsicherung und fehlende Lockerheit in den Partien resultiert. Das 3:8 bezeichnete Pantano als schrecklich: „Wir waren immer einen Schritt zu langsam, phasenweise wie paralysiert. Und wir konnten dem FCK den Spaß nicht nehmen. Wenn die ins Rollen kommen, stoppt sie niemand.“ Jeder trage Schuld an Brills Abgang.
Brill drückt die Daumen
Der Coach wirkt geknickt, wenn er sagt, „dass Markus an mich herangetreten ist und von einem neuen Impuls gesprochen hat, den er setzen will“. Er wisse, dass er die Verantwortung trage und dass das katastrophale Spiel gegen den FCK II, in dem das Team nie Zugriff bekommen habe, letztlich der Auslöser gewesen sei. „Es ist der letzte Strohhalm, mit dem der Mannschaft ein mögliches Alibi genommen wird, aber auch Aktionismus“, betont der 38-Jährige, der ein Jahr als Cotrainer und zwei Saisons als Chefcoach bei der Arminia gearbeitet hat. Er habe die Entscheidung zähneknirschend akzeptiert, drücke dem FCA aber in Worms die Daumen. „Ich glaube an die Qualität, die in der Mannschaft steckt“, erklärt Brill.
Bis zum letzten Spiel in Worms, in dem sich wohl entscheidet, ob die Arminia absteigt oder nicht, sind es noch rund eineinhalb Wochen. „Ich will in den nächsten zwei Tagen einen neuen Trainer präsentieren“, sagt Impertro. Dieser Coach muss das verschüttete Potenzial freilegen, damit es vielleicht doch noch zum Klassenverbleib reicht.
