Ludwigshafen Denkanstöße mit Diskokugel
Aus Chaos entsteht ein Raum. Zu den Rhythmen von „Won’t get fooled again“ entstapeln Steve Valk und seine Studenten Stühle, die sich um eine Diskokugel türmen. Der Performance-Künstler ersingt und ertanzt sich mit dem „The Who“-Song das „Hausboot“. Blumenteppich und Sitzkissen – das Studenten-WG-Feeling der 60er und 70er. Die Gäste sind angekommen, wo die „Stunde der Studierenden“ hin wollte. „Nicht nur über Studenten reden, sondern mit ihnen“, sagt Moderator Steffen Gierescher. Der Leiter der Ludwigshafener RHEINPFALZ-Lokalredaktion möchte „eine Debatte anstoßen und zum Nachdenken anregen“. Darüber, welchen Stellenwert Studenten in Ludwigshafen haben, was ihnen hier fehlt, aber auch, was gut ist und motiviert. Die Anbindung mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadtteile sei „eine Vollkatastrophe“, bilanziert ein 28-jähriger Oggersheimer. Verkehr, Anbindung – schnell kommt das Thema Posttunnel aufs Tapet. Seit Jahren wünschen sich die Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft, dass die Verbindung zum Hauptbahnhof geöffnet wird. Baudezernent Klaus Dillinger (CDU) wird später antworten: „Das Eigentum liegt bei der Deutschen Bahn. Wir sind dran.“ Doch für ihn seien auch bessere stadtinterne Verbindungen wichtig. Sieht Oliver Netzel (23) genauso. Der Student der Sozialen Arbeit ist froh, am Standort Maxstraße zu sein. An den Campus in der Ernst-Boehe-Straße habe er „zum Glück“ nur zweimal gemusst, und sei „am ersten Tag gleich mal zu spät gekommen, weil die Busse zu voll waren“. Er würde gerne weitere Teile der Hochschule in der Innenstadt sehen – etwa den im vergangenen Jahr diskutierten City-Campus, dem das Land die Rote Karte zeigte. „Wir haben das Thema nicht aufgegeben“, sagte Mathias Berkel von der IHK-Tischrunde. Es sei weiterhin Ziel, Bildung, Wohnen und Gastronomie in die Stadt zu verlagern. Student Netzel ist trotz aller Kritik (Rasenfläche statt „Metropol“ am Berliner Platz) nach Ludwigshafen gezogen und geht dort auch aus: „supergerne in den ,Irish’ oder ins Hemingways“. Man sollte den Mut haben, „Chancen und Potenziale der Stadt zu erkennen“, sagt er. Eine 20-Jährige lebt im Hemshof und sieht’s pragmatisch: „Irgendwann fühlt man sich dort schon wohl.“ Immerhin gebe es dort alles: einen Supermarkt, ein Fitnessstudio, frisches Gemüse in den Läden. „Ich komme aus Speyer“, sagt die Frau. „Da wird schlecht über Ludwigshafen erzählt.“ Kaum einer von außerhalb wisse, „dass es uns hier gibt“. Junge, gebildete, motivierte Menschen als Chance für Ludwigshafen. Bei vielen rattert’s im Kopf. Die Worte der Studenten machen nachdenklich. Wurde da etwas versäumt? Man merke, „dass man ein kleiner Teil einer jahrzehntelangen Fehlentwicklung war“, räumt Dezernent Dillinger ein und redet von einem „hohen Gut, das wir hier haben“. Spontan gibt’s Versprechen. Kulturbüroleiter Fabian Burstein schlägt vor, dass Erstsemester künftig einmal kostenlos ins „Haus“ und ins Wilhelm-Hack-Museum kommen. Berkel sagt spontan zu, dass die IHK-Tischrunde das sponsort. Sich für eine Serviceeinheit des Studierendenwerks in Ludwigshafen einzusetzen, verspricht dessen Geschäftsführer Andreas Schülke. Der Marketingverein möchte die Erstsemesterparty nach Ludwigshafen holen, wie Geschäftsführer Michael Cordier später verrät. Und Hochschulpräsident Peter Mudra verspricht, mit dem einen oder anderen unzufriedenen Studenten noch bei einem kühlen Getränk zu plaudern. Tatsächlich sieht man ihn später am Fenster sitzen, ins Gespräch vertieft. Da sind die Stühle längst wieder zu einem Berg rund um die Diskokugel geworden. Einwurf Neue Serie In einer neuen RHEINPFALZ-Serie werden wir ab dem 1. Februar regelmäßig Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft vorstellen.