Ludwigshafen Der Gemüsegarten

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Landwirtschaft hat in Mutterstadt eine lange Tradition. Die ersten Siedler waren bereits Bauern und betrieben Ackerbau. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse aus Mutterstadt werden heute in die ganze Bundesrepublik ausgeliefert.

Natürlich habe sich im Lauf der Geschichte in der Landwirtschaft einiges geändert, berichtet Landwirt Martin Steig. Der Mutterstadter ist seit zehn Jahren Vorsitzender der Ortsgruppe des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz. Ein Einschnitt in der Geschichte der Landwirtschaft sei der Einzug der Industrialisierung in der Wirtschaft gewesen: „Ab 1890 waren erstmals mehr Menschen in der Industrie oder anderen Berufen tätig als in der Landwirtschaft“, erklärt Steig. Diese Entwicklung spiegele sich auch im Rückgang der Anzahl der Mutterstadter Landwirte wider: 1947 gab es in der Gemeinde 165 Bauern inklusive Nebenerwerbslandwirte. „Die waren damals relativ stark“, weiß Steig, der die Zahlen anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Ortsvereins 1997 zusammengetragen hat. 1980 gab es dagegen nur noch 53 Vollerwerbslandwirte, Nebenerwerbslandwirte waren praktisch nicht mehr vorhanden. Mittlerweile ist die Zahl auf lediglich neun Vollerwerbslandwirte geschrumpft. Viele Landwirte hätten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten aufgehört und andere Berufe ergriffen, berichtet Steig. Auch das Problem der Nachfolge habe sich für viele Landwirte gestellt, die – in Ermangelung eines Nachfolgers – den Betrieb aufgeben mussten, weiß der 53-Jährige. Der Ortsgruppenvorsitzende des Bauern- und Winzerverbandes sieht den Grund dieses Rückgangs allerdings auch in der Struktur der Vorderpfalz: „Wir befinden uns hier im Rhein-Neckar-Dreieck, in dem es ungefähr seit dem Jahr 1900 Arbeitsplätze in der Industrie und Wirtschaft gab – anders als in ländlichen Räumen wie zum Beispiel in der Eifel.“ Ein weiterer wichtiger Impuls für Veränderungen in der Landwirtschaft kam durch das Beregnungssystem und die Gründung des Beregnungsverbandes Vorderpfalz in den 1960er-Jahren. Die Beregnung hatte großen Einfluss auf den Anbau: Während früher vor allem Getreide wie Roggen angebaut wurde, wurde durch die flächendeckende Beregnung auch der Anbau von Gemüse „in allen Facetten“ wie Kopfsalat, Blumenkohl, Kohlrabi, Fenchel, Lauchzwiebeln, Karotten, Radieschen und Sellerie möglich. Durch die Beregnung konnte die vorhandene Ackerfläche komplett genutzt werden, während früher die Bewässerung rund um die vorhandenen Brunnen stattfand. Die Vervielfältigung der Anbaufläche brachte den Landwirten mehr Möglichkeiten. Auch hier hat Martin Steig Zahlen parat, um die Entwicklung zu veranschaulichen: „Die gesamte Gemarkung Mutterstadts beläuft sich auf 2000 Hektar, davon bleiben nach Abzug der Waldfläche und der Ortsbebauung noch etwa 1200 Hektar Anbaufläche.“ Allerdings brachte die Beregnung und Ausweitung der Ackerfläche auch mehr Arbeit mit sich. Doch das Problem konnte gelöst werden: „Ab den 1980er-Jahren wurden Saisonkräfte in der Landwirtschaft beschäftigt“, berichtet Steig von einer weiteren Entwicklung. In den 1950er-Jahren wurde in der Vorderpfalz der Anbau der Frühkartoffel für die hiesigen Landwirte attraktiv. Sie hatten den klimatischen Vorteil ihrer Region gegenüber anderen Landstrichen in Deutschland erkannt: „Wir können die Frühkartoffel 14 Tage bis drei Wochen früher ernten“, betont er. Doch lohnt sich ein landwirtschaftlicher Betrieb bei den niedrigen Preisen von Lebensmitteln und Gemüse? Diese Frage kann Steig bejahen: „Ich bin gerne Landwirt, und es ernährt meine Familie.“ Er gibt allerdings zu bedenken, dass die Rentabilität in der Landwirtschaft stark von der Witterung abhängig ist. „Die Intensität der Bebauung ist gegenüber früher gestiegen“, weiß Steig. „Um 1900 hat ein Landwirt vier Personen versorgt, heute sind es 160 Leute“, zeigt Steig auf, dass heute weniger Landwirte mehr zur Grundversorgung beitragen. Beeindruckende Zahlen kann er auch für die Entwicklung der Preise vorlegen: „1950 wurden 50 Prozent des Nettolohns für Lebensmittel ausgegeben. Heute sind es nur noch elf Prozent.“ Das sei nur über die Leistungssteigerung in der Landwirtschaft, mitgetragen durch die technische Revolution, möglich. „Dass es günstige Produkte zu jeder Jahreszeit gibt, hat auch Schattenseiten“, gibt er zu bedenken. Seiner Meinung nach sei die Wertschätzung für Nahrungsmittel gesunken, dabei sei der Anbau nach wie vor mit viel Arbeit verbunden: „Das hat sich nicht geändert.“ |mmö

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