Ludwigshafener Geschichte(n) RHEINPFALZ Plus Artikel Der gar nicht so gemütliche Vater Rhein

Hochwasser bei Altrip 1999.
Hochwasser bei Altrip 1999.

Der sonst mächtige „deutsche Strom“ war in diesem heißen Sommer mitunter nur ein Rinnsal und bereitete der Schifffahrt Sorgen. Doch der eigentlich gemütliche „Vater Rhein“ hat in der Kurpfalz auch seine naturgewaltige Seite gezeigt – und Menschenleben gefordert.

Es gibt zwar keine Zeitzeugen mehr von der zerstörerischen „Wassernot“ der Jahre 1882/83. Aber uralte Fotografien von Anfang Januar 1883 geben Zeugnis von einem Hochwasser-Ereignis, wie es seitdem nie wieder in Ludwigshafen und Frankenthal registriert werden musste: In der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 1882 brach bei Oppau der Rheindamm – mit verheerenden Folgen für die Oppauer, aber auch für Edigheim, Friesenheim, Mörsch und Roxheim.

Als nach einigen Wochen notdürftig aufgeräumt war, zogen die Behörden Bilanz. Allein in Friesenheim waren 105 Wohnungen vom Wasser völlig zerstört, 199 weitere wegen der Wassermassen zum größten Teil nicht mehr nutzbar. Auch mehr als 200 Nebengebäude waren ganz oder teilweise ein Opfer der verheerenden Fluten geworden. Den Schaden allein in Friesenheim bezifferten die Behörden damals auf 328.470 Mark – ohne den Mobiliarschaden. Das wären nach heutigem Wert mehr als sieben Millionen Euro.

Wasserwacht schaut hilflos zu

Die Wasser-Katastrophe 1882 kam völlig unerwartet, denn noch am 22. Dezember war das zunächst noch zu bändigende Hochwasser am Ludwigshafener Pegel auf 4,92 Meter gefallen. Doch um Weihnachten brachte ein „mit plötzlicher Wucht“ über die Alpen hereinbrechender Föhn dort die Schneemassen in kürzester Zeit zum Schmelzen – der Pegel bei Ludwigshafen stieg innerhalb von fünf Tagen um 4,50 Meter auf 9,32 Meter an. Tag und Nacht war in den Rheinorten eine „Wasserwacht“ unterwegs, um den Rheindamm zu beobachten und ein Eindringen von Wasser zu verhindern.

Doch der Damm war seit Tagen durchweicht – den konstant anschwellenden Wassermassen konnte er auf Dauer nicht standhalten. Die befürchtete Katastrophe trat in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 1882 ein: Etwa 300 Meter unterhalb der Oppauer Rheinfähre brach der Damm – die mächtigen Fluten stürzten sich mit solcher Schnelligkeit in das Hinterland, dass sich die Deichwache nur mit Mühe retten konnte. Innerhalb weniger Minuten hatte das Wasser Oppau, Edigheim und Friesenheim in seiner Gewalt – die Sturmglocken läuteten.

„Große Wassernot“ verkündet

Der „Ludwigshafener Anzeiger“ berichtete am 30. Dezember 1882: „Heute Morgen halb 3 Uhr tönte hier zum ersten Mal die Sturmglocke, um mit schrillen Tönen große Wassernot zu verkünden.“ Das Königliche Bezirksamt Frankenthal teilte dem Oppauer Bürgermeister per Depesche mit, dass zwischen Oppau und Frankenthal „ein bedeutender Dammbruch“ stattgefunden habe.

Die im Hafen liegenden Schiffer wurden aufgefordert, mit Nachen – also kompakten, kleinen Fischerkähnen – den bedrohten Oppauern und Friesenheimern zu helfen. Am Vormittag trafen aus Speyer 30 Pioniere mit zwölf Nachen ein, um Hilfe zu bringen. Für drei Friesenheimer kam das zu spät: Sie ertranken in den Fluten.

Hilfe aus Bayern

Die bayerische Regierung im fernen München reagierte. König Ludwig II. entsandte Staatsminister Maximilian Alexander von Feilitsch in die Pfalz, um die Soforthilfe zu organisieren. Ein Zentralkomitee unter Leitung von Regierungspräsident Paul von Braun organisierte Naturalien und Kleidungsstücke als Nothilfe. Später flossen auch etwa 2,5 Millionen Euro Bargeld, um den Wiederaufbau der zum Teil völlig zerstörten Gemeinden zu unterstützen. Und um den Haupt-Rheindamm wieder herzustellen.

Das geschieht auch noch heute: 2010 haben sich Ludwigshafen und Frankenthal, der Rhein-Pfalz-Kreis, die Gemeinde Bobenheim-Roxheim, der Gewässer-Zweckverband Isenach-Eckbach und die BASF zur Hochwasser-Patenschaft „Nördliche Vorderpfalz“ zusammengeschlossen, um sich gegen solche „Wassernot-Katastrophen“ zu wappnen.

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