Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Der Grenzüberschreiter: Der Fußgönheimer Künstler Günther Berlejung wird heute 70

Feiert heute seinen 70. Geburtstag: der in Ludwigshafen geborene und in Fußgönheim lebende Künstler Günther Berlejung.
Feiert heute seinen 70. Geburtstag: der in Ludwigshafen geborene und in Fußgönheim lebende Künstler Günther Berlejung. Foto: KUNZ

Sieben Jahre alt war Günther Berlejung, als er sein erstes Bild verkauft hat – an seinen Großvater. Heute, am letzten Tag des Jahres 2019, wird er 70 und lässt sich bei der Arbeit in seinem Fußgönheimer Atelier gerne von seinem dreijährigen Enkel besuchen, der selbst schon eigene Werke geschaffen hat. Das Leben ist ein einziger Kreislauf. Und auf Günther Berlejungs Kunst trifft das auch zu.

Günther Berlejung muss ein geduldiger Mensch sein. Auf einem großen Tisch im Garten vor seinem Atelier liegt schon das Material für nächste Arbeiten. Aber benutzen kann er es nicht, noch lange nicht. „Diese Hölzer müssen jetzt drei Jahre trocknen“, erzählt er. „Mir ist es wichtig, nur Hölzer zu benutzen, die schon gebraucht sind.“ Aus Gründen der vielzitierten Nachhaltigkeit, klar. Aber nicht nur. „Sie erzählen eine eigene Geschichte. Sie haben eine Ausstrahlung.“ Holz, Leder, Blei – bei der Auswahl der Materialen für seine Plastiken gibt es kaum eine Grenze. Nur Plastik verwendet Berlejung nicht. Das hat diese Ausstrahlung nicht.

In Ludwigshafen zur Welt gekommen

Das Atelier ist ein kleiner Anbau an ein großes Wohnhaus in Fußgönheim, in dem Berlejung und seine Frau leben sowie eine der beiden Töchter mit ihrer Familie. Es ist das Elternhaus seiner Frau und Günther Berlejungs Zuhause seit langer, langer Zeit. Ateliers hatte er in verschiedenen Orten. Auch in Ludwigshafen, wo er heute vor 70 Jahren zur Welt gekommen ist, am Silvestertag 1949.

Im Hemshof der Nachkriegszeit ist Berlejung aufgewachsen, das damals ein richtiges Arbeiterviertel war. Neben dem Wohnhaus der Familie stand ein abgebranntes und zerbombtes Haus, das den kleinen Günther zum Klettern einlud und zum Zeichnen. Die pure Idylle war es nicht. Er erinnert sich noch gut an den verletzenden Blick seines Grundschullehrers, der den Eltern dringend davon abriet, das Arbeiterkind aufs Gymnasium zu schicken. Er schaffte es trotzdem, machte 1968 Abitur auf dem Max-Planck-Gymnasium und pflegte ziemlich bildungsbürgerliche Hobbys. Er spielte Querflöte und Saxophon, war Mitglied des Schulorchesters. Als er in Worms und Mainz Kunst und Mathematik studierte, machte er nebenbei immer noch viel Musik und Sport: Basketball und Volleyball.

Als Grundschullehrer in den Westerwald

Kurze Zeit sah es so aus, als würde Berlejung eine normale Lehrerlaufbahn einschlagen. Das Ministerium schickte ihn erst einmal an eine Grundschule im Westerwald. Schon nach einem Jahr allerdings bekam er 1971 einen Lehrauftrag an der Erziehungswissenschaftlichen Hochschule in Worms. Nach fünf Jahren wurde er zur Hälfte an die Universität Landau abgeordnet und pendelte fortan von Fußgönheim aus mehr oder weniger zwei Tage in der Woche Richtung Norden und drei Tage in der Woche Richtung Süden. In Worms lehrte er Film und Fotografie, in Landau Druckgraphik und Film. 20 Jahre lang, bis er schließlich komplett nach Landau wechselte und Akademischer Direktor wurde, zuständig auch für Malerei und Zeichnung. Bis 2017 war er im Dienst, er wollte unbedingt zwei Jahre länger bleiben als vorgesehen. „Der Austausch mit Studierenden hat mich immer lebendig gehalten“, sagt er. Und er freut sich zu beobachten, wie manche sich selbst als freischaffende Künstler etabliert haben.

Er selbst hat neben der Hochschularbeit immer Kunst geschaffen. Wenn ihm nachts eine Idee kam, ist er aufgestanden und hat eine Skizze oder Zeichnung angefertigt. „Man muss sich eben seine Zeit einteilen und organisieren“, sagt er. Organisieren, das kann er. Und Menschen zusammenbringen. Er hält wenig davon, dass jeder Künstler in seinem Atelier vor sich hinwurschtelt. Kunst, das bedeutet für ihn Austausch und Kommunikation. Miteinander. Seit langer Zeit ist er Vorsitzender der Ludwigshafener Künstlergemeinschaft „Der Anker“, die früher regelmäßig im Wilhelm-Hack-Museum ausstellte. Unter dem Titel „Koorespondenz – Korespondencje“ hat er gerade im Herrenhof Mußbach eine Gemeinschaftsausstellung mit Künstlern aus Polen, der Slowakei und Deutschland kuratiert. Er pflegt Kontakte zu Kollegen in Südtirol, in Irland und vor allem, immer wieder: in Frankreich.

Gute Kontakt in ganz Europa

Seit er mit elf Jahren zum ersten Mal in Paris war und dann auch bald in der Ludwigshafener Partnerstadt Lorient, zieht es ihn immer wieder nach Frankreich, ins Burgund, in die Bretagne. Fast 20 Jahre lang war er ständig in Südfrankreich, um das Haus eines Freundes auszubauen. Im Grand Palais in Paris hat er mehrfach ausgestellt. Seit 1973 war er an unzähligen Ausstellungen beteiligt, ist immer wieder ausgezeichnet worden.

In Günther Berlejungs Gemälden steckt eine ungeheure Spannung drin. Scheinbar Unvereinbares, Gegensätzliches vermag er zusammenzubringen, detaillierte Zeichnungen mit wilder Abstraktion, Konkretes mit Ungefährem. Die Serie „Auch eine Art Mensch“ gehört zu den beeindruckendsten Werken in seinem Atelier. Die Köpfe der Figuren, die friedlich im Raum stehen, hat Berlejung aus alten Gewehrkolben angefertigt. Wieder hat er etwas in einen neuen Zusammenhang gestellt, das eine Geschichte mitbringt. Nur: Diesmal möchte man die Geschichte lieber nicht so genau kennen.

Köpfe aus Gewehrkolben, Porträts so abstrakt wie detailgenau: ein Einblick in Günther Berlejungs Schaffen.
Köpfe aus Gewehrkolben, Porträts so abstrakt wie detailgenau: ein Einblick in Günther Berlejungs Schaffen. Foto: KUNZ
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