Ludwigshafen „Das reicht bequem für meine Einkäufe“
„Irgendwo in Lu“ sind wir jede Woche in der Stadt unterwegs auf der Suche nach interessanten Gesprächspartnern. Gestern haben wir in der Hohenzollernstraße in Friesenheim Rainer Adam getroffen. Der 74-Jährige aus dem Stadtteil arbeitete bis vor 14 Jahren als Chemielaborant bei der BASF und genoss gerade seine tägliche Auszeit in seiner Stammbäckerei.
Das kommt daher, weil ich schon seit vielen Jahren ein Bayern-Fan und seit 20 Jahren ein Mitglied des FC Bayern München bin. Warum die Bayern? Weil es ein sympathischer Verein ist, der viel für seine Mitglieder tut. Hier in der Region ist das eher ungewöhnlich. Da drückt man doch gewöhnlich den „Roten Teufeln“ aus Kaiserslautern die Daumen. Das stand für mich nie zur Debatte. Das liegt daran, dass ich mit meinem Sohn damals, noch zu Bundesligazeiten des FCK, einmal auf dem Betzenberg war. Mein Sohn hatte es damals mit dem FC St. Pauli und ging ganz stolz mit einer Fahne und einem T-Shirt ins Stadion. Dafür wurde er als Kind von ein paar Alteingesessenen auf das Übelste beleidigt. Ich habe mich selbst dafür geschämt, was diese alten Männer damals alles zu ihm gesagt haben. Für mich war danach klar: einmal und nie wieder Betzenberg. Dafür hatten Sie es als Bayern-Fan wahrscheinlich nicht gerade leicht im Kreis der BASF-Kollegen, oder? Ach, das hielt sich in Grenzen. Natürlich musste ich mir immer mal wieder Sprüche anhören, besonders wenn wir verloren hatten. Aber das kam ja schon damals zum Glück selten vor. Wie aktiv sind Sie als Fan? Früher bin ich häufiger mit meinem Sohn nach München gefahren – auch zu Champions-League-Spielen. Das klappt heute leider nicht mehr, weil ich meine Frau pflege. Aber ich sehe alle Spiele im Fernsehen und bin über den Computer und Bayern-TV praktisch ständig mit München verbunden. Ich hoffe, dass ich dieses Jahr, zum Jubiläum der 20-jährigen Mitgliedschaft, mal wieder eingeladen werde. Was befördern Sie in dem Anhänger, einen Hund? Ich habe keinen Hund. Ich hatte immer Katzen. Den Anhänger habe ich mir gekauft, weil ich meine Einkäufe mit dem Fahrrad erledige, und so ein Anhänger hat immerhin eine Zulassung für 35 Kilogramm Gewicht. Das reicht bequem für meine Einkäufe. Mein Auto habe ich 2008 verkauft, weil es sowieso nur gestanden hat. Mobil bin ich trotzdem. Zum einen mit dem Rad, zum anderen betreibe ich Car-Sharing, wenn ich doch mal ein Auto brauche. In Friesenheim gibt es immerhin zwei Stationen, wo jeweils drei Autos stehen. Wie fährt es sich mit dem Fahrrad in Ludwigshafen? Ach, ich bin in der Hauptsache ja nur in Friesenheim unterwegs, und dabei nutze ich vor allem die Nebenstraßen. In den Hauptstraßen, wie hier auf der Hohenzollernstraße, sind oft zu viele Idioten mit dem Auto unterwegs. Da ist es schade, dass die Polizei nicht häufiger kontrolliert. Aber insgesamt komme ich gut mit dem Fahrrad klar. Und jetzt ist meine Auszeit auch fast schon wieder vorbei. Jetzt hole ich noch nebenan das Mittagessen bei der Metzgerei – da wartet meine Frau schon drauf.