Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Debakel für die Eulen: Wenn die Eberthölle gefriert ...

Da war noch alles drin: Theo Straub erzielt in dieser Szene das Tor zum 17:20.
Da war noch alles drin: Theo Straub erzielt in dieser Szene das Tor zum 17:20.

Nächster Tiefschlag für Zweitligisten Eulen Ludwigshafen. Gegen den Dessau-Rosslauer HV kommen die Gastgeber mit 26:36 (12:14) unter die Räder. Alte Fragen kehren zurück.

Die Talfahrt beim Handball-Zweitligisten Eulen Ludwigshafen setzt sich fort. Im vierten Spiel der noch jungen Saison musste die Sieben von Cheftrainer Johannes Wohlrab die dritte Niederlage in Folge hinnehmen. Kurios: Erstmals seit vielen Jahren wurden sie wieder von den eigenen Fans ausgebuht. Der starke Auftakt gegen TuSEM Essen ist längst Geschichte, die Realität ist eine andere.

Trostlos, ideenlos und ohne jegliches Selbstvertrauen agierten die Rothemden und ließen sich in den letzten 20 Minuten vom Gegner regelrecht vorführen. Nach dem Abpfiff herrschte Sprachlosigkeit. Einige Spieler blickten auf den Hallenboden. „Ich kann nicht sagen, was passiert ist. Wir hatten kein Selbstvertrauen, in der Abwehr keinen Zugriff und ließen uns in der zweiten Hälfte abschlachten“, brachte es Marc-Robin Eisel auf den Punkt. Ob sie die Taktik oder das Konzept des Trainers nicht verstanden hatten, dazu konnte und wollte Eisel sich nicht äußern.

Schlimme Schlussviertelstunde

Bis zur 44. Minute sah die Welt noch einigermaßen respektabel aus. Die Eulen lagen „nur“ 20:23 zurück, die Wende war möglich. Aber es fehlte jegliches Aufbäumen nach dem frühen Rückstand. Erst rutschte Ziga Urbic der Ball von Jakub Powarzynski durch die Beine, dann scheiterte im nächsten Angriff Tim Schaller (46.) mit einem Siebenmeter. Dessau zog auf 20:26 davon. Die Abwehr der Eulen wirkte löchrig wie ein Schweizer Käse, die Torhüter bekamen bis auf wenige Ausnahmen keine Hand an den Ball. Dazu steigerte sich Philipp Ambrosius im Tor der Gäste und verhinderte weitere Eulentreffer.

Das Angriffsspiel wirkte miserabel, es fehlte ein klares Konzept gegen die funktionierende Abwehrreihe der Dessauer. „Es ist mir unerklärlich, dass wir aufgegeben haben. So etwas dürfen wir uns nicht erlauben. Ich bin sprachlos, wie das heute zustande gekommen ist“, meinte Theo Straub. Der Rechtsaußen traf zwar viermal, aber im Abwehrverbund wirkte der Linkshänder ebenso uneffektiv. Dessau hatte so keine Mühe, in der Schlussphase den Vorsprung auf zehn Tore auszubauen. Es war die bisher schlechteste Halbzeit der Eulen in den vergangenen Jahren.

Neue Diskussionen?

Nach diesem Auftritt dürfte die Diskussion um den Verbleib von Cheftrainer Johannes Wohlrab wieder aufflammen. „Ich kann mich bei den Fans für diesen Auftritt nur entschuldigen. Solch ein Auftritt sollte nicht passieren. Wir müssen jetzt eine Reaktion zeigen. Das geht nur gemeinsam, wenn man in solch einem Loch ist“, sagte Wohlrab, der sichtlich angeschlagen wirkte und den Tränen nahe war.

Dabei verlief der Start in die Partie auch nicht gerade verheißungsvoll. Nach zehn Spielminuten lagen die Eulen erstmals zurück. Diesmal waren es eigene Fehler, die sie aus dem Takt brachten. Vincent Bülow, letzte Saison noch im Diensten des Dessau-Rosslauer HV, unterlief ein Passfehler. Yannick Danneberg „schnappte“ sich den Ball, zog in die gegnerische Hälfte, es folgte der Pass auf Yannick-Marcos Pust, der zur 5:4 Führung (10.) für die Elbstädter traf.

Zweite Halbzeit ein Offenbarungseid

Es kam noch schlimmer. Finn-Lukas Leun unterlief ein Offensivfoul, die Chance ließ sich Danneberg nicht nehmen. Nach dem Ballverlust von Marc-Robin Eisel erhöhte erneut Pust auf 7:4 für die Gäste. Da hatte Eulen-Chefcoach Johannes Wohlrab Gesprächsbedarf. Die Eulen fanden kein Mittel gegen das langsame Offensivspiel der Gäste, die immer wieder nahe am Zeitspiel agierten, aber trotzdem die Lücken zum gegnerischen Tor fanden.

Gänzlich vermisst wurde zumindest in der ersten Hälfte das Tempospiel, ebenso Würfe aus dem Rückraum. Die Ex-Eulen Mex Raguse oder Sebastian Trost wurden diesmal vermisst. Dementsprechend fehlte die Stimmung auf den Rängen. Von einer Eberthölle waren die Eulen gestern erneut meilenweit entfernt. Die zweite Spielhälfte war ein sportlicher Offenbarungseid. Viel Zeit für die Vorbereitung auf die nächste Partie bleibt den Eulen nicht. Schon am kommenden Samstag (18 Uhr) geht es erneut ins Rheinland. Diesmal zum TSV Bayer Dormagen. Dort standen die Pfälzer vor wenigen Wochen nach der Niederlage fast vor dem Abstieg in Liga drei. Die Diskussionen dürften auch diesmal nicht weniger werden.

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