Ludwigshafen Denken ohne Vorurteile

Nicht standesgemäß: Eine von vier Hochzeiten, über die Monsieur Claude alles andere als erfreut ist.
Nicht standesgemäß: Eine von vier Hochzeiten, über die Monsieur Claude alles andere als erfreut ist.

Das A.gon Theater München schafft es, den Witz und die Tiefgründigkeit des Filmhits „Monsieur Claude und seine Töchter“ auf die Bühne zu bringen. Das ist vor allem dem wunderbar harmonisch agierenden Ensemble zu verdanken, das beim Gastspiel im Ludwigshafener Pfalzbau die Besucher begeistert hat.

2014 mauserte sich die gleichnamige französische Komödie zum absoluten Hit an den Kinokassen. Der Wandel vom erzkonservativen Gaullisten zum toleranten Familienoberhaupt, den Titelheld Claude vollzieht, ist auch auf der Theaterbühne ein abenteuerlicher Ritt, bei dem keine Vorurteile außen vor gelassen werden. Bevor das Stück Fahrt aufnimmt, gilt es erst einmal die Charaktere einzuführen. So dürfen die Zuschauer zunächst drei Hochzeiten miterleben, die alle eins gemeinsam haben: Claude ist ganz und gar nicht begeistert von den Auserwählten seiner drei Töchter, weshalb er sich auch stets abseits der Feiergesellschaft aufhält. Er und seine Frau Marie wünschen sich einen standesgemäßen französischen und katholischen Schwiegersohn. Stattdessen dürfen sie einen Juden, einen Moslem und einen Chinesen in der Familie begrüßen. Ihre letzte Hoffnung ruht daher auf der jüngsten Tochter Laura, die ihren Eltern gerne den Wunsch nach einem katholischen Schwiegersohn erfüllt. Allerdings hat auch ihr Auserwählter ein kleines Manko: Er stammt aus Afrika. In Zeiten, in denen Vorurteile wieder allgegenwärtig zu sein scheinen, ist es recht erfrischend zu sehen, wie sich diese mit Hilfe von Komik scheinbar mühelos beiseitewischen lassen. Die Bearbeitung von Stefan Zimmermann zeigt eindrucksvoll, wie Vorurteile das Denken bestimmen. Wenn über die stets lächelnden und Hunde essenden Chinesen, die aggressiven und kriminellen Araber-Machos, die machthungrigen und verstockten Juden oder die triebhaften und unzivilisierten Schwarzen gesprochen wird, fühlt man sich als Zuschauer fast schon ertappt, weil einem ein solches Schubladendenken nicht fremd ist. Dabei zeigt sich im Laufe des Stücks, dass es so einfach sein kann, wenn man diese Schubladen einmal außen vor lässt und den Menschen einfach als Menschen wahrnimmt. Beim gemeinsamen Angeln entdecken Claude und der Vater von Charles, dem Zukünftigen von Laura, eine Gemeinsamkeit: Sie sind beide gegen die Hochzeit! Diese Gegnerschaft schweißt die unterschiedlichen Männer so zusammen, dass sie betrunken in der Ausnüchterungszelle landen. Nicht nur beim gemeinsamen Plaudern am See brillieren Ralf Novak als engstirniger Claude und Félix Karma als traditionsbewusster Afrikaner André Koffi. Gerade die Wutausbrüche des Letzteren in seiner Landessprache sorgten für laute Lacher im Publikum. Ebenso trug die Szene, in denen die vier Schwiegersöhne Claude und seinen neuen Kumpel André aus dem Gefängnis holen, zur Erheiterung bei. Das 13-köpfige Ensemble agierte harmonisch und schwungvoll und setzte gekonnt Akzente. Das Bühnenbild aus weißen Würfeln und Rechtecken war wunderbar wandelbar und zauberte gemeinsam mit den Videoprojektionen im Hintergrund ein stimmungsvolles Ambiente.

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