Ludwigshafen
Das Kanzler-Schild – Über ein besonderes Halteverbot
Verkehrsschilder gibt es in vielen Varianten. Und fast alle davon stehen stadtweit in mehrfacher Ausführung. Dem gemeinen Stopp- oder Vorfahrtsschild zum Beispiel begegnet man nahezu täglich. Doch ein aufmerksamer RHEINPFALZ-Leser aus Friesenheim hat bei einem Spaziergang mit Bekannten in Oggersheim ein besonderes Schild entdeckt. Dort ist per Zeichen ein absolutes Halteverbot mit einem klar definierten Anfangs- und Endpunkt markiert. So weit, so normal. Doch unter dem rot-blauen Kreis hängt jeweils – an Anfang und Ende – das Zusatzschild: „Mit Genehmigung der Polizei frei.“ Wenn die Polizei es mir erlaubt, darf ich also dort parken!?
Warum steht das Schild noch?
Wenn man hört, dass die Beschilderung in der Marbacher Straße steht, klingelt’s: Helmut Kohl, Polizeischutz, Sonderwache. Genau! Weil das Wohnhaus des Altkanzlers durch die benachbarte Polizeiwache einst unter ständigem Schutz stand, wurde der Parkraum vor Wohnhaus und Sonderwache freigehalten. Vermutlich durfte er eben nur zu besonderem Zweck und mit Erlaubnis der Polizei genutzt werden. Vielleicht ja für den einen oder anderen hohen Staatsbesuch. Doch unser Leser fragt sich, warum die Schilder immer noch stehen. Schließlich ist Helmut Kohl 2017 verstorben.
Das Polizeipräsidium Rheinpfalz verweist auf Nachfrage an die Stadt. Diese teilt mit, dass es in ganz Ludwigshafen nur an genau einer Stelle dieses Zusatzschild gibt: nämlich in der Marbacher Straße. „Dieser Zusatz an Verkehrsschildern ist in Bereichen angebracht, wo für bestimmte Objekte Polizeischutz besteht“, wird uns bestätigt. Seit wann genau es dort steht, ist bei der Stadt nicht bekannt.
Stadt will sich an die Polizei wenden
Ob es dort nun bleiben soll – etwa als Museumsstück und Erinnerung an eine Zeit, in der ein CDU-Politiker Oggersheim weltweit bekannt machte? Oder ob es einfach noch niemandem aufgefallen ist, dass die Schilder dort noch hängen? Fest steht, dass sich rund um die ehemalige Sonderwache ohnehin gerade einiges tut. Wie berichtet, wird das Grundstück, auf dem das unscheinbare Häuschen steht, derzeit an einen neuen Eigentümer verkauft. Die Wache soll erhalten bleiben und nicht abgerissen werden. Und fest steht, dass Maike Kohl-Richter versucht hatte, Wohnhaus und Wache unter Denkmalschutz zu stellen. Ob das auch die Verkehrsschilder betraf, ist uns nicht bekannt. Jedenfalls scheiterte das Denkmalschutz-Vorhaben ohnehin.
Und nun? Abwarten. Und weiter dieses zweimalig vorhandene einmalige Schild bestaunen, das inzwischen seinen eigentlichen Sinn verloren hat. Von der Stadt heißt es: „Der Bereich Straßenverkehr wird die Polizei anschreiben und fragen, ob die Halteverbotsschilder mit den Zusätzen abmontiert werden können.“