Sommerserie „Wasser Marsch“ (2)
Das Freibad und seine „Pumpenstube“
Leises Plätschern und Vogelgezwitscher. Morgens herrscht eine idyllische Stimmung im Freibad am Willersinnweiher – zumindest an der Oberfläche. Ein Stockwerk tiefer, in einem Raum direkt unter dem großen Nichtschwimmerbecken, ist es schwül, es wummert und dröhnt. Hier wird gearbeitet – beziehungsweise gepumpt. Schließlich sollen die Besucher in sauberem Wasser planschen können. Eine Mammut-Aufgabe, denn alleine das große Becken mit Rutsche fasst über zwei Millionen Liter Wasser. Um eine reibungslose Reinigung zu gewährleisten, sind mehrere große Pumpen den ganzen Tag im Einsatz. „Wir nennen das hier unten liebevoll unsere Pumpenstube. Die erste Station für das Wasser“, erzählt Gabriele Müller, die Betriebsstellenleiterin.
Ein ewiger Kreislauf
Was im ersten Moment furchtbar kompliziert aussieht, ist eigentlich ein ziemlich logischer Reinigungsvorgang, den Müller sehr gut zu erklären weiß. „Im Prinzip durchläuft unser Wasser hier immer wieder den gleichen Kreislauf. Vom Wasserbecken schwappt das Wasser über den Rand in die Wasserrinne. Dort wird es in einem Behälter, einem sogenannten Reservoir, gesammelt.“
Dieses Reservoir steht auch in der Pumpenstube. Im nächsten Schritt kämen die Pumpen zum Einsatz. Sie sollen vor allem den Grobschmutz aus dem Wasser filtern. Das können laut Müller Haargummis, Blätter, Kaugummis, aber auch Poolnudel-Stücke sein. „Die Pumpen hier unten sind Umwälzpumpen. Sie saugen das Wasser an, reinigen es und drücken es durch die Rohre weiter zur nächsten Station.“ Die befindet sich ein paar Meter weiter. In dem größeren Technikgebäude ist es zwar nicht so schwül wie in der Pumpenstube, dafür aber genauso laut.
„Das hier ist unser Heiligtum“, sagt Gabriele Müller. Hier werde das Wasser noch mal durch mehrere Filter gepumpt. Die eckigen Behälter verfügen über mehrere Filterschichten. „Das Wasser fließt von oben nach unten. Erst durch feines, dann mittleres und zuletzt durch grobes Filtermaterial. Der Schmutz wird in den Kanal abgeleitet.“ Einmal pro Woche müssten auch die Filter gereinigt werden – mit Wasser. Das System sei voll automatisiert und digital. Das mache es den Mitarbeitern leichter. „Wir prüfen trotzdem täglich noch einmal händisch nach, ob auch wirklich alles so läuft, wie es soll“, sagt die Betriebsstellenleiterin.
Chlorgas zur Desinfektion
Für das saubere Wasser ist die Reise aber noch nicht ganz vorbei. In einem letzten Schritt müsse das kühle Nass noch desinfiziert und der pH-Wert angepasst werden. Das passiert im Willersinn-Freibad mit Chlorgas in einer Treibwasserpumpe. Die ist zwar nicht besonders groß, aber unheimlich laut. Gabriele Müller erklärt, wieso gerade Chlorgas für die Weiterverarbeitung des Wassers so praktisch ist: „Wir haben gleich zwei Dinge, die wir mit Chlorgas regeln können. Die unterchlorige Säure desinfiziert das Wasser. Und die Salzsäure, die als Nebenprodukt entsteht, können wir dazu nutzen, den pH-Wert zu senken.“
Da das Wasser in Ludwigshafen einen relativ hohen pH-Wert vorweise, sei das sinnvoll. Desinfiziert und behandelt kann das Wasser nun wieder dem Nichtschwimmerbecken zugeführt werden, und der Kreislauf beginnt von vorne. Um die kompletten zwei Millionen Liter Wasser aus dem großen Becken zu filtern, brauche es laut Müller mehr als 24 Stunden. Die kleineren Becken seien nach nur wenigen Stunden schon voll gefiltert.
Vom Weiher- zum Frischwasser
Es sei natürlich normal, dass bei den Vorgängen auch eine ganze Menge Wasser „verloren“ gehe. Gerechnet wird mit täglich 30 Litern pro Badegast. Damit die Besucher nicht irgendwann auf dem Trockenen stehen, muss dieses Wasser ersetzt werden. Zum einen natürlich mit Frischwasser von der Stadt. Doch das sei ziemlich teuer. Die Lösung des Freibads: eine Osmose-Anlage. Hier spielt dann auch das angrenzende Weiherwasser eine entscheidende Rolle. „In dieser Anlage wird das Wasser aus dem Weiher zu Frischwasser aufbereitet“, erklärt Manuel Budai. Er ist Meister für Bäderbetriebe und seit neun Jahren im Ludwigshafener Freibad tätig. Das Wasser werde zunächst mit einer Pumpe aus dem Weiher gezogen und durch die Filtermatten in der Osmose-Anlage gereinigt.
„Ein Schwimmbad sauber zu halten, ist gar keine leichte Aufgabe“, sagt Gabriele Müller. Gerade bei den vielen Pumpen im Technikraum schleiche sich gerne mal „der Fehlerteufel“ ein oder irgendetwas laufe nicht, wie es soll. Und der Chlorgas-Unfall vergangene Woche hätte allen deutlich gemacht, wie gefährlich ihr Beruf teilweise sein könne. In solchen Momenten sei eine gute Zusammenarbeit wichtig. „Wir hatten Glück im Unglück, nur ein Mitarbeiter wurde verletzt. Alle haben vorbildlich gehandelt“, ergänzt sie. Seit 2018 hat sie den Posten der Betriebsstellenleiterin, arbeitet eng mit den Maschinisten und Meistern im Technikraum zusammen und kommt aus dem Schwärmen für das Bad gar nicht raus. „Hier wird es auch einfach nie langweilig.“
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