Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Der begabte Stadtplaner: Aufstieg von Ludwig Landmann zum Frankfurter Oberbürgermeister

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Verarmt und unterernährt starb Ludwig Landmann verfolgt von den Nationalsozialisten in einem Versteck in den Niederlanden: Doch der jüdische Kommunalpolitiker, dessen Wurzeln bis nach Schifferstadt reichen, gehörte in der Weimarer Zeit zu den prägenden Akteuren der Stadt Frankfurt. Daran erinnert der Journalist Wilhelm von Sternburg bei einer Lesung in Schifferstadt.

Wie der historische Zufall so spielt, finden sich die Wurzeln des früheren Frankfurter Oberbürgermeisters Ludwig Landmann in Schifferstadt, wo seine Eltern einen Tabakhandel betrieben, bevor sie kurz vor seiner Geburt nach Mannheim übersiedelten. Wie passend, dass der Journalist Wilhelm von Sternburg, der 2015 mit dem Ernst-Johann-Literaturpreis der Stadt Schifferstadt ausgezeichnet worden ist, sich in seiner neuesten Veröffentlichung dieser Biographie angenommen hat und nun nach Schifferstadt eingeladen worden ist.

Aus aktuellem Anlass schickte Wilhelm von Sternburg seiner Lesung noch einige Worte voraus, denn wenige Stunden zuvor war in Thüringen Thomas Kemmerich als Ministerpräsident mit Unterstützung der AfD gewählt worden – auch wenn er am Tag darauf das Amt wieder niederlegte wegen des Makels der AfD. Also der Partei, die den Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ verharmlost, obwohl diese NS-Herrschaft die Karriere des jüdischen Kommunalpolitikers Ludwig Landmann mit Gewalt beendete und ihn ins Versteck in die Niederlande trieb, wo er 1945 verarmt und unterernährt verstarb. Und das, obwohl Landmanns Bekannheitsgrad in der Weimarer Republik mit dem Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer vergleichbar war.

Beste Kontakte in höchste Etagen

Landmanns Gabe lag darin, als Städteplaner und Förderer der Wirtschaft immer wieder Koalitionen zu finden, die ihm erlaubten, seine Projekte durchzusetzen. So war er maßgeblich verantwortlich, die Frankfurter Messe wiederzubeleben. In seine Amtszeit fällt auch die Eröffnung des Frankfurter Waldstadions und der Aufbau moderner Arbeitersiedlungen im Frankfurter Umland, das durch den „Rhein-Mainischer Städtekranz“ zu einem Wirtschaftsraum verbunden wurde. Landmann ging dabei oftmals sehr pragmatisch vor und konnte in vielen Projekten auf die Unterstützung der Sozialdemokraten zählen. Bemerkenswert besonders, da Landmann selbst der liberalen DDP entstammte und beste Kontakte in die höchsten Etagen der Frankfurter Wirtschaft pflegte.

Mietwohnung mit Dackel und Papagei

Als zurückhaltender und höflicher Mensch beschrieben, der wenig Wert auf Selbstdarstellung legte, wurde Landmann von Zeitgenossen beschrieben, wobei von Sternburg die dünne Quellenlage dazu bedauerte. Weite Dienstreisen vermied Landmann, Tagebuch oder persönliche Aufzeichnungen sind bis auf wenige Briefe nicht vorhanden und anstelle einer Stadtvilla bezog er mit Frau, Papagei und Dackel eine Mietwohnung, wo er nur selten private Gäste empfing. In der Biographie formt sich das Bild eines klugen, pragmatischen, von bürgerlichen Tugenden beseelten Technikers, der wenig von sich preisgibt, und andere Menschen nicht sehr nah an sich heranlässt.

Dennoch ist aus den spärlichen Quellen zu erkennen, wie schwer Landmann von der Vertreibung durch die Nazis getroffen wurde, und wie bitter es für ihn war, von Weggefährten verleugnet worden zu sein. Es dauerte lange, bis man sich in der Nachkriegszeit in Frankfurt wieder an ihn erinnern wollte. Eine Straße trägt seinen Namen, und seit 1987 ist er in einem Ehrengrab auf dem Frankfurter Friedhof beigesetzt.

Im letzten Teil der Lesung kamen die Schifferstadter Wurzeln zur Sprache, denn sein Vater Moritz Landmann entstammte einer Schifferstadter Familie. Während der napoleonischen Besatzung nahm die Familie Isack den Namen Landmann an und erst durch die Gewerbefreiheit in Baden gingen Moritz Landmann mit seiner Familie in die badische Residenzstadt, wo Sohn Ludwig 1868 zur Welt kam und sich in der Mannheimer Stadtverwaltung seine ersten Sporen verdiente. Eine Biographie, die die Beschäftigung lohnt, gerade in Tagen an denen „alternative Wahrheiten“ und rechtsnationalistische „Vogelschiss-Parteien“ gegen die Vernunft agitieren.

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