Ludwigshafen Der Lack ist ab, die Liebe hält

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Tragischer Verlust

Schon mehr als 50 Jahre lang besitzt Karin Treiter ihre heißgeliebte Mecki-Familie. Oder vielmehr: die dezimierte Mecki-Familie. Im Hause Treiter ist es nämlich nicht allzu lange nach dem Erwerb der Kultfiguren zu einem tragischen Zwischenfall gekommen, der Meckis Töchterchen Mucki die Existenz raubte: Pudel Putzi fiel über das Igelmädchen her. „Danach war nicht mehr viel davon übrig“, resümiert Treiter. Putzi – der als Zwergpudel gekauft wurde, dann aber zu einem Königspudel heranwuchs – habe kein spezielles Problem mit Stacheltieren gehabt, sondern sei allgemein extrem zerstörungswütig gewesen. Für die kleine Karin, damals etwa elf Jahre alt, war das vor allem deshalb traumatisch, weil sie eigentlich ganz genau auf ihre Meckis achtete. Die Liebe war so groß, dass gar nicht mit ihnen spielte, sondern sie nur aus der Vitrine holte, um sie anzusehen. Das kann man in ihrem Haus in Süd auch heute noch tun: „Egal wo ich hin zog, die Figuren haben immer einen Ehrenplatz erhalten, an dem man sie gut sehen konnte“, sagt Treiter. Möglicherweise ist die Gesichtshaut der Igel ja deshalb trotz aller Sorgfalt ausgetrocknet und hat sich in Falten gelegt. Für Treiter ist das aber kein Problem: „Denen geht es eben wie uns Menschen. Sie werden alt und kriegen Falten.“ Treiter könnte die Meckis niemals weggeben, weil sie schöne Kindheitserinnerungen wecken. Vor allem an ihren Vater, der sie ihr einst zum Geschenk machte. Im Hobbykeller einquartiert Die Antwort auf die Frage „Gibt es das noch?“ fällt bei Roswitha Brunner aus Oggersheim klar aus: „Ja, das gibt es noch! Bei uns, und zwar schon über 50 Jahre.“ Brunner selbst hatte mit Meckis nicht viel am Hut und kannte die auch gar nicht – bis sie ihren Ehemann traf. Der hatte in seiner Kindheit zwei der stacheligen Kultfiguren geschenkt bekommen und ließ sie ganz ungestört im Bücherregal in seinem Jugendzimmer stehen. Als die Brunners ihr Haus im Jahre 1994 umbauten, rettete Roswitha die Igel – es handelt sich um Meckis Kinder Macki und Mucki – vor der Entrümpelung, indem sie sie in ihren Hobbykeller brachte. „Da stehen alle Dinge, die mir lieb sind“, erklärt sie. Die Steiff-Tiere haben ein lauschiges Plätzchen auf einem Regal gefunden, und Roswitha Brunner freut sich bei ihrem Anblick jedes Mal über das fröhliche und nette Aussehen der spektakulär gut erhaltenen Figuren. Treuer Studienfreund Dem Mecki von Jutta Merkle sieht man das Alter ein wenig an. Wie bei einigen anderen Steiff-Igeln ist die Haut mit der Zeit rissig geworden, und vor allem die Nase hat gelitten. Das ändert aber nichts an der Lebhaftigkeit der Erinnerungen, die Merkle mit dem Kerlchen verknüpft: „März 1963. Schnee, Kälte, mündliche Abiturprüfung“, schreibt sie. „15 Schüler bestanden das Abitur. Zu Hause überraschte mich meine Mutter mit diesem Mecki und einer Schallplatte – Querschnitt der Oper Don Giovanni.“ Ein Mecki für eine 20-jährige Schulabgängerin? Oh ja! „Ich war schon immer sehr tierlieb“, berichtet Merkle. Bei ihr zu Hause habe es stets Tiere gegeben. Lebendige, versteht sich. Mit der Mecki-Figur machte die Mutter ihr eine große Freude. Deshalb durfte der Igel Merkle auch begleiten, als sie zum Studium nach München zog. Fachrichtung? Tiermedizin. Eine Wahl, die 74-Jährige aus dem Stadtteil Süd bis heute nicht bereut. Sie nahm ihren Steiff-Igel auch mit, als sie 1969 der Arbeit wegen nach Ludwigshafen kam. Allerdings musste er da in eine Kiste ziehen. Ein kurzes Gastspiel im Freien gab er später noch mal. Für Merkles Sohn. „Der hat ihn aber nicht so behandelt, wie ich mir das vorstellte“, erzählt sie. Also landete der Igel wieder in der Kiste. Erst am 11. Januar dieses Jahres hat er sich wieder ans Tageslicht getraut. Für ein Beweisfoto. Übrigens: Die Don-Giovanni-Schallplatte und den passenden Plattenspieler gibt es auch noch. „Erinnerungsstücke schmeißt man nicht weg“, findet Merkle. Den Nachwuchs daheim Keinen Mecki, dafür