Ludwigshafen Das Grauen hat eine zarte Stimme

Kirsten Sawatzki ist in Birkenheide aufgewachsen, ihre Krimis spielen in der Region.
Kirsten Sawatzki ist in Birkenheide aufgewachsen, ihre Krimis spielen in der Region.

«Fussgönheim.»Leichen, unappetitliche Orte und seltsame Dörfer – darum hat es sich im Wesentlichen in der Lesung der Krimiautorin Kirsten Sawatzki vergangenen Freitag gedreht. Die Fußgönheimer Landfrauen hatten in die Gemeindebibliothek eingeladen. Die Schriftstellerin las aus ihrem aktuellen Buch „Gottesbrut“ und dem bislang unveröffentlichten Werk „Die Komplizen des Todes“.

Bereits der Prolog des Buchs „Gottesbrut“ zieht die Gäste in seinen Bann. Darin beschreibt Kirsten Sawatzki, die in Dannstadt-Schauernheim lebt, eine friedliche festliche Atmosphäre. Fleißige Frauen bereiten in der Küche das Essen vor. Und die Protagonistin erzählt in der Ich-Form, dass sie an diesem Tag sterben müsse. Ihr Bruder habe den Grabstein gemeißelt, die Kinder hätten das Grab ausgehoben. Eine absurde Stimmung, die die Zuhörer an die Stühle fesselt. „Gottesbrut“ spielt in den Vogesen, in der Nähe von Scheidenhardt. Die Autorin wählte einen Ort mit viel Wald, wenig Zivilisation und der von der Pfalz aus gut zu erreichen ist. In der Geschichte wollen die Polizistin Laura und ihre Freundin, die Rechtsmedizinerin Elena, mit dem Zug in Urlaub fahren. Doch der stoppt aufgrund eines Personenschadens mitten in Frankreich. Da nehmen die beiden ihre Räder und ziehen aufs Gradewohl los. Sie verirren sich und landen in einem autarken Dorf mit seltsamen Regeln. Bald ereilt sie ein Hilferuf. Ihre Krimis in der Pfalz und Umgebung anzusiedeln, ist für Kirsten Sawatzki nur eine logische Konsequenz. Sie ist in Birkenheide aufgewachsen und hat lange in Fußgönheim gewohnt. „Ich bin von hier, kenne die Pfälzer und das Land, was soll ich da über Hamburg schreiben“, sagt sie. Kleine Anekdoten unterhalten zwischen den Leseproben. So erzählte sie, dass ihre Familie und Freunde sie bei der Recherche oder dem Gestalten des Buchcovers unterstützen. Ihr Schwiegervater berate sie oft. Dafür lasse sie sich von ihm auch gerne mal als mörderische Schwiegertochter bezeichnen. Und sie erzählt, dass das Wort „Gottesbrut“ an ihrem Kühlschrank prangte, worüber die Pastorin total entsetzt gewesen sei. Ihr gleichnamiger Krimi erschien 2016, es war ihr zweites Buch. 2013 hat Kirsten Sawatzki an der Rowohlt-Krimischule teilgenommen, ihr erster Krimi heißt „Tödliche Mutterliebe“. Das Werk „Die Komplizen des Todes“ ist noch nicht erschienen, liegt aber schon in der Schublade, das vierte Werk ist in Arbeit. Bis zur nächsten Veröffentlichung wird noch etwas Zeit vergehen, denn die Autorin ist überzeugt: „Ein Buch muss liegen wie ein Rumpsteak.“ Für die Recherche bedient sie sich vieler Mittel, liest im Internet oder begibt sich an unheimliche Orte. Für „Die Komplizen des Todes“ etwa erkundete sie die Mannheimer Kanalisation - trotz Platzangst, denn das Ende spielt im Kanal. Sie verspricht zwar, dass kein Blut vorkomme, beschreibt aber detailliert und bildhaft die Teile der zerstückelten Leiche und was sonst so im Abwasser schwimmt – dabei streichelt sie den Totenschädel auf dem Tisch. Doch irgendwie passt ihre zarte Stimme nicht so recht zu dem Grauen, das sie vorliest. Viel zu schnell ist das letzte Blatt gelesen. „Und wer ist jetzt der Mörder?“, fragt ein Zuhörer aus den Reihen. „Das steht da drin“, sagt die Autorin und hebt das Buch hoch.

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