Mannheim
Demokratie-Workshop: Schüler stärken ihre Medienkompetenz
Die digitalen Welten nehmen eine immer größere Rolle im Alltag vieler Menschen ein. Die gesellschaftlichen und politischen Themen werden vielfältiger und komplexer. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene informieren sich hauptsächlich im Internet. Je nach Quelle besteht die Gefahr, dass eine kritische Betrachtung zu kurz kommen kann. Deswegen ist die Förderung von Demokratie- und Medienkompetenzen von entscheidender Bedeutung. Genau dafür hat die medienpädagogische Einrichtung Medien und Bildung RLP aus Ludwigshafen das Konzept des „Democracy Gyms“ entwickelt.
Die Idee dahinter ist einfach, aber wirkungsvoll: „Wenn man Demokratie als Muskel betrachtet, der regelmäßig trainiert werden muss, dann liegt es nahe, ein Fitnessstudio als Metapher zu verwenden, um junge Menschen anzusprechen und sie in ihrem Verständnis für Demokratie zu stärken“, heißt es in der Projektbeschreibung von Medien und Bildung RLP. Genau das versuchen die Medienpädagogen Mario Di Carlo, Christine Zinn-Schätz und Katja Mayer mit ihren schulischen und außerschulischen Workshops umzusetzen. Wie in der Integrierten Gesamtschule Herzogenried im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt West.
Zitate zur Demokratie
Für 15 Schülerinnen und Schüler der achten bis zwölften Klassen stehen an diesem Tag keine normalen Fächer auf dem Plan, sondern das „Democracy Gym“. Der Workshop findet anlässlich des Europatags am 9. Mai statt. Das „Training“ beginnt mit einem „Warm Up“, einem Spaziergang im Schulkorridor. Dort haben die Schüler Zitate zur Demokratie aufgehängt, die sie mit ihrer Lehrerin Stefanie Ansorge ausgesucht hatten. Etwa das von der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): „Demokratie ist nicht einfach da, sondern wir müssen immer wieder für sie miteinander arbeiten, jeden Tag.“ Von der verstorbenen FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Bücher stammt folgender Satz: „Durch Ruhe und Ordnung kann die Demokratie ebenso gefährdet werden wie durch Unruhe und Unordnung.“
Danach geht es ins Schulcafé, das für den Workshop zum „Fitnessstudio“ umgebaut wurde. In fünf Trainingsbereichen soll den Jugendlichen auf spielerische Art und Weise verdeutlicht werden, wie Demokratie und demokratische Prozesse mit ihrem eigenen Leben zusammenhängen. An den Stationen gibt es Aufgaben für Gruppen- oder Partnerarbeit, die mithilfe digitaler Endgeräte gelöst werden können. So haben die Jugendlichen die Möglichkeit, das erworbene Wissen gleich zu erproben.
Politische Fragen
Eine Gruppe hat beispielsweise die Aufgabe, die Hintergründe zu bestimmten Hashtags zu recherchieren und deren Auswirkungen in den sozialen Medien zu schildern. Zudem sollen sich die Schüler selbst einen Hashtag zu einem Thema ausdenken, das sie beschäftigt. Unter den Vorschlägen ist „#blauistdasneuebraun“. Damit will die Gruppe auf die „unterschätzte Gefahr der AfD“ aufmerksam machen. Ein anderes Team beschäftigt sich mit dem Grundgesetz, das am 23. Mai 75 Jahre alt wird. Aber auch praktische politische Fragen werden in dem Workshop beantwortet. Etwa, wie man eine Demonstration anmeldet. Oder wo und wie man sich politisch engagieren kann.
Die Dozenten Mario Di Carlo und Christine Zinn-Schätz sind zufrieden mit der Beteiligung der Schüler. „Sie haben tolle Medienprodukte erarbeitet und großes Interesse gezeigt“, sagt Di Carlo. Bisher komme das „Democracy Gym“ sehr gut an. „Alle lassen sich super drauf ein.“
Rund 600 Menschen mit unterschiedlichen religiösen und kulturellen Hintergründen haben die Medienpädagogen eigenen Angaben zufolge 2023 mit dem Projekt erreicht. Weitere Workshops in Rheinland-Pfalz und in Mannheim seien geplant. Im laufenden Jahr wird das „Democracy Gym“ vom Familien- und Innenministerium in Mainz sowie vom Mannheimer Aktionsfonds unterstützt. Die Finanzierung für 2025 ist noch ungeklärt.