aber die Geschwister Macki und Mucki beherbergt Christel Osmetz in ihrem Haus in Mundenheim. Treue Fans wissen, dass Macki der Sohn und Mucki die Tochter von Mecki und seiner Frau Micki ist. Die Igelkinder begleiten Osmetz seit rund 60 Jahren durchs Leben und sind mit ihr zusammen vom Bodensee in die Pfalz gekommen. „Als ich etwa 14 war, hat sich dieser Herzenswunsch für mich erfüllt“, berichtet die 76-Jährige. Nicht etwa die Eltern, sondern ein Untermieter habe ihr die Steiff-Tiere geschenkt. Trotz der riesigen Freude haben sie die beiden von Anfang an nur als Deko genutzt: „Gespielt habe ich mit denen nicht. Ich habe sie nur angeschaut. Wahrscheinlich sehen sie deshalb noch so gut aus.“ Heute stehen die Igelkinder auf einer Schreibmaschine aus dem Jahr 1955 – und zwar in einer Schatzkammer. Gemeint ist damit ein Raum, in dem Osmetz jede Menge alte Dinge hortet, die sie an ihre Kindheit und Jugend erinnern. Einen Setzkasten zum Beispiel. Eine Puppenstube. Und eben die Schreibmaschine sowie die beiden Stacheltiere, die ihre Arme freudig in die Höhe recken. Ein Zoo für zu Hause Beim Foto von Christa Kögel aus Oppau muss man schon etwas genauer hinschauen, um die Mecki-Figur zu entdecken. Der kleine Igel steht in einem wahren Zoo aus Steiff-Figuren, die einst ihren Söhnen Matthias und Stefan gehörten. „Zu Geburtstagen, zu Weihnachten – es gab ja viele Anlässe, zu denen man ihnen so ein Plüschtier schenken konnte“, berichtet Kögel. Und die beiden Jungen fanden das super, sie haben die Tiere gesammelt. Mecki ist allerdings nicht ihr Liebling gewesen. Sie haben, ganz klassisch, die Bären bevorzugt. Besonders eng war die Bindung zwischen dem älteren Sohn, Matthias, und seinem Brummbären. Als der Junge mit acht Jahren in die Erholung an die Ostsee fuhr, vergaß er den treuen Freund und das Drama war groß. Der Bär musste hinterher geschickt werden. Dabei kam es zu einem kleinen Zwischenfall in der Poststelle. „Der Beamte hat sich erschreckt, als aus dem Paket plötzlich ein Brummgeräusch zu hören war“, sagt Kögel. Sie erklärte ihm alles, und es wurde ein entsprechender Vermerk auf das Paket gemacht. Die Söhne von Christa Kögel verstarben leider viel zu früh, deshalb sind die Tiere alle bei ihr geblieben. „Ich kann mich daran auch erfreuen“, meint die 76-Jährige. „Ich habe sie schon immer gemocht. Sie spielt sogar mit dem Gedanken, die Sammlung vielleicht irgendwann noch zu erweitern. Ein Mecki kommt aber sicher nicht dazu, denn die werden ja nicht mehr hergestellt. Meckis kleiner Kollege Aus dem an Meckis so reichen Stadtteil Süd haben uns auch zwei Fotos von Erika Dewald erreicht: Sie zeigen ein kleines Steiff-Bärchen und einen Esel. Ersteres bekam Dewalds Sohn von der Großmutter geschenkt – und zwar zu seiner Geburt. Der Plüschgeselle begleitete seinen Besitzer durch Kindheit und Jugend. Im April wird er 45 Jahre alt und hat Dewalds Haushalt nie verlassen. Der Sohn ließ den Bären nämlich zurück, als er auszog, weil er ihn bei seiner Mutter in größerer Sicherheit wähnte. Vielleicht hat er damit auch recht: Bei Erika Dewald sitzt der Bär auf einem Ehrenplatz in der Wohnzimmervitrine. Zusammen mit einem Sarotti-Mohr, einer Puppe und dem Esel Mufti. Allen, die für nichts als das tierische Wahrzeichen der Hörzu Augen und Ohren hatten, sei an dieser Stelle verraten: Mufti war das Gegenstück zu Mecki aus der Zeitschrift Bild und Funk. In ihr hat Dewald das Grautier zum ersten Mal erblickt. „Es gab da so kurze Bildergeschichten, in denen er mitgespielt hat“, berichtet sie. Die gefielen der kleinen Erika so gut, dass sie sich einen eigenen Esel wünschte. Etwa neun Jahre alt war sie, als die Eltern ihr den Wunsch erfüllten. Nach anfänglicher Begeisterung landete das Tierchen aber schnell in einer Vitrine. „Das war damals wie heute“, meint Dewald. „Wenn Kinder erst mal etwas haben, wird es schnell uninteressant.“ So ganz uninteressant dann aber doch wieder nicht. Schließlich hat sie Mufti bis heute behalten.

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